Markus Glaser macht die 09-Spielerinnen nach Verletzungen wieder fit
„Streicheleinheiten“ für Körper und Seele

Greven -

Er ist nach dem Trainer sicher einer der wichtigsten Figuren in einem Spiel, das sich mit Handball beschäftigt. Und als Hallensprecher macht er auch eine gute Figur. Markus Glaser ist aber hauptberuflich Physiotherapeut und begleitet die Grevener Damen bei ihren Genesungsprozessen.

Donnerstag, 02.05.2013, 18:05 Uhr

Markus Glaser mit seiner „Lieblingspatientin“ Ulrike Glathe, die derzeit einen Kreuzbandriss ausheilen lässt.
Markus Glaser mit seiner „Lieblingspatientin“ Ulrike Glathe, die derzeit einen Kreuzbandriss ausheilen lässt. Foto: wik

Für viele Spielerinnen kommt der Physiotherapeut direkt nach dem Trainer. Denn er ist nicht nur für die physischen Probleme zuständig, sondern oftmals auch für die psychischen. Über seine Arbeit beim SC Greven 09 gibt Markus Glaser in einem Gespräch mit WN-Redakteur Winfried Kitzmann Auskunft.

Wie bist Du zum SC Greven 09 gekommen?

Glaser: Frank Adorf, der die Mannschaft betreut, war vor dreieinhalb Jahren als Praktikant im Klara-Stift tätig. Dort haben wir uns kennengelernt und er hat gefragt, ob ich auch Lust habe, beim SC Greven 09 zu helfen. Zu dem Zeitpunkt war ich als Physiotherapeut beim TV Emsdetten tätig. Damals bestand bereits eine Verbindung beider Vereine durch den Emsdettener Spieler Stefan Pries und seiner damaligen Freundin Bente Bülau, die für 09 spielte.

Du hast ja sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen Erfahrungen gesammelt. Was unterscheidet die beiden Geschlechter im Sport?

Glaser: Von der ganzen Art her ist es beim SC Greven 09 viel familiärer. Die Spielerinnen machen sehr viel miteinander neben dem Sport. Außerdem sind sie viel genügsamer als Männer.

Um welche Art von Verletzungen handelt es sich vornehmlich, wenn Du Handballerinnen behandelst?

Glaser: In diesem Jahr hatten wir in Greven gleich vier Kreuzbandrisse. Eine solche Verletzung wirft einen weit zurück. Früher sagte man etwa ein halbes Jahr. Aber schnelle Erfolge rächen sich oftmals. Heute gibt man den Sportlern mehr Zeit, damit keine Folgeverletzungen auftreten und die Muskulatur extrem aufgebaut werden kann. Hier und da kommt es auch zu Bänderrissen. Vielfach habe ich es auch mit Rückenbeschwerden zu tun. Deshalb geht der gesamte Jugend-Trainingsbereich mehr in Richtung Athletik, um eine Verletzungsprophylaxe zu betreiben.

Wie oft bist Du beim Training?

Glaser: Ich versuche, ein Mal in der Woche beim Training zu sein. Früher bin ich auch zu den Auswärtsspielen mitgefahren, doch dazu fehlt mir heute die Zeit.

Die Diagnose stellt ja meistens der Arzt. Seid Ihr da immer einer Meinung bezüglich der Therapie?

Glaser: Die Ärzte in den Sportvereinen lassen einem sehr viel freie Hand. Mit den meisten Ärzten kann man auch reden. Ich fahre auch schon mal mit der Patientin zum Arzt. Grundsätzlich unterhalten wir uns über die Verletzungen und deren Therapie. Wir sind halt ein Team.

Ist ein Physiotherapeut nicht oft auch ein Seelentröster?

Glaser: Es verbindet, wenn man eine halbe Stunde zusammen ist und man einem körperlich so nahe kommt, wie das in unserem Beruf notwendig ist. Da hört man viel über den Trainer, das Training, den Geschäftsführer und was den Patienten an der Mannschaft nicht passt. Ich weiß aber genau, was ich weitererzählen kann und was nicht. Das meiste muss ich für mich behalten. Aber ob ich in Ahlen, Hamm, Emsdetten oder Greven gearbeitet habe: Jeder erzählt Dir was. Bei Mädels ist das nicht anders als bei den Jungen.

Hast Du denn so Pappenheimer, die immer wieder mit den kleinsten Verletzungen zu Dir kommen?

Glaser: Natürlich gibt es die überall. Einige Spieler brauchen so Rituale, wie etwa ein Kinesio-Tapeverband an bestimmten Körperstellen, die vielleicht schon auskuriert sind. Einige Spieler wollen auch ständig eingerenkt werden. Wenn‘s für den Kopf gut ist, dann lass ich es dann auch mal krachen. Das ist halt so wie bei Spielern, die ständig mit den gleichen Socken auflaufen.

Was hältst Du von Schmerzmitteln?

Glaser: Medizinisch macht das keinen Sinn, weil das Abwehrsystem lahm gelegt wird. Allerdings ist es manchmal sinnvoll, ein lokales Schmerzmittel zu verabreichen. Das darf dann aber nicht dazu führen, dass das vor jedem Spiel eingenommen wird. Das ist dann wie bei den Bandagen eine Kopfsache.

Bist Du im kommenden Jahr auch noch dabei?

Glaser: Ich würde gerne weitermachen, es ist in Greven immer eine nette Truppe gewesen. Aber wir müssen noch darüber reden. Ich bekomme kein Geld für den Job. Das ist mir auch wichtig, denn dann kann ich mir meine Entscheidung offen halten. Falls ich dann eine Entscheidung nicht mittragen kann, kann ich dann gehen, ohne meinen Vertrag zu brechen.

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