Interview mit Bundestrainer Alexander Fromm
Olympische Spiele für Fabiane Meyer ein Thema?

Epe -

Alexander Fromm weiß, wovon er spricht. Der Bundestrainer bescheinigt Fabiane Meyer (TV Westfalia Epe) sehr großes Potenzial. Fromm sagt aber auch, in welchem Bereich sie sich noch verbessern kann.

Samstag, 19.12.2020, 12:08 Uhr aktualisiert: 21.12.2020, 18:27 Uhr
Alexander Fromm,
Alexander Fromm, Foto: privat

Als Mitglied des Nachwuchskaders 1 des Deutschen Leichtathletikverbandes wird Fabiane Meyer vom Bundestrainer für den C-Kader auf den Mittelstrecken bei den Frauen, Alexander Fromm , betreut. WN-Mitarbeiter Günter Poggemann sprach mit ihm über die Entwicklung der Läuferin vom TV Westfalia Epe und ihre Perspektiven.

Seit wann kennen Sie Fabiane Meyer?

Alexander Fromm: Ich habe Fabiane Meyer vor etwa zwei Jahren erstmals bei einigen Wettkämpfen gesehen, u. a. bei den Deutschen Meisterschaften 2018 in Rostock. Aufgefallen ist mir damals vor allem ihre Unbedarftheit und ihr Mut, die Rennen von vorne anzugehen. Das sieht man heute nur noch selten.

Wie beurteilen Sie ihre Entwicklung, insbesondere in diesem Jahr?

Fromm: Fabiane hat in den letzten zwei Jahren Riesensprünge gemacht. Das zeigen natürlich vor allem ihre Ergebnisse in diesem Jahr, aber auch die Resultate beim Leistungstest im November in Leipzig. Dort hat sie sich gegenüber dem Vorjahr insbesondere bei den Werten in Sachen Ausdauer und Tempohärte enorm verbessert.

Was sind die Stärken von Fabiane Meyer?

Fromm: Ihre Stärken sind ihre Lockerheit, die Endgestaltung ihrer Wettkämpfe und ihre Fähigkeit, im Rennen situativ das Richtige zu machen. So ist sie bei den Deutschen Meisterschaften der Frauen in einem Feld, in dem sie krasse Außenseiterin war, frech mitgelaufen und hat es so ins Finale und dort auf Platz acht geschafft. Bei den Meisterschaften der U 20, wo sie zu den Favoritinnen gehörte, hat sie eine herausragende Schlussrunde hingelegt, die mit rund 60 Sekunden europäische Spitzenklasse war.

In welchen Bereichen sehen Sie noch Verbesserungsbedarf?

Fromm: Weiter arbeiten sollte sie an der Tempohärte und an ihrer Lauftechnik, konkret z. B. durch spezifisches Krafttraining die Schrittgestaltung verbessern, um so noch mehr Abdruck in den Schritt zu bekommen.

Wie unterstützen Sie als Bundestrainer Fabiane Meyer ganz praktisch in ihrem Training hier in Epe?

Fromm: Das konkrete Training und auch die Trainingsplangestaltung liegen natürlich in den Händen von Reinhard Wittland. Das macht er auch sehr gut. Gemeinsam mit ihm entwickle ich die Rahmentrainingspläne. Fabiane lädt außerdem ihre Trainingsdaten mit den Umfängen, den Trainingsformen und Herzfrequenzdaten auf eine Plattform hoch, sodass ich einen Einblick habe und mich darüber mit Reinhard Wittland und Fabiane regelmäßig austauschen kann. Einmal war ich auch in Epe und habe mir ihr Training angesehen. Ich hoffe, dies in Kürze erneut machen zu können, wenn es die Bedingungen zulassen.

Wie schätzen Sie ihre weitere Entwicklung ein?

Fromm: Ich glaube, dass sie ein Riesenpotenzial hat. Sie ist eine echte „Perle“. Eine, die es schaffen kann, in der Zukunft bei großen internationalen Meisterschaften bis hin zu Olympischen Spielen dabei zu sein. Konkret hat sie gute Chancen, den Sprung zu den Junioren-Europameisterschaften im Juli in Tallinn, vielleicht sogar zu den Junioren-Weltmeisterschaften im August in Nairobi zu schaffen. Wenn sie außerdem eine Zeit von 4:17/4:18 Min. für die 1.500 m erreicht, was durchaus im Bereich des Möglichen liegt, könnte sie in den Perspektivkader des DLV aufrücken. Damit hätte sie nicht nur die Möglichkeit, an einem Bundesleistungszentrum, z. B. in Dortmund, Wattenscheid oder Frankfurt zu trainieren, sie würde auch eine finanzielle Unterstützung durch die Deutsche Sporthilfe erhalten.

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