Leichtathletik: Deutsche U-20-Meisterschaften
Mit dem Turbo zum Titel

Epe/Heilbronn -

Wie schon bei den Titelkämpfen der Frauen in Braunschweig huschte auch am Samstag in Heilbronn bei den Deutschen Meisterschaften der U 20 beim Zieleinlauf ein Lächeln über das Gesicht von Fabiane Meyer. Und erneut hatte die Läuferin des TV Westfalia Epe allen Grund dazu.

Montag, 07.09.2020, 16:33 Uhr
Was für eine Saison! Stolz präsentiert die Deutsche Meisterin ihre Medaille und Siegerurkunde. Fabiane Meyer siegte bei den U-20-Juniorinnen über 1500 Meter.
Was für eine Saison! Stolz präsentiert die Deutsche Meisterin ihre Medaille und Siegerurkunde. Fabiane Meyer siegte bei den U-20-Juniorinnen über 1500 Meter. Foto: privat

Verena Meisl oder Fabiane Meyer , die Vierte gegen die Achte von Braunschweig – so konnte auf den ersten Blick nur die Antwort auf die Frage nach der Deutschen Meisterin der U 20 über die 1500 Meter lauten. Trainer Reinhard Wittland hatte aber auch noch andere Läuferinnen auf der Rechnung. Etwa Lisa Hausdorf, die Zehnte von Braunschweig, und Lea Kruse.

Und auch wenn Verena Meisl die um rund fünf Sekunden schnellere Bestmarke als sein Schützling mit nach Heilbronn brachte, sah er durchaus Optionen für die Westfalia-Athletin beim Kampf um den Titel: „Wenn Fabiane taktisch klug läuft, hat sie eine Chance“, betonte er. „Verena Meisl benötigt für eine gute Zeit jemanden, der das Tempo macht“, so der Trainer.

Taktisches Geplänkel

Wie so oft bei Meisterschaften entwickelten sich in der Tat vor allem taktisch geprägte Läufe. Schon bei den Halbfinals am Freitag wollte niemand die Verantwortung übernehmen, sodass beide Läufe äußerst langsam waren. Fabiane Meyer lief in ihrem Halbfinale von Beginn an in der Spitze mit, ohne dabei aber auf das Tempo zu drücken. Um einem Gerangel um die Qualifikationsplätze für das Finale aus dem Wege zu gehen, zog sie auf der Zielgerade das Tempo an und sicherte sich souverän Platz eins, ohne sich voll zu verausgaben.

Am Samstag im Finale sah das Bild ähnlich aus: ein sehr langsames Tempo, eine eng zusammenlaufende Gruppe, in der niemand die Tempoarbeit machen wollte.

„Geduldig bleiben!“ – diese Devise hatte Reinhard Wittland Fabiane Meyer mit auf den Weg gegeben. Und die 17-Jährige hielt sich daran. Immer in der Mitte des zwölfköpfigen Feldes, meist auf der Innenbahn laufend, konnte sie so Kraft sparen. 200 bis 300 Meter vor dem Ziel das Tempo erhöhen – so war die weitere Marschroute vorgesehen. Hier aber machte Verena Meisl zunächst einen Strich durch die Rechnung der Eperanerin.

Meisl erhöht das Tempo, Meyer kontert

Die Läuferin der LG Dortmund erhöhte nämlich eingangs der Schlussrunde das Tempo und riss schnell ein Loch zum Rest des Feldes. Fabiane Meyer forcierte zwar ebenfalls und konnte sich von den anderen Läuferinnen absetzen, die Plätze eins und zwei schienen aber 200 Meter vor dem Ziel vergeben. Denn zehn bis 15 Meter lag die Dortmunderin vor der Eperanerin. Doch die warf jetzt den Turbo an.

Schritt für Schritt kam Fabiane Meyer näher. Etwa 50 Meter vor dem Ziel schloss sie zu der Führenden auf und zog unwiderstehlich an ihr vorbei. Fast zehn Meter Vorsprung lief Fabiane Meyer noch heraus und überquerte nach 4:37,89 Minuten und damit 1,59 Sekunden vor Verena Meisl lächelnd die Ziellinie.

„Gerechnet hatte ich 200 Meter vor dem Ziel nicht mehr damit, sie zu packen, gehofft schon“, gab Meyer hinterher zu. „Auf der Zielgeraden konnte Verena dann ja auch gar nicht mehr gegenhalten“, freute sich die frisch gebackene Deutsche Meisterin. Auch Reinhard Wittland war begeistert vom Schlussspurt seines Schützlings: „Die letzte Runde in 59 Sekunden? Wahnsinn!“

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