100 Jahre Stadtsportverband Gronau
Werner Hölschers Wurzeln liegen beim Fußball

Gronau -

In weiser Voraussicht gründeten einige Vereinsvertreter vor 100 Jahren den Gronauer Stadtverband für Leibesübungen. Gemeinsam wollten sie die Interessen des heimischen Sports vortragen und ihre Wünsche so deutlicher zum Ausdruck bringen. Heute nennt sich diese Dachorganisation Stadtsportverband. Der SSV vertritt die Anliegen der Vereine gegenüber Rat und Verwaltung der Stadt Gronau, aber auch gegenüber anderen Organisationen. Anlässlich des Jubiläums stellt die WN-Redaktion in diesem Jahr die Mitglieder des Vorstands vor. Heute: Werner Hölscher.

Mittwoch, 01.04.2020, 18:00 Uhr
Werner Hölscher
Werner Hölscher Foto: sh

Mit einem flüchtigen Blick schaut Werner Hölscher auf seinen prall gefüllten Kalender. Schon von Weitem wird klar: Langeweile ist für den 1. Vorsitzenden des Stadtsportverbands Gronau, der vielen Sportbegeisterten vom Ball des Sports oder der Verleihung der Sportabzeichen bekannt ist, wohl eher ein Fremdwort.

Zum dritten Mal in den Ruhestand verabschiedet

„Um 14 Uhr habe ich noch einen Termin bei der Stadt. Danach geht es für eine Woche mit meiner Partnerin an die holländische Nordseeküste“, freute sich der 71-Jährige vor Kurzem noch auf den Urlaub, ehe er sich Ende März bei der Firma Engbers in den wohl verdienten Ruhestand verabschiedete. Zum dritten Mal übrigens.

Meine Arbeit hat mir immer Freude bereitet.

Werner Hölscher

Nach seinem ersten Ausscheiden als Revisor im Juni 2013 konnte ihn Inhaber Bernd Bosch nämlich schon zwei weitere Male für eine Verlängerung gewinnen. „Meine Arbeit hat mir immer Freude bereitet, denn in meinem Job waren meine Stärken, sprich ein Gespür für Menschen zu entwickeln, mit Konfliktsituationen umzugehen, mich in andere Menschen hineinzuversetzen und mein diplomatisches Geschick stets gefragt“, so Hölscher.

Laut los zu poltern, das ist nicht mein Ding.

Werner Hölscher

So verwundert es nicht, dass der 71-Jährige auch im Privatleben auf Harmonie setzt. „Laut los zu poltern, das ist nicht mein Ding. In der Ruhe liegt die Kraft. Ich versuche daher, meine Gesprächspartner durch Argumente zu überzeugen“, erklärt er.

NACHGEFRAGT

 

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Werner Hölschers sportliche Wurzeln liegen beim Fußball. Von 1963 bis 1983 spielte er beim FC Epe , engagierte sich als Jugendbetreuer und Trainer, war dann als Jugendleiter und Mitglied des geschäftsführenden Vorstands im Verein tätig, ehe er an die Vereinsspitze der Blau-Weißen gewählt wurde.

„Nachdem ich zunächst als stellvertretender Vorsitzender aktiv war, führte ich den Verein von 1987 bis 2003. Das waren intensive, aber auch sehr schöne Jahre. Da mehrfache Versuche, die Fußballfamilien von FC Epe und Vorwärts Epe zusammenzuführen, aber gescheitert waren, entschloss ich mich dazu, mein Amt niederzulegen. Als Ehrenvorsitzender und Mitglied des Ältestenrats bin ich mit dem Verein aber nach wie vor eng verbunden“, so Hölscher.

Mir waren die großen Fußstapfen, in die ich treten musste, wohl bewusst.

