Fußball: WN-Interview mit Cüneyt Özkan
„Wir sollten es bedingungslos akzeptieren“

Gronau -

Corona hin, Virus her. Bei der SG Gronau war die Not auch schon vor der Entscheidung des FLVW, den Spielbetrieb bis zum Ende der Osterferien vorerst pausieren zu lassen, besonders groß.

Freitag, 13.03.2020, 19:27 Uhr aktualisiert: 15.03.2020, 10:10 Uhr
Cüneyt Özkan zeigt vollstes Verst
Cüneyt Özkan zeigt vollstes Verst Foto: aho

Nicht etwa, weil den Schwarz-Weißen sportlich betrachtet die Seuche am Fuß kleben würde. Nein, die SG-Verantwortlichen hatten allen Grund dazu, mehr als nur noch verschnupft auf die bisherige Situation zu reagieren. Denn auch ohne den nun abgesagten 21. Spieltag in der Kreisliga B1 haben die Dinkelstädter erst 16 Partien absolvieren können. Abermals fand am Donnerstagabend das Match beim VfB Alstätte 2 nicht statt. Nur wegen der schlechten Platzverhältnisse. Der „neue“, mittlerweile überholte, weil pausierende Spielplan für die SGler hätte bis Gründonnerstag jetzt schon mehrere Englische Wochen und sieben Begegnungen vorgesehen. Und da war noch nicht einmal ein neuer Termin bei der VfB-Reserve inkludiert. Die WN haben bei Trainer Cüneyt Özkan nachgehakt.

 

Deine Mannschaft war besonders von den Ausfällen betroffen. Wie seid ihr bisher damit umgegangen?

Özkan: Es wurde nach acht, neun Wochen, seitdem wir uns also in der Vorbereitung befanden, immer schwieriger, die Spannung aufrecht zu halten. Unser Platzwart hatte Schwerstarbeit geleistet. Leider hatten wir das Pech, dass genau vor unserem Heimspiel Land unter vermeldet wurde. Bei den anderen Partien waren wir ohnehin machtlos, da die auswärts stattfanden.

Das Wetter mag nun besser werden, doch der Fußball muss pausieren. Wie stehst du persönlich zum Thema Coronavirus?

Özkan: Ehrlich gesagt bin ich damit bisher relativ locker umgegangen. Das steckt so in meinem Naturell, auch wenn das Grübeln größer wird. Ich respektiere aber auch Menschen, die das von vorneherein kritischer sahen, vielleicht auch ängstlicher. Das ist wohl eine Charakterfrage, wie jeder selbst damit umgeht.

Aktuell überschlagen sich die Meldungen. Wie bewertest du die Entscheidung, den Spielbetrieb ruhen zu lassen?

Die Europameisterschaft sollte abgesagt oder verschoben werden.

Cüneyt Özkan

Özkan: Damit war zu rechnen. Und ich finde auch, wir sollten das, was entschieden wurde und vielleicht noch wird, dann als Amateursportler auch so bedingungslos akzeptieren. Im Sinne der Gesellschaft, denn es geht hier ja um etwas mehr als nur Fußballspielen. Und Schaden erleiden die Amateurvereine in den unteren Ligen meiner Meinung nach dadurch wenig. Die Zuschauerzahlen und -einnahmen sind ja überschaubar. Anders als etwa bei den Profivereinen.

Wie siehst du das da?

Özkan: Ich bin der klaren Meinung, dass zunächst die Europameisterschaft abgesagt oder verschoben werden sollte, etwa in den Sommer 2021. Offenbar wird mit dem Gedanken ja schon gespielt. Denn nur so hätten die nationalen Ligen in Europa – und übrigens auch wir in den unteren Ligen – überhaupt erst die Gelegenheit, die Meisterschaften – und sei es im Sommer mit Verspätung, sofern sich die Lage stabilisiert – zu beenden. Wenn man es abstufen will und kann, dann sollten Auf- und Absteiger regulär ausgespielt und auf die EM verzichtet werden.

Hältst du eine Absage der kompletten Saison auch noch für möglich?

Özkan: Ich will gar nichts mehr ausschließen. Ich kann nur versprechen, auch wenn es uns mit vielen Nachholspielen besonders hart trifft: Wir werden uns dieser Herausforderung stellen, wenn sie denn eintritt.

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