Peter Gramls Leidenschaft für Fußball und den Skisport
Ein Skilehrer auf Abwegen

Epe -

„Ja mei, pack mers, Jungs“, feuert Peter Graml die B-Jugend des FC Epe noch einmal an. Obwohl er bereits seit 25 Jahren in Epe zu Hause ist, kann der 55-Jährige seine Herkunft nicht leugnen. „I kim gebürtig aus Bayern. Hört ma des?“, merkt Graml an und grinst. Für einen Spaß ist der Amberger immer zu haben.

Dienstag, 24.12.2019, 17:00 Uhr
Skilehrer Peter Graml mit der B1 des FC Epe, die er als Trainer zwar nicht wie auf dieser Fotomontage in die Berge begleitet, aber wohl auf die Plätze in der Junioren-Kreisliga A.
Skilehrer Peter Graml mit der B1 des FC Epe, die er als Trainer zwar nicht wie auf dieser Fotomontage in die Berge begleitet, aber wohl auf die Plätze in der Junioren-Kreisliga A. Foto: aho/sh; Fotomontage: Sebastian Hoof

Das wissen auch die 15- und 16-Jährigen, die er derzeit gemeinsam mit Georg Schiller und Georg Meier trainiert. „Während die beiden Georgs den Feldspielern den nötigen Schliff verpassen, kümmere ich mich um unseren Keeper“, erläutert Peter Graml .

Obwohl Gegner Union Lüdinghausen eher im unteren Tabellendrittel der A-Liga rangiert, tun sich die Eperaner an diesem frischen Sonntagmorgen bei starkem Wind schwer. „Ja Kruzifix, schießt den Ball doch rein“, flucht Graml leise vor sich hin, als das Leder zum x-ten Mal vor dem Strafraum hin und her geschoben wird. In der 18. Minute kommt eine Flanke von Julian Dapper in den Strafraum, wo Max Graml den Ball nur noch zum Führungstreffer in die Maschen einschieben muss. „Na Gott sei Dank. Endlich belohnt er sich mal mit einem Tor“, fällt Vater Graml ein Stein vom Herzen.

Auch im Jugendbereich gehen die Meisterschaftsspiele jedoch nicht immer ganz leise ab. Das bekommt an diesem Morgen Peter Graml ebenfalls zu spüren. „I hob de Fahne doch schon om. Ganz ruhig, Brauna“, versucht er als Linienrichter einen hitzigen Vater der Gastmannschaft zu beschwichtigen. Kurz vor Schluss gerät er ein weiteres Mal in Fahrt: „ Vo weng koa Foul. Eia Schbuia is unsam vo hidn in de Haxn gegrätscht. Hoid deine Babbl und fahrt hoam.“

Peter Graml

Peter Graml Foto: A. Hoof

Nach einem weiteren Tor durch Schaquil Soares können sich die Blau-Weißen und Peter Graml aber über einen verdienten 2:1-Sieg und drei Punkte freuen.

Seitdem seine Zwillinge Emilia und Max 2009 bei den Minikickern angefangen haben, hält auch Peter Graml den Blau-Weißen in den Bülten die Treue. „An der Seitenlinie aktiv bin ich erstmals 2015 in Erscheinung getreten, als für die D2 ein Trainer gesucht wurde. Die Arbeit mit dem Nachwuchs macht einfach Spaß, sodass ich meine Freizeit gerne als Co-Trainer gebe. Im Februar will ich dann auch die C-Lizenz in Angriff nehmen“, betont Graml, der früher selbst als aktiver Fußballer unterwegs war.

„Bis zur B-Jugend habe ich als Torwart beim FC Amberg gespielt und zwei Probetrainings beim 1. FC Nürnberg absolviert. Da mein damaliger Konkurrent im Tor allerdings Andreas Köpke hieß und ich nicht gewillt war, vier Mal die Woche zu trainieren, habe ich mich sportlich anders orientiert. Zunächst kickte ich ein weiteres Jahr bei meinem Heimatverein FC Amberg, ehe ich zum weißen Sport gewechselt bin. Auch heute spiele ich noch Tennis bei Blau-Weiß Epe “, sagt Graml.

Beruflich entschied sich der Bayer nach dem Abitur für eine Banklehre und verdiente samstags parallel dazu etwas Geld in einem Sportgeschäft, das unter anderem auch Skifahrten organisierte. Als Graml 1983 das Angebot erhielt, an den Wochenenden als Skilehrer mitzufahren, war er natürlich direkt Feuer und Flamme. „Wer im Bayrischen Wald aufwächst, wird – auf Grund der Nähe zum Hohen Arber – quasi schon auf Skiern geboren. Die theoretische und praktische Prüfung zum anerkannten Skilehrer war für mich nur reine Formsache“, so Graml, der seit seinem vierten Lebensjahr auf Brettern unterwegs ist.

1994 verschlug es ihn beruflich bedingt ins westliche Münsterland, wo er schließlich seine Frau Eva kennenlernte. Dem Skifahren blieb er selbstverständlich treu und konnte auch die fünfköpfige Familie dafür begeistern. „Winterurlaub ist einfach herrlich, aktiv und entspannend, da man den ganzen Tag an der frischen Luft verbringt“, schwärmt der Eperaner.

Mit dem Sportfachgeschäft Ski Tennis Teamsport Brocks in Coesfeld fand Graml einen neuen Sportfachhandel, für den er neben seiner beruflichen Tätigkeit bei Swiss Life schon seit 25 Jahren samstags im Verkauf als Ansprechpartner für Skisportler tätig ist.

„Darüber hinaus finden im März fünf- und siebentägige Touren ins Zillertal statt, die ich begleite. Der Jörglerhof in Hainzenberg ist fast schon meine zweite Heimat“, freut sich die bayrische Urgewalt schon jetzt auf die Fahrt vom 6. bis zum 10. März in die mit weißem Pulverschnee überzuckerten Berge.

„Ich verpasse dann zwar das Meisterschaftsspiel gegen Billerbeck, aber das ist die Sache wert“, so Graml. Mit von der Partie seien im Zillertal auch dieses Mal wieder einige Eperaner, die die Kombination aus alpinem Abfahrtsspaß, Hüttengaudi und Hotel mit Wellnesslandschaft gerne genießen. Auf deren Frage, wohin es bei der nächsten Abfahrt denn gehe, antwortet Graml nur: „Na abi, wo willst´n sonst hi? Affi wird sau schwer! Also, pack mers.“

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