Fußball | 70 Jahre Landesliga
Alstätter Paradesturm nicht zu stoppen

Kreis Borken -

Der ASC Schöppingen hat es geschafft. Der VfB Alstätte auch. Diese beiden Vereine gehören zum Kreis derjenigen, denen die Meisterschaft in der Fußball-Landesliga gelang. Ein Team aus Epe hofft zurzeit auf den sechsten Aufstieg in die Landesliga.

Samstag, 31.12.2016, 12:40 Uhr

Der VfB Alstätte als Landesliga-Meister der Saison 81/82: Schriftführer Theo Wagner, Heinz Tenhagen, Trainer Dieter Meis, Hartwig Withöft, Norbert Hackfort, Jochen Terhaar, Werner Garthaus, Werner Terhaar, Gerhard Terhaar, Josef Heijnk, Heinz Hackfort, Masseur Rudi Haveloh, Josef Kruthoff (o.v.l.) sowie Reiner Ahler, Thomas Gehling, Ludger Körkemeyer, Bernd Meis, Heinz Render, Thomas Terhaar, Helmut Wermer, Theo Schabbing (u.v.l.).Es fehlt Betreuer Ludwig Gehling.
Der VfB Alstätte als Landesliga-Meister der Saison 81/82: Schriftführer Theo Wagner, Heinz Tenhagen, Trainer Dieter Meis, Hartwig Withöft, Norbert Hackfort, Jochen Terhaar, Werner Garthaus, Werner Terhaar, Gerhard Terhaar, Josef Heijnk, Heinz Hackfort, Masseur Rudi Haveloh, Josef Kruthoff (o.v.l.) sowie Reiner Ahler, Thomas Gehling, Ludger Körkemeyer, Bernd Meis, Heinz Render, Thomas Terhaar, Helmut Wermer, Theo Schabbing (u.v.l.). Es fehlt Betreuer Ludwig Gehling. Foto: Niehoff

Als die „Westfälischen Nachrichten“ am 3. August des Jahres 1946 erstmals auf den Markt kamen, berichtete diese Tageszeitung im Sportteil über den anstehenden ersten Nachkriegs-Boxkampf um die deutsche Schwergewichtsmeisterschaft zwischen Champion Walter Neusel und Herausforderer Hein ten Hoff. Fußball fand in der Premierenausgabe nicht statt, was auch daran gelegen haben mag, dass gerade Sommerpause war.

Die Anfänge der Landesliga

Erstaunlich war, dass der Ball nur wenige Monate nach der Kapitulation der deutschen Wehrmacht schon wieder rollte. Mühevoll und mit großem organisatorischen Geschick hatten die Vereinsvertreter in ihrer knapp bemessenen Freizeit dafür gesorgt, dass der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden konnte.

Damals gab es bereits die Fußball-Landesliga. Allerdings spielten 1946 nicht der SV Burgsteinfurt, SV Wilmsberg, Arminia Ochtrup, VfB Alstätte, ASC Schöppingen, Vorwärts Gronau oder einer der beiden Eper Fußballvereine in jener Liga. Tonangebend waren vielmehr Schalke 04, Borussia Dortmund, VfL Bochum, Arminia Bielefeld oder Preußen Münster.

Mit dieser Mannschaft stieg der FC Epe 1987 in die Landesliga auf.

Mit dieser Mannschaft stieg der FC Epe 1987 in die Landesliga auf. Foto: Niehoff

Allein daran lässt sich erahnen, wie sich der Stellenwert der Landesliga in der Hierarchie des deutschen Liga-Systems im Laufe der vergangenen sieben Jahrzehnte verändert hat. Einst war sie die höchste Liga. Heute dagegen bildet die Landesliga die siebte Ebene des deutschen Fußballliga-Systems. Ein Blick in die Geschichte fördert interessante Details zutage.

In der Landesliga wurde im ersten Nachkriegsjahr ín zwei Staffeln mit jeweils neun Vereinen gespielt. Am Ende der Saison standen mit Schalke 04 und der Spielvereinigung Erkenschwick die beiden Staffelsieger fest. Zu einem Endspiel um die Westfalenmeisterschaft zwischen beiden Clubs kam es indes nicht, da dies von der britischen Militärkommandantur untersagt wurde. Somit gab es bis 1947 auch keine Spiele um die Deutsche Meisterschaft, weil die Alliierten nicht zustimmten.

