Badminton-WM in Polen: Eine Vorbereitung und Reise voller Hindernisse
Weltmeistertitel entschädigt Monika Regineri für alles

Gronau -

Pokale, Medaillen, Urkunden. In gut 50 Jahren sammelt sich einiges an, da kann man schon mal den Überblick verlieren. Aber diese eine Medaille, dieser begehrteste Titel hatte noch gefehlt.

Samstag, 17.08.2019, 03:00 Uhr aktualisiert: 18.08.2019, 11:40 Uhr
Monika Regineri zeigt stolz die bei der Weltmeisterschaft in Polen gewonnenen Medaillen. Im Mixed wurde sie erstmals in ihrer langen Karriere Weltmeisterin, zudem gewann sie Bronze im Doppel.
Monika Regineri zeigt stolz die bei der Weltmeisterschaft in Polen gewonnenen Medaillen. Im Mixed wurde sie erstmals in ihrer langen Karriere Weltmeisterin, zudem gewann sie Bronze im Doppel. Foto: Stefan Hoof

„Keine Ahnung, wie viele Auszeichnungen es in all den Jahren geworden sind, wie oft ich auf dem Podest stand. Aber Weltmeisterin bin ich jetzt zum ersten Mal geworden“, freut sich Monika Regineri nach ihrer Rückkehr aus Polen riesig.

Dabei war der Traum von der WM-Teilnahme, geschweige von einer Medaille wenige Wochen vorher beinahe schon geplatzt. Aber zum Glück nur beinahe.

Gold im Mixed

So gewann die Gronauerin bei der Senioren-WM in Kattowitz im Mixed in der Altersklasse O70 mit ihrem Spielpartner Hans-Joachim Pothmann (TSV Marl-Hüls) die Goldmedaille, zudem an der Seite von Renate Knötzsch ( SC Ellerau ) die Bronzemedaille im Damendoppel der O70. Damit trug Monika Regineri entscheidend zum so erfolgreichen Abschneiden der deutschen Sportler bei.

Größte Senioren-Weltmeisterschaft aller Zeiten

Die Teilnehmer des Deutschen Badminton Verbandes (DBV) gewannen bei den BWF World Senior Badminton Championships in Polen neun Gold-, vier Silber- und 15 Bronzemedaillen. Mit insgesamt 1509 Teilnehmern erlebte Kattowitz die bisher größte Senioren-Weltmeisterschaft aller Zeiten. Entsprechend groß war die Konkurrenz in den Alters- und Spielklassen. Vor den Athleten lag ein langer Weg bis zum Podest.

Podest? Daran hatte Monika Regineri schon keine Gedanken mehr verschwendet, als sie sich Pfingsten bei einem Fahrradunfall neben Prellungen und Schürfwunden auch noch einen Schlüsselbeinbruch zuzog. Die verordnete vierwöchige Pause brachte die WM-Planungen mächtig in Gefahr.

Meine Vorbereitung auf die WM war denkbar ungünstig.

Monika Regineri

Doch die Gronauerin, die Mitglied der kleinen Badmintonabteilung der SG Gronau ist, aber für den SV Langenhorst Welbergen startet, dachte nichts ans Aufgeben. Als sie endlich grünes Licht vom Arzt bekam, gab es für sie im Training kein Halten mehr. „Da bin ich eine Kämpferin. Meine Vorbereitung auf die WM war denkbar ungünstig, vermutlich bin ich noch nie in all den Jahren so schlecht vorbereitet in ein so großes Turnier gegangen“, rechnete sich die 71-Jährige eigentlich keine Medaillenchancen aus.

Kein Flug, lange Warteschlangen

Und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, geriet auch noch die Anreise zu einem einzigen Abenteuer. „In Frankfurt fiel unser Anschlussflug nach Kattowitz aus, mit Glück haben wir nach stundenlangem Ausharren in den Warteschlangen noch zwei Plätze in einer Maschine nach Krakau bekommen“, erklärt Heinz Regineri, der seine Ehefrau als Trainer begleitete. Und wenn es einmal schlecht läuft . . .

Wo sind die Koffer?

„Zu allem Übel mussten wir in Polen feststellen, dass unsere Koffer nicht mitgekommen waren“, schienen sich alle bösen Geister gegen die Gronauer Badminton Spieler verschworen zu haben. „Meine Schläger hatte ich zum Glück im Handgepäck. Alle anderen Sportutensilien durfte ich mir neu kaufen“, freute sich Monika Regineri zumindest über den fairen Preis, den ihr ein Händler machte. Schließlich sind die Kosten für Anreise, Unterbringung und Verpflegung hoch genug: „Das zahlen wir, nicht der Verband.“ Hinzu kamen nun noch die Taxikosten für die gut 80 Kilometer von Krakau nach Kattowitz.

