Windsurfen: Fabian Grundmann in Südafrika
Das Paradies für Wellenreiter

Gronau -

Fabian Grundmann war im wahrsten Sinne des Wortes guter Hoffnung, perfekte Wellen zu erwischen. Was der Gronauer Windsurfer dann aber am südlichsten Zipfel Afrikas erlebte, übertraf alle Erwartungen. Ein Kap mit schroffer Landschaft, türkisfarbenem Wasser – einfach eine traumhafte Kulisse. Und natürlich meterhohe Wellen. Für die WN berichtet der Wellenreiter von seinen Erlebnissen in Südafrika

Samstag, 20.04.2019, 06:00 Uhr
Die Turns gestalten sich mal sanft, mal radikaler, je nach eigenem Fahrstil. „Und wenn du dann wieder raus surfst, kannst du die Wellen als Rampen zum Springen benutzen“, gerät der Gronauer Fabian Grundmann ins Schwärmen.
Die Turns gestalten sich mal sanft, mal radikaler, je nach eigenem Fahrstil. „Und wenn du dann wieder raus surfst, kannst du die Wellen als Rampen zum Springen benutzen“, gerät der Gronauer Fabian Grundmann ins Schwärmen. Foto: Juliette Schellenberg

Als Bartolomeu Diaz im Jahre 1488 als erster Europäer den südwestlichsten Punkt Afrikas entdeckte, gewann die heute als Kap der Guten Hoffnung bekannte Festlandspitze zunehmend für Seefahrer an Bedeutung und Beachtung. Zum einen, weil das Kap ihnen als Orientierungshilfe auf dem Handelsweg nach Indien diente. Aber auch, weil diese Region berüchtigt für seinen starken Wind, hohe Wellen, gefährliche Felsen und heimtückische Strömungen ist, schon viele Schiffe deshalb in Seenot brachte. Über 20 von ihnen sanken vor dem Kap der Guten Hoffnung. Heute ist das Kap mehr ein Touristenmagnet und für Seefahrer nach der Eröffnung des Suezkanals weniger wichtig.

Mulmiges Gefühl in der Magengegend

Meine Windsurf-Reise führt mich nach Südafrika, genau dorthin. Natürlich darf eine Expedition an das sagenumwobene Kap nicht fehlen. Gut vorbereitet mit vielen Informationen, erreichen meine Freundin Juliette und ich nach einer Autofahrt durch exotisch-schöne Landschaften den Windsurf-Spot „Platboom“, der nur wenige hundert Meter neben dem eigentlichen Kap liegt. Sofort fallen uns die Besonderheiten dieses Spots auf: hohe Wellen, starker Wind, eine extrem schwierige Einstiegsstelle. Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch bereiten wir gemeinsam gewissenhaft das Material vor, damit auch wirklich alles stimmt und in den Wellen nichts schief geht – doppelte Kontrolle ist einfach besser.

Dann schlüpfe ich noch in den Neoprenanzug. Wir besprechen, wie wir verfahren, falls ich mein Material nach einem Sturz in den Wellen verliere. Das Equipment würde in diesem Fall recht schnell auf die Felsen gespült werden. Ich selbst müsste parallel zum Ufer schwimmen und mich dann einige hundert Meter tiefer in der Bucht von den Wellen in eine etwa fünf Meter breite Lücke tragen lassen, wo die Felsen nicht so hoch sind und ich aus dem Wasser klettern könnte. Juliettes Aufgabe wäre dann, mich nicht aus den Augen zu lassen und eventuell das Material von den Felsen zu ziehen.

Der Puls steigt, es geht los!

Nun geht es los! Der Puls steigt, ich trage mein Material vorsichtig über die Felsen, die immer wieder von den Wellen überspült werden, bis ich den richtigen Moment zwischen den Wellenabständen abpasse, um samt Equipment ins Wasser zu springen. Mir kommen dank gutem Timing nur „kleinere“, etwa drei Meter hohe Wellen entgegen, die ich zum Glück gut überwinde. Hinter der Brandungszone surfe ich zunächst einige hundert Meter geradeaus, um mich an den neuen Spot zu gewöhnen. Es ist ein wirklich intensives und abgefahrenes Gefühl, vor dem Kap und dieser Kulisse zu surfen! Den Gedanken, dass vor mir als nächstes die Antarktis liegt, verdränge ich schnell, positioniere mich nahe der Brandung und warte auf meine ersten Wellen.

Mit nur einem anderen Windsurfer bin ich an diesem Morgen dort auf dem Wasser. Das ist wenig verwunderlich. Denn zwischen „Ich habe früher auch mal einen Surfschein gemacht“ und dem, was hier gefordert wird, liegen Welten. Ohne jahrelange Erfahrung, gute Fitness, hohe Konzentration und Top-Material würde man an solchen Windsurf-Spots in wenigen Sekunden auf den Felsen landen oder mit der Strömung hinausgetrieben werden.

Wenn du in eine fünf Meter hohe Welle hinein surfst, beschleunigt du in wenigen Augenblicken auf über 60 Stundenkilometer.

Fabian Grundmann

Langsam, aber sicher taste ich mich an die Wellen heran und reite zunächst die kleineren von ihnen ab, die über dem Riff aber bereits sehr viel Kraft besitzen. Es fühlt sich gut an, das Material ist perfekt eingestellt, und meine Manöver auf der Welle sind an diesem frühen Morgen schon so passend gesetzt, dass ich mir nun die „dicken Dinger“ aussuche. Wenn du in eine fünf Meter hohe Welle hinein surfst, beschleunigt du in wenigen Augenblicken auf über 60 Stundenkilometer.

Am unteren Teil der Welle fährt man eine Kurve, den sogenannten Bottomturn, um danach die Wellen wieder schräg hinauf zu surfen. Am oberen Teil, der Wellenlippe, fährt man erneut eine Kurve, den Cutback, um dann zurück in die jetzt fast brechende Welle zu surfen. So gelingen dann je nach Wellenqualität mehrere Kurven, also Turns, hintereinander. Diese gestalten sich mal sanft, mal radikaler, je nach eigenem Fahrstil. Und wenn du dann wieder raus surfst, kannst du die Wellen als Rampen zum Springen benutzen.

„Willkommen zurück auf der Erde!“

Nach einer Stunde Wave-Riding fühle ich mich immer wohler an diesem Spot. Ich kann gut einschätzen, wann und wo die Wellen gefährlich werden – und was ich im steilsten Teil der Wellen riskieren kann. Der Rausch lässt mich die Zeit vergessen. Die gesamte Szenerie, türkisfarbenes Wasser, schroffe Landschaft mit einem „Am Ende der Welt“-Charme. Dazu perfekte Windsurf-Bedingungen – wen wundert das?

Nach über drei Stunden Wellenabreiten merke ich, wie langsam meine Muskulatur ermüdet. Glücklich und erschöpft schaffe ich es über die Felsen an Land zu gelangen. Juliette begrüßt mich mit einem scherzhaften: „Willkommen zurück auf der Erde!“ Und dann zeigt sie mir auf ihrer Kamera ein paar Bilder, die sie geschossen hat. Aber dieses Erlebnis werde ich auch ohne Fotos niemals vergessen.

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