Mountainbike: Von Garmisch zum Gardasee
Erschlagen von den Eindrücken

Gronau -

„Es war wie das Eintauchen in eine andere Welt: völlig entstresst, Natur pur und Entspannung“, erzählt Andreas Kwekkeboom. Entspannung und Erholung? Immerhin hatte der 54-Jährige in sechs Tagen 425 Kilometer mit dem Mountainbike zurückgelegt und dabei rund 7500 Höhenmeter bewältigt.

Freitag, 19.07.2019, 18:00 Uhr
Welch Panorama! Hier posiert Andreas Kwekkeboom hoch über dem Kalterer See. Gemeinsam mit Rolf Schweiger und Joachim Flüthmann .
Welch Panorama! Hier posiert Andreas Kwekkeboom hoch über dem Kalterer See. Gemeinsam mit Rolf Schweiger und Joachim Flüthmann . Foto: privat

Einmal über die Alpen mit dem Mountainbike hieß es für Andreas Kwekkeboom , Joachim Flüthmann und Rolf Schweiger. Von Garmisch mit Zwischenstationen in Imst, Nauders, Goldrain, Bozen und Kurtinig führte der Weg gemeinsam mit 24 weiteren Mountainbikern, angeführt von drei erfahrenen Guides, bis zum Gardasee. Angereist waren die 26 Männer und eine Frau aus ganz Deutschland – der Älteste 72 Jahre, die Jüngsten etwa 30 Jahre alt. „Dass nur eine Frau dabei war, ist nicht der Normalfall“, berichtet Rolf Schweiger, der bereits zum fünften Fall die Alpen mit dem Bike überquerte und zum vierten Mal die Strecke von Garmisch zum Gardasee in Angriff nahm.

Für Andreas Kwekkeboom und Joachim Flüthmann war diese Tour aber eine Premiere, ein wenig „angesteckt von der Schwärmerei von Rolf“, wie sie sagen. „Eigentlich hatte ich das bereits länger auf dem Plan“, sagt Andreas Kwekkemann. „Und ich hatte immer schon mal daran gedacht, die Alpen mit dem Rennrad zu überqueren“, berichtet Joachim Flüthmann.

So standen sie nun in Garmisch, als die 27 Teilnehmer auf drei Gruppen verteilt wurden. Rolf Schweiger entschied sich als erfahrener Alpencrosser für die Gruppe Level 3. Er absolvierte so am Ende rund 465 Kilometer und bewältigte dabei 10.500 Höhenmeter. Wie die meisten anderen tendierten Joachim Flüthmann und Andreas Kwekkeboom zunächst zur Gruppe 1, starteten dann aber nach gutem Zureden durch die Guides doch in der Gruppe 2, um damit für eine ausgeglichenere Besetzung der Gruppen zu sorgen.

„Natürlich hatten wir Respekt vor der Herausforderung“, so die beiden Alpencross-Neulinge. Schließlich hatte Joachim Flüthmann zuvor lediglich 40 Kilometer auf dem neuen Mountainbike zurückgelegt; Andreas Kwekkeboom kam in diesem Jahr auf bisher etwa 500 Radkilometer. „Gut, dass ich mir zuvor nicht durchgelesen habe, was man eigentlich an Trainingskilometern mitbringen sollte“, erzählt Joachim Flüthmann schmunzelnd. Aber immerhin hatte er als Triathlet in den letzten Wochen und Monaten reichlich Kilometer auf dem Rennrad, beim Laufen und Schwimmen gesammelt, während Andreas Kwekkeboom im Winter recht viele, lange Laufrunden absolviert hatte.

Entspannung und Erholung? Eine sportliche Herausforderung war die Tour für die drei Gronauer in jedem Fall. Das zeigte sich bereits am ersten Tag. In einem langen Anstieg ging es für Joachim Flüthmann und Andreas Kwekkeboom zum Fernsteinsee hinauf. Gleich zwei kräftige Anstiege zur Hochtörl-Alm und zum Marienbergjoch standen für Rolf Schweiger auf dem Programm.

