Angelina Joia (Fortuna Gronau) besucht das Fußballinternat in Kaiserau
„Ich bin dann mal weg“

Gronau -

Angelina Joia ist mittlerweile Stammspielerin der U16-Auswahl. Privat hat sich das Leben der jungen Fußballerin von Fortuna Gronau im letzten halben Jahr auch sehr verändert. Getreu dem Motto „Ich bin dann mal weg“ packt sie sonntags regelmäßig Tasche und Rucksack. Seit August besucht die 14-Jährige das FLVW-Mädcheninternat in Kamen-Methler. Jetzt berichtet sie über ihre Erfahrungen.

Samstag, 25.01.2020, 04:00 Uhr aktualisiert: 26.01.2020, 16:58 Uhr
„Ich bin wieder weg“, heißt es sonntags im Hause Joia, wenn Angelina (l.) Tasche und Rucksack gepackt hat. In der Woche spielt sich ihr vom Fußball bestimmtes Leben im Internat in Kaiserau ab, am Wochenende spielt sie für Fortuna Gronau.
„Ich bin wieder weg“, heißt es sonntags im Hause Joia, wenn Angelina (l.) Tasche und Rucksack gepackt hat. In der Woche spielt sich ihr vom Fußball bestimmtes Leben im Internat in Kaiserau ab, am Wochenende spielt sie für Fortuna Gronau. Foto: privat

„Mein Traum wäre es einmal Nationalspielerin zu werden“, erklärte Angelina Joia im Frühjahr 2018, nachdem sie kurz zuvor über die Kreisauswahl und mehrere FLVW-Sichtungslehrgänge den Sprung in den 30-köpfigen Kader der Westfalenauswahl geschafft hatte. Anfangs reichte es für die junge Gronauerin, die 2011 über den Kiga-Cup zum Fußball gekommen ist, in der Westfalenauswahl nur zu Kurzeinsätzen. Heute ist sie Stammspielerin der U16-Auswahl.

Auch privat hat sich ihr Leben im letzten halben Jahr sehr verändert, wie sie im Gespräch mit WN-Mitarbeiterin Angelika Hoof zu erkennen gibt. Getreu dem Motto „Ich bin dann mal weg“ packt sie sonntags regelmäßig Tasche und Rucksack.

Angelina Joia

Angelina Joia Foto: aho

Angelina, wie bist du auf die Idee gekommen, ins Fußballinternat zu gehen?

Angelina Joia: Wer in der Westfalenauswahl ist, muss auch im Verein gefordert werden und höherklassig spielen. Deshalb wechselte ich 2018 für eine Saison zum SSV Rhade, wo ich bei den Mädchen in der U17-Regionalliga spielte, während ich bei den Jungen weiterhin in der C1 von Fortuna Gronau zum Einsatz kam. Als ich im Dezember 2018 eine Anfrage vom SV Meppen erhielt, der Verstärkung für seine U15-Mannschaft suchte, holte ich mir Rat bei der damaligen Fortuna-Trainerin Britta Röwer. Ein Wechsel nach Meppen hätte für mich nämlich das Aus in der Westfalenauswahl bedeutet. Britta war es schließlich, die das Sportzentrum Kaiserau und dessen sportliche Möglichkeiten ins Gespräch brachte. Nach weiteren Informationen von Verbandssportlehrerin Kathrin Peter hab ich mich für das Mädcheninternat entschieden, dessen Ziel es ist, den talentiertesten Nachwuchsspielerinnen den Weg in die Spitze des Fußballs zu ermöglichen.

Wie haben dir die ersten Monate in Kaiserau gefallen?

Joia: Am Anfang war die Trennung sowohl für mich, als auch für meine Eltern schwer, denn abgesehen vom Heimweh musste ich quasi von heute auf morgen mein Leben selbst organisieren. Und das mit 14 Jahren. Über Whatsapp war ich jedoch täglich mit meinen Eltern in Kontakt. Mittlerweile ist das Internat für mich zu einem zweiten Zuhause geworden. Angelina Joia sonntags mit Koffer und Rucksack. Foto: aho

Wie muss man sich das Leben im Internat vorstellen?

