Fußball: Regeländerungen ab 2019/20
Angst vor zu viel Zeitschinderei

Gronau -

Sinnvoll oder überflüssig: Wie stehen die Fußball-Trainer der Region den Regeländerungen gegenüber, wenn ab der kommenden Saison statt drei nun vier Mal gewechselt werden darf? Und wie bewerten sie die Maßnahme, das Nichtantreten von Mannschaften künftig mit Punktabzügen zu bestrafen? Größtenteils herrscht Einigkeit gepaart mit einer großen Sorge: Die vier Wechsel könnten mehr denn je genutzt werden, an der Uhr zu drehen.

Freitag, 26.04.2019, 21:00 Uhr
Foulspiel, Verletzung – es geht nicht mehr weiter. Ab der Saison 2019/20 können Trainer im Amateurfußball künftig ein viertes Mal wechseln.
Foulspiel, Verletzung – es geht nicht mehr weiter. Ab der Saison 2019/20 können Trainer im Amateurfußball künftig ein viertes Mal wechseln. Foto: Stefan Hoof

Ahmet Durmaz erinnert sich noch sehr genau an den 2. September vergangenen Jahres. An diesem vierten Spieltag in der Kreisliga A1 war seine Mannschaft zu Gast beim heutigen Klassenprimus. Beim VfB führte Vorwärts Epe 2 sogar mit 2:1. Aber dann passierte etwas, was ab der kommenden Saison 2019/20 so nicht mehr eingetreten wäre.

Eine Regeländerung macht es möglich: Denn ab der nächsten Spielzeit sind dann vier statt bisher drei Wechsel im Amateurbereich möglich. Das verabschiedete der Beirat des Westdeutschen Fußballverbandes (WDFV) für seine Spielordnung, die so ab dem 1. Juli in Kraft tritt. Eine zweite Regeländerung besagt außerdem, dass ein Nichtantreten oder freiwilliger Verzicht nach dem 1. Mai einer Saison zu Punktabzügen führe für die folgende Spielzeit. Drei Punkte pro nicht durchgeführten Spiel und maximal neun Punkte Abzug für die betroffene Mannschaft – so soll ein Nichtantreten sanktioniert werden.

Vorwärts hätte ein vierter Wechsel geholfen

Noch einmal zurück ins Stadion am Bahnhof. „Wer weiß, wie diese Partie wirklich ausgegangen wäre, wenn ich noch einmal hätte wechseln dürfen“, spekuliert Ahmet Durmaz. Was war passiert? Nach Verletzungen von Kapitän Dominik Buß, Patrick Huesmann und Robin Duesmann hatten die Vorwärtsler schon nach 59 Minuten ihr Wechselkontingent ausgeschöpft. Als nur drei Minuten später auch noch Jan Engemann nicht weiterspielen konnte, kickte Epe 25 Minuten in Unterzahl – und Alstätte drehte die Partie noch. „Es ist doch klar, dass ich aufgrund solcher Erfahrungen ein mögliche vierte Auswechslung begrüße“, schlussfolgert Durmaz. Damit befindet er sich in bester Gesellschaft.

Auch Trainerkollegen wie Markus Krüchting vom VfB oder Orhan Boga von Fortuna Gronau sprechen sich klar für den vierten Wechsel aus. „Ich sehe das als Vorteil für die unteren Ligen“, sagt beispielsweise Krüchting. Orhan Boga schließt sich dem an: „Ich persönlich sehe die Sache positiv, so ergeben sich auch für die Trainer mehr Möglichkeiten, beispielsweise auch taktisch etwas zu ändern. Doch ich weiß ebenso, dass viele jetzt befürchten, dass am Ende eines Spiels zu sehr auf Zeit gespielt wird.“

Zu viel Zeitschinderei? „Warten wir es ab“

Ahmet Durmaz ergänzt: „Was, wenn dann eine Mannschaft knapp führt, drei, vier Wechsel in den Schlussminuten vorgenommen werden und so kräftig an der Uhr gedreht wird. Das könnte sich schon regelmäßig als klarer Nachteil für das Team entpuppen, das hinten liegt“, so Epes Coach, der aber auch findet: „Wir werden es erst sehen, wenn wir es ausprobieren. Die Praxis wird zeigen, was tatsächlich passiert.“

So sieht es ebenfalls Rafael Figueiredo vom ASC Schöppingen: „Für Mannschaften mit einem großen Kader ist ein vierter Wechsel natürlich gut.“ Doch auf einen solchen konnten gerade die personell arg gebeutelten Vechtestädter in dieser Saison nur sehr selten zurückgreifen. Außerdem befürchtet auch Figueiredo, dass „Zeitschinderei mit einer solchen Option vielleicht doch Überhand nehmen könnte. Warten wir es ab.“

Rätselraten wegen drohender Punktabzüge

Wo beim vierten Wechsel Einigkeit herrscht, beginnt bei der zweiten Regeländerung das große Rätselraten. „Wie groß hier die Notwendigkeit ist, das so einzuführen, kann ich nicht beurteilen. Punktabzüge für die kommende Spielzeit finde ich allerdings schon sehr hart, kann aber auch verstehen, wenn damit eine mögliche Wettbewerbsverzerrung verhindert werden könnte“, meint zum Beispiel Ahmet Durmaz.

Auch Fortuna-Coach Orhan Boga tappt im Dunkeln: „Ich überlege hin und her, kann mich aber weder als Trainer oder als Spieler an solch eine Situation in der Vergangenheit erinnern, dass ein Verein einfach nicht mehr gekommen ist. Vielleicht ist das ja in den unteren Ligen ein akuteres Problem? Ansonsten weiß ich nicht so recht, was diese Regeländerung bewirken soll.“

Im heimischen Kreis weniger ein Problem

Manfred Nieland, Staffelleiter der Kreisliga Ahaus, gibt Auskunft: „Verhindert werden sollen die groben Unsportlichkeiten, wenn durch Nichtantreten insbesondere in den unteren Ligen unter Umständen sogar Einfluss auf Auf- und Abstiege genommen wird. Das ist vor allem in den C- und D-Ligen passiert, jedoch vermehrt in anderen Kreisen“, so Nieland. „Bei uns ist es glücklicherweise weniger schlimm. Zwei, drei Teams, die vielleicht mal keine Mannschaft mehr zusammenbekommen haben.“

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