WN-Interview mit Jens Gabbe
„2019 gab es Stress“

Gronau -

Während der Siegerehrung ließ ein sichtlich bewegter Jens Gabbe die Bombe platzen: Er verkündete, dass die 17. Auflage der Gronau Open für ihn die letzte als Verantwortlicher und Mitorganisator war.

Mittwoch, 23.09.2020, 20:00 Uhr
Dieser Abschied kam überraschend: 2021 möchte Jens Gabbe die Gronau Open nur noch als Zuschauer erleben und sich entspannt zurücklehnen.
Dieser Abschied kam überraschend: 2021 möchte Jens Gabbe die Gronau Open nur noch als Zuschauer erleben und sich entspannt zurücklehnen. Foto: Angelika Hoof

Auch zur Verblüffung seiner Mitstreiter und seines Sohnes Sven , der nun mit Nina Overbeeke das Ruder komplett übernimmt. „Das kommt hier und heute für mich völlig überraschend“, kommentierte Sven Gabbe erstaunt den Rücktritt seines Vaters. So blieb der obligatorische Abschiedsblumenstrauß aus. Es hatte einfach noch niemand mit diesem Abschied gerechnet. Vielleicht war es so gewollt von Jens Gabbe , der mit einem lachendem und einem weinenden Auge, zwar unter Standing Ovations des Publikums, der Spieler, der vielen Helfer und der Sponsoren, am Ende aber doch relativ still und heimlich die Bühne verließ. Rund einen Monat später. Erst einmal alles sacken lassen. Die WN blicken mit dem Gesicht der Gronau Open zurück.

 

Nach 17 Jahren Gronau Open ist – für viele überraschend – Schluss. Was hat dich zu diesem Entschluss bewegt?

 

Gabbe: Als ich 65 wurde, hat man gebeten: Mache bitte weiter, es fehlt ein guter Nachfolger. Meine Antwort war: Das verschiebt das Problem, löst es nicht. Ich habe etwa zehn Mal meinen Geburtstag während des Turniers gefeiert. Im nächsten Jahr wäre dies ein runder Geburtstag, da wollte ich nicht mehr in der Verantwortung stehen. Die 17. Gronau Open waren, auch bedingt durch die  Coronakrise, etwas ganz Besonderes, ein guter Anlass, um der Turnierleitung Adieu zu sagen. 

 

In 17 Jahren ist viel passiert. An was erinnerst du dich gerne zurück?

 

Gabbe: Es ist uns gelungen, den Spielerinnen zu vermitteln, dass sie das Wichtigste hier in Gronau sind. Das wurde von ihnen mit großer Treue zum Turnier, Dankbarkeit und Freundlichkeit zurückgezahlt. Auf dem Platz gab es bei aller Härte des Wettkampfes erstaunlich wenig Probleme. Lustiges dafür am Rande. Besonders erinnere ich mich an einen Vater, der während des Spiels seiner Tochter keine Zigaretten mehr hatte und mich schließlich fragte: „Darf ich mal an ihrer Zigarre ziehen?“ Etwas Besonderes bedeutet mir jedes Jahr der persönliche Besuch unserer Partner und Sponsoren, die mit ihrer Unterstützung sehr viel für das Image von Gronau leisten. Dass fast alle uns 2020 trotz der großen Schwierigkeiten die Treue gehalten haben, dafür gilt allen ein besonderer Dank.

 

Gab es auch unangenehme Momente?

 

Gabbe: Nicht so schön war das Betragen einer Spielerin 2019, die überall Stress machte, auch im Hotel und auf dem Platz. Der Oberschiedsrichter musste mehr als zehn Mal auf ihr Verlangen hin strittige Bälle entscheiden, alle zu ihren Ungunsten. Zum Glück blieb das in all den Jahren ein Einzelfall.  

 

In welchem Jahr gestaltete sich die Organisation besonders schwierig?

 

Gabbe: Im ersten Jahr, als es hieß, ein Damen-Tennisturnier wird beim WTV dringend benötigt und Sven als Sportwart im Frühjahr anbot, dass Grün-Gold das noch im gleichen Jahr auf die Beine stellt. Dies finanziell und organisatorisch zu ermöglichen, war mindestens eine so große Herausforderung wie in diesem Jahr im Zuge der Coronakrise das inzwischen national bedeutsamste und größte Tennisturnier in Westfalen erfolgreich auszurichten.

 

Am Anfang bestanden große Zweifel, ob sich in Gronau ein Tennisturnier behaupten kann.

Jens Gabbe

Wie haben sich die Gronau Open in deinen Augen in all den Jahren weiterentwickelt?

 

Gabbe: Am Anfang bestanden große Zweifel, ob sich in Gronau ein Tennisturnier behaupten kann. Wenn überhaupt, so glaubten wir an einen westfälischen Einzugskreis. Aber schon im ersten Jahr reisten Spielerinnen von weit her an und fast alle, die bisher kamen, betrieben Mund-zu-Mund-Propaganda für Gronau. Mit der wachsenden Bedeutung gelang es auch mehr und mehr Sponsoren zu gewinnen. Heute sind es über 70. Das Preisgeld stieg von 3.000 auf 11.500 Euro. 2015 nahm der Deutsche Tennis-Bund die Gronau Open in die exklusive German Masters Serie auf und ehrte es gleich im ersten Jahr als bestes nationales Turnier.

 

Das bedeutet, das Turnier hat eine Zukunft?

 

Gabbe: Absolut. 2020 zählen die Gronau Open zur stärksten und am höchsten dotierten deutschen Turnierkategorie, von der es bundesweit nur drei Veranstaltungen für Damen gibt. Spielerinnen mit höchsten Ranglistenplätzen und aus ganz Deutschland schlagen alljährlich in unserer Grenzstadt auf. Mehrere, wie Andrea Petkovic, Laura Siegemund oder Tamara Korpatsch, haben es bis in die Weltrangliste der Top 100 geschafft. 

 

Dass Jens Gabbe mit seinem Sohn Sven  und Nina Overbeeke seine Nachfolger hervorragend vorbereitet und eingearbeitet hat, ist unumstritten. Ob der aktive und rüstige Rentner sich nach all den Jahren bei den zukünftigen Gronau Open wirklich entspannt zurücklehnen und die Spiele als Zuschauer genießen kann, bleibt abzuwarten.  Dem einen oder anderen wird er sicherlich an seinem Stammplatz sitzend, mit der obligatorischen Zigarre in der Hand, die Spielpaarungen ansagend, fehlen.

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