Joia: Das Wort Internat an sich hat für viele Menschen leider einen negativen Touch, da sie damit eher eine erzieherische Anstalt verbinden. Dem ist in Kaiserau aber nicht so. Die Einrichtung eines Mädcheninternats durch den FLVW im Sportzentrum Kaiserau gilt als Meilenstein in der weiblichen Talentförderung in Deutschland, hab ich gehört. Wir sind 15 Mädchen, 14 bis 18 Jahre alt, die hier leben, lernen und trainieren. Wir sind in drei Wohngruppen in einem zweistöckigen Wohnhaus untergebracht. Die intensive Betreuung sowie individuelles Training auf höchstem Niveau bedeuten für uns eine optimale Ausbildung. Bei kleineren Problemen können wir die Internatsmutter ansprechen, die mit ihrer Familie in demselben Haus wohnt.

Wie läuft der Trainingsbetrieb in Kaiserau ab?

Angelina Joia: Jede Spielerin stimmt ihren Tagesablauf professionell und weitestgehend eigenverantwortlich auf Sport und Schule ab. Nach dem Unterricht bestimmt ein gut gefüllter Wochenplan unsere Nachmittage. Neben dem individuellen technischen, taktischen und athletischen Training stehen zusätzliche Einheiten mit Junioren und im Team auf dem Programm. Ich gehe montags zum Fußballtraining, dienstags zum Athletiktraining, mittwochs in den Kraftraum und donnerstags zum Früh- und Fußballtraining. Trotz alledem bleibt mir mehr Freizeit als zuvor, da die Fahrten zum Stützpunkt- und Vereinstraining entfallen. Hier habe ich alles vor Ort. Darüber hinaus mache ich freitags beim Damentraining von Fortuna Gronau mit, denn die Wochenenden und Ferien verbringe ich selbstverständlich zu Hause in Gronau.

In welcher Mannschaft spielst du aktuell?

Joia: Kaiserau hat mir empfohlen, mich auf eine Mannschaft zu konzentrieren. Daher spiele ich nur noch bei den Jungen unter Trainer Mirco Hilgenberg in der C1 von Fortuna Gronau. Während ich in der Westfalenauswahl meist im Sturm oder Mittelfeld spiele, werde ich in der C1 als Zehner eingesetzt.

Sport, Sport, Sport. Und wie sieht es mit der Schule aus?

Joia: Das Internat profitiert von der Kooperation mit den örtlichen Schulen, also dem Gymnasium Kamen, welches ich besuche, und der Gesamtschule Kamen. Die Schulen ermöglichen es uns, Trainingseinheiten im Rahmen des Vormittagsunterrichts und flexible Klausurtermine wahrzunehmen.

Was sagen deine 26 Klassenkameraden dazu, wenn du morgens erst zur zweiten Stunde erscheinst oder für Trainingslager oder Vergleichswettkämpfe mehrere Tage frei gestellt bist?

Joia: Die Mitschüler sind das bereits gewöhnt, denn wir sind ja nicht der erste Jahrgang, der das Sportinternat besucht. Die meisten finden es sogar cool, wie wir neben der Schule noch unsere fußballerische Laufbahn vorantreiben.

Welche Ziele hast du dir für dieses Jahr gesteckt?

Joia: Ich möchte mich für den Kader der U16-Nationalmannschaft empfehlen. Sportlich habe ich im Rahmen verschiedener Lehrgänge der U16-Westfalenauswahl die Möglichkeit dazu. So wurde ich zum Vergleichslehrgang mit Niedersachsen an diesem Wochenende, zum Wintertrainingslager mit internationalem Vergleich nach Portugal vom 2. bis 8. März und zu den WDFV-Vergleichsspielen vom 19. bis 22. März eingeladen und nehme mit der Westfalenauswahl auch am Länderpokal vom 1. bis 5. April teil.

Wie sehen deine langfristigen Pläne aus?

Joia: Ich lebe Fußball und würde nach dem Abitur gerne als Profi mein Geld damit verdienen. Wenn nicht in Deutschland, dann halt vielleicht im Ausland. In Amerika beispielsweise lässt sich ein Studium gut mit einer Profikarriere verbinden. Aber bis dahin habe ich noch ein paar Jahre Zeit. Also träume ich erst einmal weiter von der Nationalmannschaft.

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