Fußball: Bezirksliga 11
„Ganz neu ist diese Situation ja nicht“

Alstätte -

Mit gerade einmal fünf Punkten nach 14 absolvierten Matches stellen die Rot-Weißen als Aufsteiger das Schlusslicht der Fußball-Bezirksliga. Zum Scherzen ist rund ums Stadion am Bahnhof aktuell wohl niemanden zumute.

Freitag, 15.11.2019, 20:00 Uhr aktualisiert: 17.11.2019, 15:50 Uhr
Zum Wegsehen fand Markus Krüchting die meisten der 14 Partien weniger. Trotzdem sprangen für den Aufsteiger aus Alstätte nur fünf Punkte heraus.
Zum Wegsehen fand Markus Krüchting die meisten der 14 Partien weniger. Trotzdem sprangen für den Aufsteiger aus Alstätte nur fünf Punkte heraus. Foto: Stefan Hoof

Trotzdem erinnert die momentane Situation irgendwie dann doch an den Uralt-Gag von Komikerlegende Otto Waalkes. Von jenem Mann, der mit einem halben Brathähnchen zum Tierarzt geht und fragt: „Ist da noch was zu retten?“ Warum Spielertrainer Markus Krüchting den VfB Alstätte noch nicht abgeschrieben hat und was er und sein Co-Trainer Dirk Haveloh in dieser Lage unternehmen – das verriet Krüchting vor der Partie am Sonntag in Olfen (Anpfiff: 15.30 Uhr) im Gespräch mit den WN.

Markus, ist der VfB Alstätte denn noch zu retten?

Markus Krüchting: Natürlich, schon alleine rechnerisch. Es sind doch gerade erst einmal 14 Matches gelaufen. Diese Saison hat ja sogar 34 Spieltage. Also haben auch wir noch 20 Möglichkeiten, um zu punkten. Du brauchst doch nur eine einzige Serie mit drei Siegen – schon bist du einen Schritt weiter, wieder dran.

Aber nach einer solchen Serie sieht es nun nicht gerade aus. Was stimmt dich so angriffslustig?

Krüchting: Ganz einfach: unsere Trainingsabende. Da muss ich meiner Mannschaft absolut ein Kompliment aussprechen. Wer kann, wer nicht verletzt ist oder auf Montage, der kommt, der wirft sich voll rein. Trotz aller Rückschläge, die wir schon zu verkraften hatten.

Wie erklärst du dann am ehesten die bisher so magere Punktausbeute?

Krüchting: Wir haben natürlich zum einen zu viele Gegentore kassiert.

Mit 46 sogar die mit Abstand meisten in der Liga.

Krüchting: Richtig. Weil wir vermutlich auch das Team mit dem wenigsten Ballbesitz sind. So stehen wir dann ständig unter Dauerdruck. Dann passieren zwangsläufig auch schneller Fehler. Denn richtig schlechte Spiele haben wir so viele auch nicht abgeliefert, finde ich. Was uns fehlt, ist schlichtweg Entlastung. Das bekommen wir nicht hin. Da fehlt uns auch die Qualität.

Dass ich ausgerechnet jetzt ausfalle, ist natürlich bitter.

Markus Krüchting

Wie meinst du das?

Krüchting: Stef Aagten fällt mit einem dreifachen Bandscheibenvorfall aus. Mit Johannes Terhaar, unserem dienstältesten Akteur, und Oliver Tenhagen fehlt die Flügelzange, die in der letzten Saison auf den Außenbahnen unzählige Meter abgespult hat. Unser Kapitän Tobias Tenhagen kommt auch nur auf eine Hand voll Einsätze. Das sind nicht alles Abwehrspieler. Aber die Defensivarbeit fängt mindestens schon im offensiven Mittelfeld an, wo wir gegnerischen Druck unterbinden müssen.

Keine Transfers in der Winterpause

Du selbst kannst auch nicht helfen. Wie sehr nervt das?

