Fußball: Bernard Dietz 70 Jahre alt
Auf ein Stück Kuchen mit Ennatz

Beim MSV Duisburg haben sie ihn in den Rang einer Fußball-Legende gehoben. Das Vereinsmaskottchen begleitet die Partien schon seit 2005 unter seinem Namen. Gemeint ist Bernard „Ennatz“ Dietz. Geboren in Bockum-Hövel lebt das Fußball-Idol mit seiner Frau nunmehr in Walstedde. Fast 500 Bundesliga-Partien absolvierte Dietz in seiner Karriere. Im Interview blickt er zurück auf ein bewegtes Fußball-Leben.

Donnerstag, 22.03.2018, 17:35 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 22.03.2018, 05:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Donnerstag, 22.03.2018, 17:35 Uhr
Seinen 70. Geburtstag feiert Bernard „Ennatz“ Dietz mit 250 Freunden und Weggefährten in der MSV-Arena in Duisburg.
Seinen 70. Geburtstag feiert Bernard „Ennatz“ Dietz mit 250 Freunden und Weggefährten in der MSV-Arena in Duisburg. Foto: Ulrich Schaper

Was dem HSV sein Uwe ist, ist dem MSV Duisburg sein Ennatz. Zur Saison 1970/71 wechselte der damals 22-Jährige Bernard Dietz , den die meisten unter seinem Spitznamen Ennatz kennen, von seinem Heimatverein Bockum-Hövel zum Bundesliga-Klub MSV Duisburg. Während der zwölf Jahre im Trikot der Zebras absolvierte Dietz 394 Bundesligaspiele, stand im DFB-Pokalfinale und erreichte mit dem MSV sogar das Halbfinale des Uefa-Cups. Die Deutsche Nationalmannschaft führte er 1980 als Kapitän zum EM-Titel.

Seine aktive Karriere beendete er 1987 im Trikot des FC Schalke 04. Als Trainer feierte Dietz seine größten Erfolge im Jugend-Bereich des VfL Bochum. 2010 kehrte er als Funktionär zum MSV Duisburg zurück und ist noch immer im Vorstand des Vereins tätig. Bernard Dietz, der mit seiner Frau in Walstedde lebt, feiert heute seinen 70. Geburtstag. WN-Redakteur Ulrich Schaper sprach mit dem Fußball-Idol über diese Zahl und über den Dokumentarfilm, der im vergangenen Jahr über ihn gedreht wurde. Weil Dietz dafür bekannt ist, eine Schwäche für Kaffee und Kuchen zu haben, fand das Gespräch in einem Café statt.

Herr Dietz, jeder weiß, dass Sie ein sehr bescheidener Mensch sind. Nun gibt es einen Film über Sie – hat es viel Überredungskunst gekostet, dass Sie an diesem Projekt teilnehmen?

Dietz: Der Thorsten Ippendorf (der Regisseur des Films; d. Red.) und ich kennen uns seit etwa zehn Jahren von diversen Spielen einer Promi-Elf. Er kam schon im vergangenen Sommer auf mich zu. Ich dachte zuerst: Der will mich veräppeln. Ein Film? Über mich? Ippi hat nicht locker gelassen und kurz vor Weihnachten hab ich dann zugesagt.

Was wird man in dem Film zu sehen bekommen?

Dietz: Ach, das ist eine ganz verrückte Geschichte gewesen. Das war kurz vor Weihnachten, da sind wir kreuz und quer durch die Republik gejagt. Ich habe mit meiner Frau ein Spiel des MSV Duisburg gesehen, dann kam der Regisseur und wir sind kurzfristig nach München gefahren. Da haben wir dann mit Kalle Rummenigge gedreht, dann ging es nachts wieder nach Hause. Die nächsten Tage ging es weiter im Stadion in Duisburg. Da haben wir Werner Hansch dazu geholt, der hat auf einer leeren Tribüne gesessen und den 6:3-Sieg gegen Bayern München, dem Spiel, wo ich als Abwehrspieler vier Tore geschossen hab, nachgesprochen. Besucht haben wir auch das Sport-Museum in Dortmund und den alten Platz in Bockum-Hövel, die Zeche und Fördertürme, so ging das weiter. Das waren verrückte Dreharbeiten – die unglaublich Spaß gemacht haben.

Sie haben während der Dreharbeiten viele alte Weggefährten wiedergesehen, viele Orte besucht, die Ihnen etwas bedeuten und an denen Sie gewirkt haben. Wie hat sich diese Zeitreise während der Dreharbeiten für Sie angefühlt?

Dietz: Wenn man die Menschen wieder trifft und diese Orte besucht, da kommt einem natürlich viel in den Sinn. Das waren viele schöne Momente.

Gibt es da Erinnerungen, die herausstechen?

