Fußball: Bundesliga
Prof. Dr. Stefan Gesenhues ist Schalker aus Leidenschaft

Münsterland/Ochtrup -

Seit Sommer 2017 gehört Prof. Dr. Stefan Gesenhues dem Aufsichtsrat des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04 an. In dieser Zeit hat sich der Mediziner aus Ochtrup über die Vizemeisterschaft gefreut, hat aber auch um den Klassenerhalt zittern müssen. Der 65-Jährige beschreibt in einem Interview mit den Westfälischen Nachrichten seinen Tätigkeitsbereich und seine Ziele „auf Schalke“.  

Donnerstag, 09.01.2020, 05:00 Uhr aktualisiert: 09.01.2020, 17:40 Uhr
Prof. Dr. Stefan Gesenhues geht – stand heute – davon aus, 2020 erneut für einen Posten im Aufsichtsrat des FC Schalke 04 zu kandidieren.
Prof. Dr. Stefan Gesenhues geht – stand heute – davon aus, 2020 erneut für einen Posten im Aufsichtsrat des FC Schalke 04 zu kandidieren. Foto: Thomas Strack

Seit Juni 2017 gehört der Ochtruper Prof. Dr. Stefan Gesenhues dem elfköpfigen Aufsichtsrat des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04 an. Im Gespräch mit WN-Sportredakteur Marc Brenzel lässt der 65-jährige Mediziner die vergangenen zweieinhalb Jahre seiner Amtszeit Revue passieren, berichtet über seinen Tätigkeitsbereich und thematisiert den Fußball in seiner Heimatstadt.

Im Sommer 2017 sind Sie für eine dreijährige Amtszeit in den Aufsichtsrat des FC Schalke 04 gewählt worden. Kandidieren Sie in diesem Jahr erneut für diesen Posten?

Prof. Dr. Stefan Gesenhues: Mit Stand von heute gehe ich von einer erneuten Kandidatur aus.

Was ist für Sie dafür ausschlaggebend?

Gesenhues: Ich möchte den begonnenen Weg fortsetzen und zusammen mit meinen Kollegen aus dem Aufsichtsrat mithelfen, diesen einzigartigen Verein weiterzuentwickeln. Schalke 04 ist inzwischen auf einem sehr guten Weg, und ich sehe sehr positive Perspektiven für die Zukunft.

Was macht den Reiz aus, sich bei den Knappen im Aufsichtsrat zu engagieren?

Gesenhues: Dieser emotionale Club mit seinem Mythos und seiner einzigartigen Fankultur ist der besondere Reiz. Es ist eine große Ehre für mich, diesem Club zu dienen.

Wenn Sie die vergangenen zweieinhalb Jahre im Aufsichtsrat Revue passieren lassen: Was waren für Sie in dieser Zeit die Höhe- und Tiefpunkte?

Gesenhues: Die Vizemeisterschaft im ersten Jahr war ein Höhepunkt und der Abstiegskampf im zweiten Jahr der absolute Tiefpunkt. Ausgesprochener Höhepunkt ist für mich aber inzwischen vielmehr die dynamische Entwicklung in der aktuellen Saison, nachdem wir im Frühjahr diesen Jahres wichtige Weichen gestellt haben bezüglich einer neuen Struktur und einer langfristig ausgerichteten Konzeption mit unter anderem sehr guten personellen Entscheidungen: Jochen Schneider als Sportvorstand mit seinem neuen Team und David Wagner als Trainerverpflichtung waren absolute Glücksgriffe für den Club.

Wie ist Ihr Aufgabengebiet im Aufsichtsrat genau definiert? Wie oft kommt dieses Gremium zusammen?

Gesenhues: Der Aufsichtsrat trifft sich turnusmäßig einmal im Quartal mit dem Vorstand. Zusätzlich häufiger jeweils projektbezogen – in meinem Fall schwerpunktmäßig zu den Themen Sportmedizin, Trainingssteuerung, Athletik. Ich habe einen regelmäßigen Austausch mit unserem Mannschaftsarzt, Dr. Patrick Ingelfinger, dem Leiter der medizinischen Abteilung des Vereins, den ich menschlich und fachlich sehr schätze. Außerdem finden Klausurwochenenden, regelmäßige Telefonkonferenzen und natürlich ein Austausch an den Spieltagen statt; wir sind immer im kontinuierlichen Kontakt.

Sie bezeichnen sich als „Schalke-Verrückten“. Hat sich Ihre Perspektive auf die Mannschaft, den Verein und das Gesamtpaket grundlegend verändert, seit Sie im Aufsichtsrat sind? Verfolgen Sie die Spiele immer noch als Fan oder mittlerweile vielleicht mehr aus der Perspektive des Funktionärs?