Werner Hölscher

Die Gunst der Stunde nutzte der damalige Vorsitzende des Stadtverbands für Leibesübungen, Gerd Zwicker , und warb um Werner Hölscher als seinen Nachfolger. Mit Erfolg. „Mir waren die großen Fußstapfen, in die ich treten musste, wohl bewusst, denn Gerd Zwicker hat sich stets uneigennützig für den Sport in Gronau eingesetzt. Das war Ansporn genug für mich, es ihm gleichzutun“, so Hölscher.

Zu seinen Aufgaben gehört es seitdem, sich als Ansprechpartner für die Wünsche der einzelnen Mitgliedsvereine einzusetzen. Voller Euphorie und in dem Glauben, dass es ausreiche, alleine auf die Unterstützung der rund 13 000 Vereinsmitglieder zu zählen, machte sich Hölscher an die Arbeit, den Dachverband aller Gronauer Sportvereine zu leiten.

Umstrittene Sportförderrichtlinien

„Damals wurde ich rasch eines Besseren belehrt. Ehe man nämlich in dem sportpolitischen Geflecht ans Ziel gelangt, gilt es im Vorfeld die Politik für sich zu gewinnen“, spricht Hölscher heute mit einem Lächeln über seine Anfänge als Vorsitzender des Gronauer Stadtsportverbands. Das tat er schließlich auch und schaffte es unter anderem im Lauf seiner Amtszeit, die überarbeiteten und zunächst heiß umstrittenen Sportförderrichtlinien zu etablieren. „Das war in der Tat ein Politikum für sich“, erinnert sich Hölscher.

Sportstätten-Förderprogramm

Dank der Unterstützung durch Detlev Hollenborg, der kürzlich den Fachdienst Bildung und Sport innerhalb der Stadtverwaltung Gronau übernommen hat, arbeitet Werner Hölscher nun gemeinsam mit Politik und Verwaltung daran, den Sportentwicklungsplan auf den Weg zu bringen und begleitet darüber hinaus das aktuelle Sportstätten-Förderprogramm.

„Da jagt schon einmal eine Besprechung die nächste, denn schließlich möchten wir das Optimum für die Vereine herausholen“, so der Vorsitzende.

Mit Weitblick schaut er auf die Aktivitäten in den einzelnen Vereinen. „Es wird auf Dauer sicher nicht mehr reichen, eine einzelne Sportart in einem Verein auszuüben“, denkt Hölscher an die reinen Fußball- oder Schwimmvereine.

Die Zukunft liegt meines Erachtens eher im Mehrsparten-Verein mit unterschiedlichen Sportarten.

Werner Hölscher

„Die Zukunft liegt meines Erachtens eher im Mehrsparten-Verein mit unterschiedlichen Sportarten, in dem auch Trendsportarten angeboten werden. Gemeinsam kann man mehr bewegen und gemeinsam genutzte Sportstätten besser ausbauen. Natürlich darf darüber hinaus die Vereinskultur nicht vernachlässigt werden, dadurch sollte das Wir-Gefühl gestärkt werden, was den Vereinen vielleicht hilft, sich weiterzuentwickeln“, appelliert Hölscher an die Vereine, vielleicht einmal über Strukturen, Strategien und Veränderungen nachzudenken.

Nachfolger muss noch überzeugt werden

In seiner Freizeit hört der Anhänger von Borussia Dortmund gerne Schlager und bevorzugt die Tageszeitung sowie Fachliteratur. Neben Quizsendungen stehen im Fernsehen vor allem Sportsendungen auf seiner Hitliste – angefangen von Fußball über Handball bis hin zur Leichtathletik.

Auch der jährliche Besuch des CHIO in Aachen ist ein absolutes Muss für den Eperaner, der im Frühjahr 2021 seinen Posten als 1. Vorsitzender des Stadtsportverbandes zur Verfügung stellen möchte.

„Einen möglichen Nachfolger habe ich persönlich für mich schon gefunden. Allerdings muss da noch ein wenig Überzeugungsarbeit geleistet werden. Ein Jahr bleibt dazu ja noch Zeit“, sieht Werner Hölscher dieser Aufgabe entspannt entgegen.

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