SC Greven und Preußen Münster

Aus Sicht der Vereine im Münsterland sorgte der SC Greven 09 mit dem Aufstieg in die Landesliga im Jahr 1946 für Aufsehen. Greven war seinerzeit neben Preußen Münster das Aushängeschild der Region. Allerdings schafften es weder die Grevener noch die Münsteraner, sich für die 1947 gegründete Oberliga West zu qualifizieren.

Mit der Einführung der Oberliga rückte die Landesliga an die zweite Stelle. In Staffel zwei ging 1947/48 neben Preußen Münster (späterer Gruppensieger und Gewinner des Endspiels um die Westfalenmeisterschaft gegn SuS Recklinghausen) und Greven 09 auch der TuS Lengerich in der zweithöchsten Spielklasse an den Start. Als Aufsteiger belegte Eintracht Nordhorn den siebten Platz. Ein Jahr später hatte auch Sparta Nordhorn den Aufstieg geschafft, stieg aber prompt 1949 wieder ab (wie auch Greven 09 und Arminia Ochtrup in jenem Jahr).

SG Gronau macht auf sich aufmerksam

Der erste Gronauer Verein, der von sich in der Landesliga reden machte, war die SG Gronau, die 1955 aufgestiegen war in diese letztmalig höchste Amateurliga Westfalens. 31 Mannschaften qualifizierten sich für die neue Verbandsliga, die 1956 als nun höchste Klasse Westfalens eingeführt wurde. Für die Spielgemeinschaft Gronau war der 4:1-Sieg gegen TuS Haltern der entscheidende Schritt in die Verbandsliga (dort belegte SG im Sommer 1957 mit positivem Punktekonto Rang sieben).

Die Schwarz-Weißen konnten sich so hoch aber nicht halten, stiegen im Jahr des 50jährigen Vereinsbestehens (1959) ab, passierten die Landesliga auf dem Weg runter in die Bezirksliga. Am Ende des Spieljahres 1967/68 gewann die SG in Metelen das Entscheidungsspiel gegen die punktgleiche Mannschaft von Borussia Rheine durch ein Tor von Friedhelm Rakers mit 1:0 und rückte wieder hoch in die Landesliga. In der Saison 68/69 belegte SG als Klassenneuling den respektablen siebten Rang. 1972 ging es für die SG abermals eine Klasse tiefer, doch nur ein Jahr später verließ die Spielgemeinschaft die Bezirksklasse Emsland schon wieder Richtung Landesliga als Meister, konnte sich dort aber nur noch ein Jahr lang halten.

Die Meisterurkunde für den ASC Schöppingen.

Die Meisterurkunde für den ASC Schöppingen. Foto: Verein

In dieser Zeit machte schon der ASC Schöppingen auf sich aufmerksam. Als sich die SG Gronau ab der Serie 1973/74 tiefer orientieren musste, begann unter Regie von Spielertrainer Falk Dörr der Aufschwung der Grün-Weißen. 1974/75 wurde der ASC mit großem Vorsprung Meister der Bezirksliga, ein Jahr später Vizemeister der Landesliga. Knapp hatte das Team aus der Vechtegemeinde den direkten Durchmarsch verpasst. Doch die Meisterfeier war nur aufgeschoben. Im Sommer 1977 feierte der ASC Schöppingen – mittlerweile unter Trainer Helmut Menzel – die Meisterschaft in der Landesliga und damit den Verbandsliga-Aufstieg. Nach zehn Jahren in der Oberliga (1982 - 1992) und der Bezirksliga-Meisterschaft unter Trainer Bernd Dirksen gehörte der ASC von 1993 an weitere Jahre der Landesliga an.

Die Freude über den Aufstieg des ASC war groß.

Die Freude über den Aufstieg des ASC war groß. Foto: Niehoff

Ein längeres Gastspiel gab der FC Epe in der Landesliga. Manfred Friedrich, früherer Zweitligaspieler der SpVgg Erkenschwick, kam 1975 vom Verbandsligisten Eintracht Ahaus zum A-Ligisten. Ziel war der Aufstieg in die Bezirksliga, der ebenso gelang wie 1978 der Sprung in die Landesliga. Sogar zur Vizemeisterschaft sollte es nochmals zwölf Monate später reichen.

Niederländischer Nationalspieler in den Bülten

Nach einem Spielertrainer-Intermezzo des niederländischen Nationalspielers Theo Pahlplatz (spielberechtigt ab August 1979; Trainer 1980/81) und dem recht kurzen Wirken von Dagmar Drewes (Sommer 1981 - Februar 1982) schaffte der FC Epe den Klassenerhalt nicht mehr. 1987 – nach einem 3:2-Sieg über den FC Oeding (Schützenhilfe leistete ausgerechnet Vorwärts Epe mit einem Sieg über den SC Südlohn) – stand das Team aus den Bülten jedoch erneut als Meister der Bezirksliga fest. Der frühere Zweitligaspieler Holger Zippel hatte ab 1985 das Meisterteam geformt. 1988 musste der FCE als Tabellenletzter wieder den Weg zurück antreten und kehrte bis heute nicht in die Landesliga zurück.