Hinauf zur Norbertshöhe oder Schwarzsee auf dem Weg nach Nauders, zum Ortlergletscher, zur Naturnser Alm, nach Girlan und Andalo – lange, kräftezehrende Anstiege mussten auch an den folgenden fünf Tagen bewältigt werden. „Vor allem die Passagen, wo es zwei, drei Kilometer nur bergauf ging und man zwischendurch nicht auch mal entspannen konnte, waren extrem anstrengend“, erzählt Andreas Kwekkeboom. Dazu gab es die kurzen knackigen Anstiege mit bis zu 26 bis 29 Prozent Steigung. Oft nicht weniger herausfordernd waren die steilen Trails hinunter ins Tal, bei denen vor allem die Steuerkünste der Mountainbiker gefragt waren. „Erstmals konnte ich die Downhill-Passagen komplett bewältigen und damit auch wirklich genießen“, antwortet etwa Rolf Schweiger auf die Frage, was ihn in diesem Jahr besonders begeistert hat.

Für Andreas Kwekkeboom und Joachim Flüthmann gab es dabei auch einiges zum Lachen: „Als Andreas auf einem Trail mit seinem Rad kopfüber zwischen zwei Bäumen und zwei Baumwurzeln hängenblieb, fehlte nur das Handy, um schnell ein Foto zu schießen“, erzählt Joachim Flüthmann lachend. Absolutes Highlight für Rolf Schweiger war die Fahrt durch die atemberaubende Uina-Schlucht hinauf zur Sesvennahütte. Temperaturen bis zu 35 Grad an den ersten Tagen, später auch heftige Regengüsse, machten die Anstiege und Trails nicht leichter.

Trotz all dieser Herausforderungen entstand nie Leistungsdruck, betonen Andreas Kwekkeboom und Joachim Flüthmann. Einerseits gab es auch immer wieder angenehme Streckenabschnitte wie auf dem Inntalradweg entlang der Etsch oder durch die Altstadt von Meran weiter über den Apfelradweg nach Bozen. Vor allem aber waren es die beeindruckenden Ausblicke zum Beispiel auf den Eibsee, den Kalterer See, den Reschensee oder die Bergkulisse der Dolomiten, die für die Anstrengungen entschädigten. „Die Landschaftseindrücke erschlagen einen einfach“, unterstreicht Andreas Kwekkeboom. „Man erlebt die ohnehin beeindruckenden Bergkulissen aus einer ganz anderen Perspektive, als wenn man mit dem Auto durch die Landschaft fährt.“

Für Entspannung und keinen Leistungsdruck sorgten insbesondere die Guides. Bei Anstiegen und Downhill-Passagen fährt jeder sein eigenes Tempo, so lautete die Absprache. An vereinbarten Punkten wurde dann auf die anderen gewartet. „Dort schaute der Guide allen kurz in die Augen und sagte auch schon mal: ,Trink noch mal einen Schluck`, um den Langsameren noch einen zusätzlichen Moment der Erholung zu gönnen“, berichtet Andreas Kwekkeboom. „Außerdem heißt die oberste Devise: Fahr immer dein eigenes Tempo – auch wenn du mal ein Stück gehst.“ Und natürlich wurden immer wieder Pausen eingelegt, bei denen man sich stärken konnte.

Herausragend und der vielleicht wichtigste Faktor für das „Entspannungserlebnis“ waren die Stimmung und Atmosphäre in der Gruppe, sind sich die drei Gronauer einig. „Wir hatten immer etwas zu lachen“, sagen sie. „Selbst als unsere Gruppe bei einem plötzlichen, heftigen Gewitter bei einem Anstieg geteilt wurde, blieb alles ganz entspannt. Wir verständigten uns per SMS und WhatsApp, und während wir mit einigen am Ende der Abfahrt in einem Gasthof einen Cappuccino genossen, wartete der Rest auf der anderen Seite des Passes“, erzählt Rolf Schweiger.

Nach sechs Tagen auf dem Mountainbike durch die Alpen waren Joachim Flüthmann, Andreas Kwekkeboom und Rolf Schweiger sich einig: „Der Alpencross ist nichts für Untrainierte. Es geht aber nicht um schneller, höher, weiter. Herausragend ist vor allem das einmalige Landschaftserlebnis. Und es macht einfach Spaß.“ So war auch für die Neulinge Andreas Kwekkeboom und Joachim Flüthmann nach der Rückkehr bald klar: Es wird wohl nicht ihr letzte Alpencross gewesen sein.

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