Fußball: Bezirksliga 11
Viele Wege führen zu Vorwärts

Epe/Enschede -

Manchmal ist die Welt eben doch ganz klein. Marco Aydin absolvierte in der Saison 2018/19 erfolgreich seine Trainer-B-Lizenz. Sein Dozent beim niederländischen Fußball-Verband KNVB hieß Robbert Weegerink. In dessen Fußstapfen tritt er jetzt – wenn auch mit jahrelanger Verspätung.

Donnerstag, 16.01.2020, 21:00 Uhr
Am Wolbertshof mittrainiert hat Marco Aydin (rechts) vor Jahren schon einmal. Doch damals klappte der Wechsel nicht. Stattdessen machte er unter anderem auch zwei Jahre Station in Vreden bei der Spielvereinigung.
Am Wolbertshof mittrainiert hat Marco Aydin (rechts) vor Jahren schon einmal. Doch damals klappte der Wechsel nicht. Stattdessen machte er unter anderem auch zwei Jahre Station in Vreden bei der Spielvereinigung. Foto: Sascha Keirat

Weegerink? Bei dem Namen klingelt es vermutlich bei einigen Fans. Richtig: Unter Weegerinks Regie glückte Vorwärts Epe in der Saison 2007/08 der Aufstieg in die Landesliga. Zweieinhalb Jahre war der holländische Übungsleiter zuständig bei den Grün-Weißen. Ab Sommer wird einer seine Schüler nun am Wolbertshof das sportliche Sagen haben. Marco Aydin wird dann Dirk Bültbrun beerben, der aktuell seine vierte Saison als Vorwärts-Coach an der Seitenlinie erlebt.

Der kleine, aber feine Unterschied: Aydin ist mit 31 Jahren immer noch aktiv am Ball. Und damit entspricht er schon einmal grundsätzlich dem Anforderungsprofil des Vereins. Denn Geschäftsführer Andre Bügener hatte immer betont, dass der Bezirksligist sich als Bültbrun-Nachfolger unbedingt einen Spielertrainer wünsche. Den bekommen die Grün-Weißen jetzt also.

Erste Station als Seniorentrainer

„Als Jugendtrainer habe ich natürlich schon einige Erfahrungen gesammelt“, erzählt Marco Aydin. „Aber im Seniorenbereich wird dies meine erste Station sein – und hoffentlich nicht die letzte“, fügt er lachend hinzu. „Ich freue mich jedenfalls sehr, dass ich hier eine Chance bekomme. Zumal ich am Wolbertshof gute Chancen und Voraussetzungen sehe, mich als Trainer zu entwickeln.“

Aufräumen muss Aydin allerdings gleich einmal mit einem Missverständnis. Auf einschlägigen Internet-Plattformen für Fußballfans wird der 31-Jährige nämlich gerne als Linksaußen gelistet. Die Zeiten seien jedoch vorbei. „Es stimmt schon, früher kam ich deutlich offensiver zum Einsatz“, erklärt der Niederländer mit aramäischen Wurzeln. „Mittlerweile ist mein Platz im Mittelfeld. Am liebsten als Sechser, oft auch mal als Achter. Wenn Not am Mann ist oder es die Situation erfordert, kann ich auch als Zehner spielen“, stellt der Trainer richtig. Als Sechser wäre er jedenfalls perfekt maßgeschneidert für eine Philosophie, die Marco Aydin am liebsten am Wolbertshof umsetzen würde.

Holländisch-deutscher Mix

„Ich will mit meiner neuen Mannschaft die Zuschauer unterhalten. Wir wollen einen schönen, attraktiven Fußball zeigen. Dazu gehört vor allem ein sauberer, technisch anspruchsvoller Spielaufbau“, findet der künftige Vorwärts-Coach. „Taktisch schwebt mir die niederländische Schule vor, zusammen mit der deutschen Mentalität wäre das die perfekte Mischung. Doch zu viel will ich darüber jetzt noch nicht philosophieren. Denn alles hängt natürlich von der Zusammensetzung des Kaders ab.“ Und den aktuellen kenne Aydin eben noch nicht gut. „Ich weiß aber, dass Vorwärts Epe in den vergangenen drei Jahren immer eine gute Rolle in der Bezirksliga spielte und auch jetzt wieder vorne zu finden ist.“

Apropos vorne mitspielen: Das trifft auch auf Aydins aktuellen Verein zu, dem FC Suryoye-Mediterraneo aus Enschede, der sich mit AVV Columbia aus Appeldoorn in der Tweede Klasse Zondag einen packenden Zweikampf um den Titel liefert. „Es wäre wirklich ein toller Abschied, wenn es am Ende mit der Meisterschaft und dem Aufstieg klappt“, sagt Aydin, der zuvor in der Saison 2014/15 und 2015/16 dem Kader des Westfalenligisten SpVgg Vreden angehörte.

„Wir waren uns schnell einig“

Auch am Wolbertshof wäre er vor ein paar Jahren fast schon gelandet, nachdem Jochen Wessels den Job von Weegerink übernommen hatte. Damals klappte ein Wechsel zwar nicht. Doch offenbar führen nicht nur viele Wege nach Rom, sondern auch zu Vorwärts Epe. Denn abgerissen ist der Kontakt nie. Zuletzt trafen sich beide Vereine, Aydins aktueller und künftiger, zu einem Freundschaftsspiel im Sommer 2019. „Im November hatte mich Vorwärts dann kontaktiert, wir haben uns getroffen und ausgetauscht. Dann waren wir uns schnell einig“, berichtet der Niederländer.

Vor allem mit Dirk Werenbeck, damals Co-Trainer der Ersten, heute verantwortlich mit Stefan Kurtdili für die zweite Seniorenmannschaft, habe sich Marco Aydin immer wieder mal ausgetauscht. „Wir kennen uns wirklich schon sehr lange“, bestätigt Werenbeck. „Kein Wunder. Früher habe ich selbst noch mit Ersin Aydin zusammengespielt. Und das ist Marcos Cousin.“ So klein ist eben manchmal die Welt.

Zur Person

Marco Aydin wurde am 27. September 1988 in Enschede geboren und wuchs dort auch auf. Er spielte unter anderem noch für den SC Enschede, für Quick 20 Oldenzaal und Excelsior 31 Rijssen. Auch beruflich geht es bei Aydin sportlich zu. Der gelernte Lehrer unterrichtet Sport für Zwölf- bis 17-Jährige am Bonhoeffer College. Momentan studiert er noch als zweites Fach Sozialkunde. Und im Sommer wartet sein privates Highlight: die Geburt seines ersten Kindes.

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