Briten, Dänen, viele gute Japaner

Bei dem Stress, weiterhin Schmerzen und auch ein wenig Wut über diese Odyssee, blieb Monika Regineri keine Zeit, sich mit der Auslosung zu beschäftigen. Denn die bescherte ihr einige Hürden, Angstgegner inklusive: „Briten, Dänen, viele gute Japaner, das waren starke Teilnehmerfelder.“

Im Doppel spielte Monika Regineri erstmals mit Renate Knötzsch. Mit ihr hatte Heinz Regineri „vor vielen Jahren“ mal WM-Bronze gewonnen. Man kannte sich gut.

Wenn der Ball fliegt . . .

Aber viel Eingewöhnungszeit blieb dem neuen Doppel Regineri/Knötzsch nicht, es überstand die Gruppenphase dennoch gegen Arscott/Groves und Gretler/Schneider ungeschlagen. Und ja, die Schmerzen waren auch noch da. „Aber wenn der Ball fliegt, macht man sich darüber keine Gedanken mehr. Ich habe mich ganz auf unser Spiel konzentriert“, erklärt Monika Regineri.

Eine Medaille im Doppel

Knapp wurde es schließlich im Viertelfinale des Damendoppels. Gegen Sue Awcock/Jan Hewett reichte es so eben zum Zwei-Satz-Erfolg (21:19, 22:20). Im Halbfinale gegen die an Nummer eins gesetzten Japaner Haruko Asakoshi/Yasuko Kataito genügte es dann nicht mehr. Mit 14:21, 11:21 war das deutsche Doppel, auch noch durch eine Wirbelverletzung von Knötzsch beeinträchtigt, klar unterlegen. „Da hatten wir nichts zu melden“, bekannte Regineri. Doch die Bronzemedaille, ihre dritte bei einer Weltmeisterschaft, war ihr sicher.

Favoritenstürze an der Tagesordnung

Im Mixed wurde von Beginn an im K.o.-System gespielt. „Und ich glaube nicht, dass uns jemand für den Titel auf der Rechnung hatte“, sahen sich Pothmann/Regineri im 32er-Feld als Außenseiter. Zumal da mit Jim Garrett/Angela Brown im Achtelfinale ein Angstgegner wartete.

Kurs Richtung Endspiel

Aber das eingespielte deutsche Doppel bewahrte die Ruhe, setzte die Anweisungen von Trainer Heinz Regineri sehr gut um, und zog ohne Satzverlust durch das Turnier. „Mit jedem Spiel und Sieg stieg das Selbstvertrauen und nahmen die Schmerzen in der Schulter ab“, nahm Monika Regineri mit ihrem Spielpartner Kurs Richtung Endspiel, während einige höher gehandelte Doppel auf der Strecke blieben.

Heinz und Monika Regineri

Heinz und Monika Regineri Foto: Stefan Hoof

So wurden im Halbfinale Ian Brothers/Jan Hewett mit 21:19, 21:9 bezwungen. „Damit fehlte mir zu meiner ersten Goldmedaille bei einer Weltmeisterschaft nur noch ein Sieg“, wusste die Gronauerin. Im Weg standen nur noch die Japaner Hirohisa Toshijima/Yuriko Okemoto. Die hatten immerhin das an Position eins gesetzte Doppel ausgeschaltet.

Wertvolle Tipps vom Trainer und Ehemann

Aber erneut zahlten sich die Tipps von Heinz Regineri aus, der zuvor die Gegner genau analysiert hatte. Der erste Satz ging mit 21:12 an Pothmann/Regineri. Im zweiten Durchgang wurde es knapper, aber mit 21:18 wurde die Überraschung perfekt gemacht.

Das ist einfach unglaublich, dass ich unter diesen widrigen Umständen Gold und Bronze gewonnen habe.

Monika Regineri

„Das ist einfach unglaublich, dass ich unter diesen widrigen Umständen Gold und Bronze gewonnen habe“, ist die Freude darüber auch kurz nach der Rückkehr noch riesig.

Auf dem Rad wird Monika Regineri demnächst aber noch vorsichtiger sein. Denn in zwei Jahren tritt sie bei der WM in Spanien als Titelverteidigerin an.

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