Handball | Geldstrafe für den HVW
Verärgerung an der Basis

Gronau -

Als habe der Handball vor allem in den unteren Klassen nicht mit genug anderen Sorgen zu kämpfen. Fehlender Nachwuchs, massig Konkurrenz durch andere Trendsportarten, Probleme bei den Hallenbelegungen. Die Liste ist lang. Da erwarten Funktionäre der Basis, zum Beispiel auch Gerd Engbrink als Vorsitzender des hiesigen Handballkreises, eigentlich eher Unterstützung von der Spitze. Doch das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Der Handballverband Westfalen wurde nun zu einer saftigen Geldstrafe verdonnert.

Dienstag, 30.10.2018, 20:00 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 30.10.2018, 20:00 Uhr
Da vergeht auch dem Vorsitzenden des Handballkreises Euregio-Münsterland, Gerd Engbrink, das Lachen. Der HVW wurde zu einer saftigen Geldstrafe verdonnert.
Da vergeht auch dem Vorsitzenden des Handballkreises Euregio-Münsterland, Gerd Engbrink, das Lachen. Der HVW wurde zu einer saftigen Geldstrafe verdonnert. Foto: Stefan Hoof

Das könnte ein klassisches Eigentor für den Deutschen Handballbund werden: Weil im Dezember 2017 während der Frauen-WM in manchen Handballkreisen in den untersten lokalen Ligen vereinzelt Spiele ausgetragen wurden, will der DHB nun den Handballverband Westfalen (HVW) mit 5.000 Euro bestrafen. Doch der HVW wehrt sich. „Wir haben gegen den Strafbefehl des DHB-Präsidiums Einspruch beim Bundessportgericht eingelegt“, sagt Wilhelm Barnhusen , Präsident des Handballverbandes Westfalen. Denn die Empörung ist nicht nur beim HVW, sondern auch bei den lokalen Spielebenen – also den Handballkreisen – groß: Während die Bundesliga auch während der Frauen-WM spielen durfte, hat der DHB Spielverbote für die Landesverbände beschlossen, um die etwaigen Zuschauer stattdessen zu den WM-Spielorten zu locken. Dass dies bei den ehrenamtlich organisierten Spielen aufgrund der vorgegebenen Hallensituation und der Dichte der noch vorhandenen Spieltage nicht immer möglich war und nun in dieser Art bestraft werden soll, löst bei Hunderten von ehrenamtlich tätigen Funktionären, Spielern und Trainern auf allen Ebenen nur Kopfschütteln aus.

Was sich für den DHB indes als besonders pikant herausstellen könnte: Der Handballverband Westfalen hat das vom DHB auferlegte Spielverbot an den WM-Tagen strikt beachtet. Barnhusen erläutert: „In den von uns verantworteten Ligen von der Landes- bis zur Oberliga hat kein einziges Spiel stattgefunden.“ Die vom DHB monierten – vereinzelten – Spiele fanden allesamt auf Ebene der lokalen Handballkreise statt, die als eingetragene Vereine über einen eigenständigen Spielbetrieb verfügen. „Der Bescheid des DHB ist so“, sagt Barnhusen, „als ob Sie ein Strafmandat für ein falsch geparktes Auto eines Nachbarn bekommen, der in ihrem Haus wohnt.“

Vor der jetzigen sportrechtlichen Auseinandersetzung stand durchaus der Versuch der Westfalen, die Sache in gutem Einverständnis zu erledigen. „Wir haben mit allen Handballkreisen gesprochen und von dort wurde uns glaubhaft versichert, dass trotz der bekannten Ansetzungsproblemen auf den untersten Spielebenen, also überwiegend im Jugendbereich, künftige Spielverbote beachtet würden. Und genau dies haben wir dem DHB auch mitgeteilt“, so der HVW-Präsident. Aber beim DHB wollte man von dieser sportlichen Zusage offenbar nichts wissen und kam gleich mit der Geldstrafenkeule. Jetzt wird die Sache also vor dem Sportgericht entschieden – dabei will man im Verband und in den Kreisen vor allem eines: Handball spielen.

So sieht es auch Gerd Engbrink, Vorsitzender des Handballkreises Euregio-Münsterland e.V. „Wenn wir in einer Kreisklasse während einer Frauen-WM ein Spiel durchführen, dann ist das ja keine Böswilligkeit – sondern den Umständen geschuldet, mit denen wir im Breitensport leben müssen. Aus unserer Sicht hat der DHB hier wohl den Kontakt zu seiner Basis und damit zur Realität verloren.“

„Selbst wenn wir und unsere Vereine uns in unserem Kreisgebiet an das Spielverbot seitens des DHB gehalten haben, Vorwärts Gronau etwa hat kein Spiel im WM-Zeitraum ausgetragen, erklären wir uns mit den Vereinen der Kreise solidarisch, die in ihrem Bereich Spiele durchführen mussten“, macht Engbrink den Frust deutlich.

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