Laufen: Fabiane Meyer zieht es in die USA
Im Rampen- und im Scheinwerferlicht

Epe -

Fabiane Meyer wäre sicher eine ganz heiße Kandidatin bei der Wahl von Gronaus „Sportlerin des Jahres 2020“ gewesen. Doch diese Abstimmung und der „Ball des Sports“ sind auch Opfer der Pandemie geworden.

Samstag, 19.12.2020, 12:08 Uhr aktualisiert: 21.12.2020, 18:27 Uhr
Auch bei schlechtem Wetter und auf nassen Wegen fällt das Training für Fabiane Meyer nicht aus.
Auch bei schlechtem Wetter und auf nassen Wegen fällt das Training für Fabiane Meyer nicht aus. Foto: Günter Poggemann

Empfehlungen kann die 18-jährige Mittelstreckenläuferin vom TV Westfalia Epe in jedem Fall reichlich vorweisen: Deutsche Meisterin in der U 20 über die 1.500 m, Platz acht bei den Meisterschaften der Frauen über diese Strecke, Platz drei in der Jahresbestenliste der U 20 des Deutschen Leichtathletik Verbandes über die 1.500 m, Platz zehn über die 800 m sowie Platz sechs über 2.000 m Hindernis.

Bei den Frauen ist sie in der Jahresbestenliste des DLV auf Platz 17 über die 1.500 m notiert und über die 800 m auf Platz 30.

Selbst in der europäischen Jahresbestenliste der U 20 findet sich der Name der Eperanerin. Mit ihrer Zeit von 4:22,06 Min. für die 1.500 m steht sie dort auf Platz acht.

Dabei verlief die Saison auch für Fabiane Meyer ganz anders als geplant. Keinerlei Wettkämpfe und Training nur noch eingeschränkt und in kleinen Gruppen hieß es nach dem ersten Lockdown Mitte März. Statt auf die Laufbahn und die Straße ging es zum Training vor allem in den Wald. Dort arbeitete man auf dem anspruchsvollen Untergrund an der Verbesserung der Grundlagen- und Kraftausdauer, z. B. durch Fahrtspiele und Intervallläufe – ein Training, das sich bei Fabiane Meyer offensichtlich auszahlte.

Gleich beim ersten Wettkampf nach dem Lockdown am 11. Juli in Dortmund verbesserte die TVE-Läuferin ihre persönliche Bestmarke über die 800 m um rund zwei Sekunden auf 2:09,73 Min. Noch deutlich größer war der Leistungssprung elf Tage später über die 1.500 m beim Läufermeeting in Melle. Um mehr als zehn Sekunden steigerte Fabiane Meyer sich auf 4:26,13 Min. – verbunden mit der nie erwartenden Qualifikation für die Deutsche Meisterschaft der Frauen am zweiten Augustwochenende in Braunschweig. Auch dort überraschte die damals 17-Jährige. Gleich zweimal verbesserte sie ihre persönliche Bestmarke auf am Ende 4:22,06 Min., schaffte den Sprung ins Finale und erkämpfte sich dort im Endspurt Platz acht. Das I-Tüpfelchen auf diese Erfolgsserie und Krönung waren schließlich der Meistertitel bei den Deutschen Meisterschaften der U 20 in Heilbronn.

Diese Erfolge waren reichlich Motivation, um auch in den kommenden, wettkampfarmen Wochen und Monaten intensiv zu trainieren, Aber schon bald machte Corona erneut einen Strich durch die Planungen. Cross-Wettkämpfe, von denen ein erster Mitte November bei Fabiane Meyer im Terminkalender stand, entfielen, das Training musste ausschließlich im Freien und weitestgehend allein absolviert werden. „Ich war zwar zunächst enttäuscht, aber irgendwie hatte ich mich schon darauf eingestellt“, erzählt Fabiane Meyer. Auch dass sie oft allein unterwegs ist, stört sie nicht wirklich. „So kann ich mich ganz auf mein Training konzentrieren und mein Tempo laufen“, erzählt sie.

Etwa 65 km spult die mittlerweile 18-jährige Schülerin an sechs Tagen in der Woche herunter: viele Kilometer davon im gleichmäßigen Tempo, um die Grundlagenausdauer zu verbessern – in der Dunkelheit oft begleitet von Trainer Reinhard Wittland (rd. Foto) im Auto oder der Mutter, auch um die Strecke ein wenig auszuleuchten. Mal werden kurze Sprints und Intervalle eingestreut, mal fährt Reinhard Wittland mit ihr nach Gildehaus, um den Gildehauser Berg immer wieder in hohem Tempo hinaufzulaufen. Und dann und wann werden die Wohnungen der Eltern und von Reinhard Wittland zum Kraftraum, um, wie durch Bundestrainer Alexander Fromm aufgegeben, durch spezifisches Krafttraining an der Stärkung der Muskulatur und damit der Stabilisierung von Bändern und Sehnen zu arbeiten.

In den kommenden Wochen fahren Fabiane Meyer und Reinhard Wittland dann auch regelmäßig nach Münster, um auf der Bahn in der Halle für die Hallenwettkämpfe zu trainieren. Möglich ist dies nur, da Fabiane Meyer dem Nachwuchskader 1 des DLV angehört.

Die Meisterschaften der Frauen und vor allem der U 20 im Februar in der Halle waren die nächsten großen Ziele der Eperanerin – bis zum vergangenen Wochenende, als die Meisterschaft der U 20 abgesagt wurde und damit der Traum auf einen zweiten Meistertitel für Fabiane Meyer platzte. „Natürlich würde ich gerne nochmals Deutsche Meisterin werden“, erzählt sie. Anfang August bietet sich für sie dazu in Rostock letztmals in der U 20 die Chance. „Ich möchte aber vor allem auch meine Bestzeit steigern“, verweist sie auf ein anderes großes Ziel im kommenden Jahr.

Persönlich zieht es die angehende Abiturientin im Sommer wie ihre Schwester Pauline vor fast vier Jahren in die USA. Zumindest ein Jahr möchte sie die intensive sportliche Förderung an der Clemson University in South Carolina nutzen und vor allem auch neue Erfahrungen im Ausland sammeln.

Bundestrainer Alexander Fromm und auch Reinhard Wittland sehen diese Pläne eher mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Für Fabiane persönlich und ihre Entwicklung ist dies sicher eine nachvollziehbare Entscheidung, sportlich hätte sie aber vor allem als Mitglied im Perspektivkader auch hier sehr gute Perspektiven und eine umfassende Unterstützung“, so der Bundestrainer.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7731241?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F94%2F35322%2F
Nachrichten-Ticker