Gesenhues: Ich bin und bleibe „schalke-verrückt“ und bin bei den Spielen häufig mehr Fan als Funktionär. Durch die Kenntnisse als Funktionär ist inzwischen aber auch die enorme wirtschaftliche Bedeutung des sportlichen Erfolges für den Club immer präsent und lässt sich schwer ausblenden. Durch die rasante Entwicklung im Spitzenfußball mit den großen Geldflüssen wird der Spagat zwischen Kommerz und Fankultur immer komplizierter. Entscheidungen zum Erhalt des Fußballs in seiner ursprünglichen Form erfordern immer wieder viel Fingerspitzengefühl. Wie sehr ich verbunden bin, wird dadurch deutlich, dass ich auch in dieser Saison jedes Spiel der Mannschaft sowohl in der Arena als auch auswärts live erlebt habe.

Sie haben nach Ihrer Wahl in den Aufsichtsrat gesagt, dass Ihnen die Talentförderung ganz besonders am Herzen liegt. Inwieweit sehen Sie Ihre Ziele in diesem Punkt umgesetzt? Was steht bei Ihnen persönlich ganz weit oben auf der „Schalke-Agenda“?

Gesenhues: Die Knappenschmiede ist unser Schwerpunktprojekt. Wir investieren dort wie nie zuvor in Struktur und Konzeption. Auf Schalke entsteht das modernste Nachwuchsleistungszentrum der Bundesliga, und wir haben mit Norbert Elgert den erfolgreichsten Talententwickler Deutschlands. Peter Knäbel, der neue Technische Direktor Entwicklung in der Knappenschmiede, ist ein personeller Glücksgriff, um den uns viele beneiden.

Wie ist der Kontakt zu Mannschaft und Trainer?

Gesenhues: Sehr gut, es besteht inzwischen ein erfreulich aktiver Austausch.

Wie haben Sie die anstrengende Saison 2018/19 miterlebt? Stichwort „Abstiegskampf“.

Gesenhues: Ich habe das als sehr bedrohlich erlebt und gleichzeitig als unmissverständliche Aufforderung empfunden, endlich strukturelle Veränderungen einzuleiten, die lange überfällig waren und nach der Vizemeisterschaft 2017/18 für uns alle nicht genügend offenkundig waren.

Was trauen Sie dem Team in der Rückrunde zu?

Gesenhues: Prognosen in diesem Jahr sind schwierig. Wir befinden uns im Umbruch mit einer sehr guten Zukunftsperspektive – David Wagner spricht vom interessantesten Kader der Bundesliga bei Spielern zwischen 19 und 23 Jahren. Bisher werden unsere Erwartungen übertroffen, aber ich möchte trotzdem vor verfrühter, allzu übertriebener Euphorie warnen: Unser Konzept ist langfristig ausgelegt, auch wenn wir uns natürlich über die aktuellen Erfolge sehr freuen.

Wie stehen Sie zu der Diskussion um Clemens Tönnies beziehungsweise dessen Aussagen und dessen dreimonatiger Auszeit?

Gesenhues: Zum Thema Clemens Tönnies ist alles gesagt: Ich freue mich darüber, dass er wieder da ist; er ist und bleibt das Gesicht des Vereins.

Mit Philip Fontein ist ja ein weiterer Ochtruper vor Ort. Gibt es zwischen Ihnen beiden einen Austausch, in wie weit verfolgen Sie seinen Werdegang?

Gesenhues: Philipp hat sich fußballerisch auf Schalke erfreulich weiterent­wickelt und hatte als Stammspieler wesentlichen Anteil am Aufstieg der zweiten Mannschaft in die Regionalliga. Sowohl Domenico Tedes­co als auch David Wagner haben ihn mehrfach in den Kader der Profimannschaft berufen, und er hat mehrere Vorbereitungsspiele in der ersten Mannschaft absolviert. Ich verfolge seinen Werdegang mit Interesse, und wir haben uns auch mehrfach ausgetauscht.

In Ochtrup bewegt sich fußballerisch ja Einiges. Wie bewerten Sie die Entwicklung – sprich die Gründung des FSV oder den Bau des Leistungszen­trums am Witthagen?

Gesenhues: Das Leistungszentrum am Witthagen ist einzigartig. Die Sportwelt in Ochtrup kann sich sehr glücklich schätzen, dass mit Markus Tombült ein privater Investor der Stadt ein solch hoch qualifiziertes Equipment bietet. Ich hoffe, dass diese enorme Vorleistung ausreichend gewürdigt wird und die verantwortlichen politischen Bürger der Stadt und die Sportvereine ihre Chance erkennen, Ochtrup sportlich neu zu positionieren und kurzfristiges Denken über Bord werfen. Die Gründung des FSV war hier ein erster Schritt in die richtige Richtung, dem die noch bestehenden, einzelnen lokalen Vereine unbedingt nachfolgen sollten.

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