Bentheimer Waldtocht
Kampf gegen Wind und Regen

Gronau -

Unebene Waldwege und auch verschmutzte Räder und Kleidung sind die Mountainbiker gewohnt. Was aber am Sonntag bei Regen und Sturm bei der „Bentheimer Waldtocht“ auf sie wartet, gehört auch bei ihnen nicht zum Alltag.

Donnerstag, 20.02.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 21.02.2020, 16:40 Uhr
Silke Teuber und Rolf Schweiger vom Triathlonteam des TV Gronau lassen sich trotz der widrigen Bedingungen den Start bei der Bentheimer Waldtocht nicht nehmen.
Silke Teuber und Rolf Schweiger vom Triathlonteam des TV Gronau lassen sich trotz der widrigen Bedingungen den Start bei der Bentheimer Waldtocht nicht nehmen. Foto: Günter Poggemann

„Im vergangenen Jahr hatten wir mit 1.300 Startern eine Rekordteilnahme, diesmal werden wir vermutlich auf etwa 500 bis 600 kommen“, mutmaßt Tom Mulder am Sonntagmorgen, als sich an der Steenfabriek in Losser die ersten Fahrer auf den Weg machen.

Mulder ist zum fünften Mal Organisationsleiter der „Bentheimer Waldtocht“. Wann der „Losserse Wieler Club“ die Tour erstmals durchgeführt hat, vermag er nicht exakt zu sagen „Vor etwa 20 Jahren“, schätzt er.

Heute gehört die „Bentheimer Waldtocht“ zu den beliebtesten Mountainbike-Touren in den Niederlanden, die vor allem in dieser Jahreszeit Woche für Woche im ganzen Land stattfinden. Das Internetportal www.fietssport.nl listet die Tour des „Losserse Wieler Club“ z. B. unten den zehn Touren auf, die man unbedingt mal gefahren haben sollte.

Natürlich aus der Region, aber ebenso aus den Niederlanden insgesamt und den deutschen Grenzgebieten kommen die Radsportfreunde immer im Februar nach Losser. Selbst aus Hamburg waren schon Aktive am Start.

Tom Mulder

Tom Mulder Foto: Günter Poggemann

Die abwechslungsreiche Strecke, der grenzüberschreitende Charakter, die Besonderheit des Zwischenstopps im Innenhof der Burg Bentheim, das Ambiente an Start und Ziel an der Steenfabriek nennt Tom Mulder als mögliche Gründe, die die Sportler nach Losser locken. „Die Mountainbike-Touren sind vor allem Events. Man trifft sich, geht gemeinsam auf die Strecke und stärkt sich im Ziel bei einer Erbsensuppe“, erzählt Mulder.

Die ausgezeichnete Organisation der Tour dürfte ein weiterer Grund für ihre Beliebtheit sein. 80 bis 100 Helfer sind dabei in irgendeiner Form aktiv. An jeder Abzweigung zeigt ein rotes Bändchen z. B. an, ob es rechts oder links ab geht. Etwa 100 m nach der Abzweigung bestätigen zwei rote Bändchen auf beiden Seiten, dass man auf dem richtigen Weg ist. Hinweisschilder weisen außerdem auf besonders knifflige Stellen hin. Eine Mammutaufgabe bei insgesamt 70 km Streckenlänge. „Wir teilen uns die Strecke in Teile von 5 km auf, um das zu schaffen“, berichtet einer der Helfer.

Zwischen zwei Strecken können die Teilnehmer bei der „Bentheimer Waldtocht“ wählen. Von Losser führt die Strecke zunächst für alle Fahrerinnen und Fahrer auf verschlungenen Wegen in Richtung Grenze, weiter durch den Rüenberger Wald, das Rüenberger und Gildehauser Venn hinauf zur Bentheimer Tour. Dort trennen sich dann die Wege. Während die 50-km-Strecke über den Gildehauser Berg und durch den Bardeler Wald direkt zurück nach Losser führt, macht die 70-km-Strecke noch eine Schleife durch den Bentheimer Wald.

Ob mit „voller Power“ oder eher etwas ruhiger – wie man die „Bentheimer Waldtocht“ angeht, bleibt jedem Teilnehmer selbst überlassen. Denn bei der Tour handelt es sich wie den Mountainbike-Touren grundsätzlich nicht um einen Wettkampf. Es gibt weder Platzierungen, noch werden Zeiten genommen.

Jeder zahlt vor dem Start seine 5,00 € Startgebühr und fährt allein oder in einer Gruppe irgendwann zwischen 8.30 Uhr und 9.30 Uhr an der Steenfabriek los. Natürlich finden sich auf der Strecke immer wieder auch neue Gruppen. Und während die einen freundlich winken und dem Fotografen an der Strecke ein „Goedemorgen“ zurufen, treten andere kräftig in die Pedale, um möglichst schnell voranzukommen.

Silke Teuber und Rolf Schweiger vom Triathlonteam des TV Gronau gehören zu denen, die den Wettkampfehrgeiz diesmal zu Hause gelassen haben. Auch wenn große Teile des Kurses ihnen durch viele Trainingsrunden auf dem Rad und auch laufend bestens bekannt sind, lassen sie sich trotz der widrigen Bedingungen den Start auch diesmal nicht nehmen.

Eindrücke von der Bentheimer Waldtocht

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  • Foto: Günter Poggemann
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„Man muss den Lenker schon sehr gut festhalten, damit man nicht von einer Windböe umgeworfen wird“, erzählt Teuber, nachdem sie sich den Anstieg zur Bentheimer Burg hinaufgekämpft hat.

Auch im Innenhof der Burg ist das Bild in diesem Jahr anders als im Vorjahr. Während die Fahrerinnen und Fahrer ansonsten das Ambiente hier beim Zwischenstopp genießen, suchen sie diesmal Schutz vor Sturm und Regen und machen sich nach einer kurzen Stärkung bei Tee, Kuchen und Obst schnell wieder auf den Weg.

Am Ende müssen auch die Organisatoren ein Stück weit kapitulieren vor den widrigen Bedingungen. Die Passage entlang am alten Steinbruch muss aufgrund der zu großen Gefahren im Wald aus der Strecke herausgenommen werden. Stattdessen wird vor dem Ziel noch eine Schleife in Richtung De Lutte eingefügt.

Die Teilnehmer haben dennoch wie gewohnt ihren Spaß und sind diesmal besonders stolz, es geschafft zu haben. „Es ist schon sehr anstrengend“, bekennt Silke Teuber und hofft dann doch, dass der Wettergott es mit den Mountainbikern im nächsten Jahr wieder etwas besser meint.

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