Fußball: Fortuna Gronau
Wenn Fußball nicht mal mehr Nebensache ist

Gronau -

Fußball soll ja bekanntlich die schönste Nebensache der Welt sein. Unzählige Menschen kicken alleine in Deutschland jedes Wochenende gegen den Ball. Frauen, Männer, Minikicker, Altherren. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) zählt rund sieben Millionen Mitglieder. Sie spielen in etwa 25.000 Vereinen. Und mit Begeisterung jagen sie nach Punkten und Erfolgen. Solange jedenfalls, bis einigen von ihnen ganz schlechte Nachrichten erreichen.

Freitag, 17.05.2019, 20:00 Uhr
Ein nachdenklicher Blick: Als der Vater seines besten Freundes schwer erkrankte, handelte Orhan Boga. Der Fortuna-Coach ließ sich als Stammzellspender registrieren.
Ein nachdenklicher Blick: Als der Vater seines besten Freundes schwer erkrankte, handelte Orhan Boga. Der Fortuna-Coach ließ sich als Stammzellspender registrieren. Foto: aho

Ob nun als direkt Betroffene oder im unmittelbaren Umfeld. Auf einmal ist Fußball noch nicht einmal mehr nebensächlich. Doch Sport verbindet – und kann so durchaus helfen. Von einer solchen Geschichte weiß auch Orhan Boga zu berichten. Beim Vater seines besten Freundes wurde MDS diagnostiziert.

Beim sogenannten Myelodysplastisches Syndrom handelt es sich um Erkrankungen des Knochenmarks, die bei betroffenen Patienten später auch zur akuten myeloischen Leukämie (AML) führen können. „Das war ein echter Schock“, berichtet der Trainer von Fortuna Gronau . „Sascha und ich kennen uns seit 15 Jahren. Damals waren wir sofort auf einer Wellenlänge, später haben wir zusammen auch drei Jahre gemeinsam in einer WG gewohnt“, erzählt Boga. Für ihn war klar: Er wollte helfen.

Stäbchen rein, Spender sein

Gesagt, getan: „Ich war überrascht, wie einfach das war“, registrierte sich der 35-Jährige also bei der Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS). „Das funktioniert online und ganz einfach. Jeder, der nur halbwegs einen Computer bedienen kann, kommt damit klar“, so Orhan Boga weiter. Nach der Registrierung erhielt Boga dann drei Wattestäbchen, mit denen er Abstriche seiner Wangenschleimhaut nahm. Diese schickte er zurück – und das war es dann auch schon. „Stäbchen rein, Spender sein – so lautet die Botschaft, und so simpel ist es tatsächlich.“ Fortan ist Orhan Boga nun als Knochenmarkspender registriert und verhilft einem anderen Menschen unter Umständen zu einem zweiten Leben.

„Um ehrlich zu sein: Erst durch Saschas Schicksal habe ich von dieser Möglichkeit erfahren. Fast unsere gesamte Clique hat sich inzwischen schon registriert“, berichtet Boga, der auch einen Organspendeausweis besitzt, weiter. Mittlerweile hat der Trainer das Thema auch dem Vorstand vorgetragen. „Fortuna engagiert sich bekanntlich auf vielen Gebieten. Es wäre doch wunderbar, wenn uns das zum Beispiel auch mit einer entsprechenden Registrierungs-Aktion gelingen würde“, ist das Thema für den Übungsleiter damit noch lange nicht erledigt.

Auf dem Weg der Besserung

„Vielleicht beschäftigt man sich auch einfach nicht ausreichend damit, versucht solch ein eher unangenehmes Thema zu verdrängen“, mutmaßt Boga. „Bis es einen dann im eigenen Umfeld eben doch betrifft. Leider gibt es ja gerade auch einen aktuellen Anlass“, erinnert der Fortuna-Coach an seinen Vorgänger. Erst am vergangenen Dienstag verstarb Mike Möllensiep und verlor seinen Kampf gegen den Krebs. Vier Jahre war „Mölle“ Übungsleiter bei den Blau-Schwarzen an der Laubstiege.

Saschas Vater, dem vor etwa einem Jahr die Diagnose MDS bei einer Routineuntersuchung ereilte, befindet sich mittlerweile auf dem Weg der Besserung. „Er ist oft noch sehr schlapp und müde, es ist eben ein langer Genesungsprozess“, berichtet Sascha. „Es wurden zum Glück schnell sogar gleich zwei Spender gefunden, von denen einer dann infrage kam. Dass Orhan und andere Freunde sofort Initiative ergriffen haben, freut mich sehr. Das sollte jeder tun“, findet der 36-Jährige.

Gemeinsam Fußballen

Da gibt es dann nur noch eine Frage zu klären. Obwohl Sascha selbst wie auch Kumpel Orhan von Kindesbeinen an gegen den Ball treten und auch viele Jahre lang eng befreundet sind, standen sie noch nie gemeinsam in einer Mannschaft, um auf Punktejagd zu gehen. „Für den Sprung in die Erste hat es nie gereicht“, lacht Sascha. „Ich spiele mittlerweile in Fortunas Altherren. Aber Orhan steht ja noch als Trainer anderweitig in der Verantwortung. Da muss ich mich wohl noch etwas gedulden.“ Eine typische Fußball-Freundschaft ist es also nicht. Doch was nicht ist, kann ja noch zur schönsten Nebensache der Welt werden …

 

Fortuna - Wessum: Vor dem Anpfiff

Zum Sportlichen: Dass Union Wessum, Sonntag ab 15 Uhr der nächste Gegner der Blau-Schwarzen, nur drei Punkte hinter Gastgeber Gronau lauert, interessiert Fortuna-Trainer Orhan Boga wenig. „Es stand ja relativ früh in dieser Saison fest, dass Alstätte, Ellewick und Vreden die Plätze eins bis drei unter sich ausmachen. Jetzt wollen wir eben noch Vierter werden.“ Für den Sechsten der A-Liga ist das noch machbar. Fortuna kämpfte sich nach dem Derbysieg bei Vorwärts Epe 2 (2:0) heran, liegt jetzt nur einen Punkte hinter Heek und eben Epes Reserve. „Union bleibt natürlich unberechenbar. Wessum hat einige starke Spieler in seinen Reihen. Es wird ein interessantes Match“, so Boga, der sich über einen kompletten Kader freut. „Und wir haben noch ein weiteres Ziel: Wir wollen Marcel zur erneuten Torjägerkanone verhelfen.“ Goalgetter Bösel kommt auf 23 Treffer, VfB Alstättes Spielertrainer Markus Krüchting jubelte schon 21 Mal. Frank Rose von Gegner Wessum steht bei 19 Toren.

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