Krüchting: Es war ja immer klar, dass ich wegen meiner Schulterverletzung und des Knorpelschadens im Knie wieder ausfallen könnte. Dass das ausgerechnet jetzt so ist, wo ich der Mannschaft vielleicht mit Toren, aber auch mit Routine helfen könnte, ist natürlich bitter. So hat dieser Kader eben deutlich mehr B-Liga- als Bezirksliga-Erfahrung.

Wird im Winter personell nachgebessert?

Krüchting: Nein, weil wir diesen Weg von eingekauften Punkten nicht verfolgen. Denn sonst hätten wir das schon direkt nach dem Aufstieg getan. Der VfB Alstätte setzt weiter auf die eigenen Kräfte und die Nachwuchsspieler.

Wie wird das im Umfeld bewertet? Bleibt es trotz des schlechten Tabellenstandes ruhig?

Krüchting: Mag sein, dass von dem einen oder anderen Zuschauer aus der zweiten Reihe Kritik kommt. Ich habe zwar nichts gehört, will es aber nicht ausschließen. Ich habe ja einen langfristigen Vertrag, der bis einschließlich 2020/21 läuft und begrüße eine solche Kontinuität in der Zusammenarbeit. Auf Vorstandsseite finden sich zum Glück jede Menge Leute, die früher selbst Fußball gespielt haben. Etwa unser Obmann Bernd Pohlschröder. Die sehen ja auch und wissen es richtig einzuschätzen, dass die Mannschaft alles versucht. Im Training, im Spiel. Da lässt sich keiner hängen.

Der Spielaufbau war schon im Meisterjahr unser Sorgenkind.

Markus Krüchting

Nur fehlen die Tore, wenn wie zuletzt sogar Elfmeter nicht mehr reingehen.

Krüchting: Das Selbstvertrauen hat schon gelitten, ja. Wenn du weiter oben stehst, ballerst du so manche Chance schneller rein. Aber ich möchte daran erinnern, dass selbst im Meisterjahr unser Sorgenkind das Spiel nach vorne, der Aufbau war. Weil wir trotzdem viele Treffer erzielt haben, ist das kaum aufgefallen.

Der Stürmer Krüchting kann auf dem Feld nicht helfen. Wie geht der Trainer Krüchting mit der Situation um?

Krüchtings bescheidener Wunsch

Krüchting: Ganz so neu ist diese Situation ja gar nicht. In meinem ersten Jahr sind wir in der A-Liga damals auch ordentlich gestartet und hatten dann auf einmal enorme Probleme, nur ein einziges Mal in zehn Spielen gewonnen. Da habe ich mir mehr Sorgen und Gedanken gemacht. Das war Kreisliga A. Da durften wir nicht abstürzen. Jetzt und hier, also in der Bezirksliga , versuchen mein Co-Trainer Dirk Haveloh und ich noch exakter im Training, in jeder einzelnen Einheit zu beobachten, wo wir den Hebel ansetzen, was wir noch besser lösen können. Alle sind fokussiert bei der Sache.

Wo liegt dieser Fokus sportlich? Anders gefragt: Was steht bis zur Winterpause auf deinem Wunschzettel?

Krüchting: Ich will gar nicht so viel von Abstieg, Klassenerhalt und Punkten sprechen. Ich würde mich als Trainer wirklich sehr darüber freuen, wenn sich die Jungs für ihren Aufwand, fürs Nicht-Aufgeben endlich einmal mit einem Sieg belohnen. Fürs Gefühl, für die Moral. Oder wenn sie einfach mal zwei Spiele in Serie nicht verlieren. Wenn uns das gelingt, dann schauen wir weiter.

Sonntag um 15.30 Uhr in Olfen

Sportlich ebenfalls nicht gerade auf Rosen gebettet ist aktuell Alstättes kommender Gegner aus Olfen. Der SuS kam am vergangenen Wochenende nämlich am Wolbertshof mit 1:6 unter die Räder, war in allen Belangen unterlegen. Nach der mittlerweile dritten Niederlage in Serie rutschte Olfen runter auf Rang zehn. Zudem kassierte der SuS in diesen drei Begegnungen satte 13 Gegentore. Angepfiffen wird die Partie in Olfen morgen erst um 15.30 Uhr.

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