Das gilt im Übrigen auch für die Fußballer von Vorwärts Gronau. Die Blau-Weißen, damals noch an der Overdinkelstraße beheimatet, waren 1984 erstmalig und 1986 ein zweites Mal in die Landesliga aufgestiegen – und 1988 zeitgleich mit dem FC Epe abgestiegen.

Vorwärts Gronau steigt auf und ab

Passend zum 75-jährigen Jubiläum erreichte Vorwärts ein Entscheidungsspiel, dass die Mannschaft von Rudolf Perrevort in Burgsteinfurt 3:1 gegen die DJK Dülmen gewann. „Mann des Spiels“ war der erst 18-jährige Ralf Buß, der alle Gronauer Treffer erzielte. Für den zweiten Aufstieg in die Landesliga im Jahr 1986 zeichnete Spielertrainer Koos de Wals verantwortlich. Nach Rang acht im Spieljahr 1986/87 wurde das Team aus dem Bauverein doch wieder seinem Ruf als Fahrstuhlmannschaft (drei Auf- und zwei Abstiege zwischen 1981 und 1988) gerecht.

Rene Kamphuis (Vorwärts Epe)

Rene Kamphuis (Vorwärts Epe) Foto: aho

Dieses Auf und Ab erlebte auch Vorwärts Epe. Früher als der Ortsrivale FC pochten die Grün-Weißen an das Tor zu den höheren Ligen, um dann 1976 in die Landesliga vorzudringen. Dort hielt sich die Mannschaft vier Jahre. Auch 1985 war am Wolbertshof ein Landesliga-Aufstieg zu feiern, auf den jedoch ein prompter Abstieg folgte. Ein drittes Mal führte Rene Kamp­huis 1992 (rundes Foto) die Vorwärtsler (für erneut nur ein Spieljahr) in die Landesliga, ehe unter Regie von Gerd Segbert und Jürgen Banken der vierte Sprung in die Landesliga glückte. Immer noch wie schon 1992 dabei: Thomas Damm, Gerd Meyer und Mario Carneiro. Danach hielt Vorwärts unter Leitung des früheren Profis Rico Steinmann die Klasse (bis 2004). Schließlich jubelte nach erneutem Gastspiel in der Bezirksliga auch Spielertrainer Robbert Weegerink, als es ihm 2007/08 gelang, Vorwärts mit großem Vorsprung vor dem Favoriten Eintracht Ahaus für wiederum eine Saison in die Landesliga zu führen. Aktuell sind die Vorwärtsler als Tabellenzweiter erneut ein Kandidat für den Aufstieg.

VfB bleibt lange Zeit ungeschlagen

Sogar als Meister der Landesliga taucht in der Statistik der VfB Alstätte auf. 1982 erhielten die Rot-Weißen – gefürchtet war ihr Paradesturm Ahler-Meis-Render – die Meisterurkunde (rundes Foto li.). Nach dem Aufstieg in die Bezirksliga 1981 brauchte der Neuling ein wenig Zeit, um sich zurechtzufinden. Neun Spiele in Folge ohne Niederlage katapultierten die Alstätter aber auf Platz eins der Landesliga, den sie trotz zwei Abschlussniederlagen nicht mehr einbüßten. Der Sportplatz am Bahnhof war damals ein Publikumsmagnet. Der Aufstieg in die Verbandsliga unter Trainer Dieter Meis ist bis heute der größte Erfolg der Alstätter Fußballer, auch wenn es danach binnen zwei Jahren wieder zurück in die Bezirksliga ging.

Dem VfB Alstätte wird die Meisterurkunde überreicht.

Dem VfB Alstätte wird die Meisterurkunde überreicht. Foto: Niehoff

Im Gegensatz zu den Anfängen der Zeitungsproduktion inmitten von Trümmern während der Nachkriegszeit wird die Landesliga in heutiger Zeit medial in all ihren Facetten beleuchtet. Das gilt in erster Linie, aber nicht nur für den Fußball.

Übrigens: Den Schwergewichts-Boxkampf an jenem 3. August 1946, an dem die „Westfälischen Nachrichten“ erstmals erschienen, gewann am Hamburger Rothenbaum Hein ten Hoff nach Punkten.

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