Dietz: Einer war zum Beispiel bei diesem 6:3-Sieg gegen Bayern München. Das Spiel ging wirklich hin und her. Otto Knefler war damals unser Trainer. Als es nicht so gut für uns aussah, forderten die Zuschauer schon seinen Rauswurf. Mich hingegen haben Sie dann am Ende nach meinen vier Toren auf den Schultern getragen. Als ich vom Spielfeld ging, nahm mich dieser hünenhafte Mann in den Arm und sagte mit Tränen in den Augen: „Junge, ich weiß, heute hast Du für mich gespielt.“ Das werde ich nie vergessen.

Bei so vielen Clubs haben Sie ja gar nicht gespielt. Wie viele Vereine haben heute Platz in Ihrem Herzen?

Dietz: Allen voran natürlich der MSV. Da bin ich ja auch heute noch im Vorstand aktiv. Auch zu den anderen Clubs habe ich noch einen guten Draht.

Verfolgen Sie denn noch, was die kleinen Vereine machen, bei denen Sie nach Ihrer aktiven Zeit als Trainer aktiv waren? Verl? Schöppingen? Ahlen?

Dietz: Man kriegt schon noch mit, was die so machen, was da so passiert, ich verfolge die Berichterstattung, da kriegt man das hier und da immer mit. Nicht bis ins letzte Detail, das ist klar.

Was ist denn das schöne am Fußballrentner-Dasein?

Dietz: Och, da gibt es schon einiges. Ich kann gut damit leben, dass die Zeit vorbei ist. Manchmal erwischt man sich, wenn man im Stadion auf der Tribüne sitzt, schaut auf den Rasen und denkt: Bist du wirklich mal da unten aufgelaufen? Haben dir die Leute damals zugeschaut, so wie du das heute machst?

2010/2011 wurden sie von den Fans des MSV zur Vereinslegende gewählt. Schon 2005 hat man das Maskottchen nach Ihnen benannt – mehr geht nicht, oder?

Dietz: Ich wusste damals gar nicht, wie das zustande kam. Das war ja eine Umfrage unter den Zuschauern und Fans. Viele von denen kennen mich ja gar nicht mehr, haben mich nie spielen sehen. Das alles war ja schon 20 Jahre Geschichte. Das ist eine große Ehre gewesen, das hat mich schon berührt.

Herr Dietz, ein ander Fußball-Rentner sorgt grade im Süden Deutschlands für Furore: Jupp Heynckes ist nur zwei Jahre älter als Sie und hat sich noch einmal überreden lassen, ins große Geschäft einzusteigen, und den FC Bayern zu trainieren. Was dachten Sie, als Sie davon erfuhren?

Dietz: Das war das Beste, was München machen konnte. Das ist ein Mensch, der lebt Fußball. Der konnte nicht nein sagen. Das ist ein Mann von der alten Schule. Der weiß, worauf es im Kern ankommt. Fußball ist heute ja komplett verwissenschaftlicht. Da wird Blut abgezapft, Passquoten gemessen und was weiß ich. Jupp ist einer, der sagt: Pass auf Junge, da ist dein Gegenspieler, hier ist der Ball und dort das Tor. Mach mal. Fußball ist halt immer noch ein Spiel und nicht bis ins letzte Detail planbar.

Kann man den Fußball von heute mit damals überhaupt noch vergleichen?

Bernard Dietz: Ja, in vielen Dingen schon. Die Bedingungen haben sich natürlich grundlegend geändert. Damals gab es noch Spieler, die hatten Nebenjobs. Auch das ganze Drumherum, die Stadien, die Plätze – heute ähnelt der Rasen ja eher einem Teppich. Da verspringt fast kein Ball mehr.

Sie hatten auch Angebote: Aus New York und von Eintracht Frankfurt – damals beides große Adressen. Hat es Sie nie gereizt, zu wechseln?

Dietz: Beckenbauer und Pelé waren damals in New York. Ich war aber schon verheiratet, hatte zwei kleine Kinder. Das kam nicht in Frage. Und als ich bei Frankfurt im Gespräch war, da gab es eine Szene, die vergesse ich nie: Da hat nach dem Training ein Mann mit Frau und Kind an meinem Auto gestanden und an die Scheibe geklopft, der sagte: Ennatz, das wirst du doch nicht machen, du wechselst doch nicht, oder? Auf der einstündigen Heimfahrt hab ich dann in den Rückspiegel geschaut und gedacht: Das kannst du den Leuten nicht antun, Du kannst nicht wechseln. Ich blieb.

Sie sind die meiste Zeit Ihrer Karriere als Abwehrspieler aufgelaufen, sind aber in fast 500 Bundesliga-Spiele nie vom Platz geflogen. Wie geht das?

Dietz: Ich hab den Schiedsrichter nach einem Foul immer mit ganz unschuldigen Augen angeschaut. Da kann man doch nicht glauben, dass ich was Böses gemacht hab.

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