Handball kann so harzlos sein
Weil die Versicherung keine Haftung übernimmt, verlieren Münsters Handballer die Haftung

Münster -

Seit Jahrzehnten klebt das Thema Harzen an dieser Sportart wie das Zeug selbst an den Schuhrändern, Wasserflaschen und Fingern der Handballer. In Münsters städtischen Hallen herrscht längst ein nicht immer beachtetes Haftmittelverbot. Gleichwohl ist in der Szene eine neue Diskussion entbrannt. Das Sportamt sah sich veranlasst, zur neuen Spielzeit bei allen Vereinen schriftlich das konsequentes Einhalten der Hallenordnung anzumahnen.

Donnerstag, 11.07.2013, 16:07 Uhr

 
  Foto: dpa

„Wir verhalten uns nicht anders als bisher, aber wir mussten tätig werden“, erklärte Michael Willnath , Verwaltungsleiter des Sportamtes, auf Anfrage dieser Zeitung. Es galt, einem womöglich folgenschweren Szenario vorzubeugen – dem nämlich, dass die Kommune künftig zur Kasse gebeten wird, wenn es auf verharzten Hallenböden im Alltagsbetrieb zu Sportunfällen kommt. „In solchen Fällen gibt es keine Risikoabdeckung durch die KSA mehr.“

Die kommunale Selbsthilfeorganisation namens „Kommunaler Schadenausgleich“ (KSA) ist ein Umlageverband, der für seine Mitglieder im Rahmen der gesetzlichen Haftpflicht für den Ausgleich von Schäden aufkommt, die Dritte erlitten haben. Und der KSA westdeutscher Städte hat auch der Stadt Münster den unmissverständlichen Hinweis geschickt, für Schäden oder Regressansprüche nicht mehr geradestehen zu können, wenn sie nachweislich von Harzgebrauch herrühren. „Wir würden jetzt also in Haftung genommen werden. Das Risiko können wir nicht eingehen“, hat Willnath die Juristen der Stadt um Rat gebeten.

„Dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird, ist dem Sport nicht zuträglich“, wertet Bernd Krekeler , Vorsitzender des hiesigen Handballkreises und erster Mann bei Sparta Münster. „Wir wissen von Hallen anderer Gemeinden, dass dort auch künftig mit Harz gespielt werden darf.“ De facto tritt künftig ein Team an einem Samstag in Münster harzfrei an und am nächsten auswärts mit dem Topf unter der Bank. „Das Hin und Her ist sehr unglücklich – ein Totalverbot passt nicht zu den allgemeinen Rahmenbedingungen“, findet Thomas Rieke, der Trainer der Oberligaspielerinnen von Westfalia Kinderhaus . Er sagt sagt auch: „Im Männerspielbetrieb wird’s oft übertrieben mit dem Harz.“

Ab Bezirksliga aufwärts ist die Ballbehandlungshilfe üblich, schon für die Jugendbundesliga sogar eine Zulassungsvoraussetzung: „Haftmittelnutzung muss gestattet sein“, steht in den Durchführungsbestimmungen. Für Krekeler wäre „eine Freigabe gekoppelt mit der Verpflichtung, nach dem Spiel für Sauberkeit zu sorgen“ sinnvoller und gerechter.

Diesbezüglich hat Willnath gerade erst schlechte Erfahrungen gemacht. „Die Hans-Böckler-Schule musste am Montag einer Sonderreinigung unterzogen werden, ehe sie für den Sportbetrieb frei gegeben wurde.“ Der Boden war harzverschmutzt – Sonntag ermittelten auf ihm die studierenden Asse ihre Hochschulmeister. Nachdem am Freitag aufgrund des Harzverbots Fehlwürfe wie Ballverluste für Kopfschütteln sorgten, wurde Samstag und Sonntag zum Mittel gegriffen. Die hiesigen Akteure sicherten dafür ihren finalen Einsatz als Putzkolonne zu.

„Die Aktion hat nicht zum erforderlichen Resultat geführt“, hat Willnath genau das dem Hochschulsport schriftlich übermittelt. Und eine Rechnung mitgeschickt, vermutlich.

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