Handball | 2. Liga: Ralf Lucas, Co-Trainer und Urgestein der HSG Nordhorn-Lingen
Verrückt nach Handball

Nordhorn -

Es ist der 17. Treffer, den die HSG Nordhorn-Lingen im Pokal-Achtelfinale erzielt. Der Jubel fällt noch immer euphorisch aus. Aber weiterhin liegt der Bergische HC, der Favorit aus der 1. Liga, in Führung. Dem Zwei-Städte-Team droht die Zeit wegzulaufen. Auch Ralf Lucas, der Co-Trainer, treibt die Nordhorner Handballer noch einmal an, gestikuliert mit seinen Händen, motiviert durch Zurufe.

Sonntag, 01.11.2015, 02:11 Uhr

Seite an Seite: Seit vielen Jahren arbeiten Coach Heiner Bültmann und sein Co-Trainer Ralf Lucas (r.) beim Handball-Zweitligisten HSG Nordhorn-Lingen zusammen. Beruflich ist Lucas seit 15 Jahren in Gronau tätig.
Seite an Seite: Seit vielen Jahren arbeiten Coach Heiner Bültmann und sein Co-Trainer Ralf Lucas (r.) beim Handball-Zweitligisten HSG Nordhorn-Lingen zusammen. Beruflich ist Lucas seit 15 Jahren in Gronau tätig. Foto: Stefan Hoof

Ein letztes Mal bäumt sich der Zweitligist auf. „Wenn wir in diesem Moment vielleicht noch auf zwei Tore herankommen“, sagt Lucas später. „Dann wäre vielleicht noch was gegangen.“

Aber die Roten schaffen es am Mittwochabend nicht, den Rückstand entscheidend zu verkürzen. In ihrer Festung, im Euregium, kommen sie zwar zu Chancen. Aber zu schlecht ist vor 2510 Zuschauern die Torausbeute. Der Erstligist vergrößert seinen Vorsprung prompt wieder auf vier, fünf Tore. „Da war mir klar, dass es nicht reichen wird“, bekennt Lucas.

Der HSG-Fanclub sorgt für prächtige Stimmung.

Der HSG-Fanclub sorgt für prächtige Stimmung. Foto: Stefan Hoof

Die Zuschauer in Nordhorn spüren das auch. Die Restspielzeit ist zu kurz. Der Kräfteschwund nach dem vierten Spiel binnen elf Tagen und vielen Unterzahl-Aktionen in dieser Partie ist nicht zu leugnen. Und was machen die Nordhorner Anhänger? Die Fans erheben sich von ihren Plätzen, klatschen, zeigen, wie sehr sie hinter ihrer Mannschaft stehen. Bis zur letzten Minute, bis zum 19:24 – auch wenn die Pokal-Überraschung an diesem Abend ausfällt.

Ralf Lucas wirkt gefasst. Auf das Weiterkommen gehofft hat er, keine Frage. So wie in der 1. Runde, als die HSG den HSV Hamburg aus dem Rennen gekegelt hat. Doch so ein Coup gelingt eben nicht jeden Tag. Für die jüngeren Nordhorner Spieler wäre das Erreichen des Pokal-Viertelfinales eine Premiere gewesen.

Volle Hütte im Nordhorner Euregium.

Volle Hütte im Nordhorner Euregium. Foto: Stefan Hoof

Seit Vereinsgründung 1981 ist Ralf Lucas Mitglied des Vereins, der bereits mehrfach im Pokal-Halbfinale stand, 2002 Deutscher Vizemeister wurde, sich seit 2008 Europapokalsieger nennen darf und 2009 einen Neuanfang in der 2. Bundesliga startete.

Ein Jahr später ergab es sich, dass die HSG einen Co-Trainer suchte. Die Wahl fiel auf den Spielertrainer der 2. Nordhorner Mannschaft, die in der Oberliga beheimatet war: Ralf Lucas. „Eigentlich aus einer Bierlaune heraus“, schmunzelt Lucas, „ich habe an dem Abend mit Heiner Geburtstag gefeiert.“

Da dachte ich mir, es ist an der Zeit, dem Verein etwas zurückzugeben.

Ralf Lucas

Er spricht von Heiner Bültmann, dem Cheftrainer der „Roten“. „Ich habe bei der HSG alle Jugendmannschaften durchlaufen, die Jugendfreizeiten mitgemacht. Da dachte ich mir, es ist an der Zeit, dem Verein etwas zurückzugeben“, entschied sich Lucas, die Aufgabe anzunehmen. Im Sommer verlängerte er seinen Vertrag bis 2017. Gezögert hat er nicht lange.

Lucas, selbst lizenzierter Trainer („Die B-Lizenz habe ich aber im Westfälischen Verband in Unna gemacht“), früherer Kreisläufer und Abwehrrecke der HSG, zeichnet mittlerweile im sechsten Spieljahr als Co-Trainer mitverantwortlich für die sportlichen Geschicke des Zweitligisten.

Nachdenkliche Gesichter auf der HSG-Bank.

Nachdenkliche Gesichter auf der HSG-Bank. Foto: Stefan Hoof

Nur hin und wieder muss er passen. Wie vor zehn Tagen beim Auswärtsspiel in Aue, als die Mannschaft sich schon am Dienstag auf den Weg macht und zwei Tage später zurückkehrt. „Das ist abgesprochen. Da geht mein Beruf vor“, erklärt Lucas.

Da freue ich mich jedes Mal, wenn ich bei unseren Heimspielen in Nordhorn, aber auch in der Arena in Lingen bekannte Gesichter aus Gronau im Publikum sehe.

Ralf Lucas

Seit 15 Jahren pendelt der 43-Jährige zwischen Nordhorn und Gronau, als Bezirks-Geschäftsführer der BARMER GEK ist er unter anderem für die Betreuung von Firmen und Vereinen zuständig. Ob beim TV Gronau, in der Familienbildungsstätte oder beim Handicap-Lauf des TV Westfalia Epe im Rahmen des Michaelislaufes – um nur einige wenige Beispiele zu nennen – ist Ralf Lucas ein bekanntes Gesicht in Gronau. „Natürlich kommt dabei auch die HSG Nordhorn-Lingen immer mal zur Sprache. Wer am Sport interessiert ist, kennt meine Leidenschaft für den Handball “, bestätigt Lucas. „Da freue ich mich jedes Mal, wenn ich bei unseren Heimspielen in Nordhorn, aber auch in der Arena in Lingen bekannte Gesichter aus Gronau im Publikum sehe“, so Lucas. Und während er sich beruflich auch mit der Suchtvorbeugung auseinandersetzt, bekennt er selbst: „Handball ist für mich wie eine Sucht, eine Leidenschaft – aber im positiven Sinne.“ Mit Tennis und Jogging hält er sich selbst fit, als Trainer gibt er sein Wissen an die weibliche B-Jugend der Spielgemeinschaft HSG Nordhorn/FC Schüttorf 09 weiter, in der seine beiden Töchter spielen.

Auch Co-Trainer Ralf Lucas gibt Autogramme.

Auch Co-Trainer Ralf Lucas gibt Autogramme. Foto: Stefan Hoof

Am Mittwochabend beim Pokalspiel im Hexenkessel Euregium (Lucas: „In Nordhorn brennt die Halle, in Lingen entwickelt sich das sehr gut“) nimmt er zunächst an der technischen Besprechung eine Stunde vor Spielbeginn mit den Offiziellen, Schiedsrichtern und dem Gegner teil. Die Zusammenarbeit mit dem Kampfgericht zählt zu seinen Aufgaben. Danach sitzt Lucas während des Warmmachens neben Cheftrainer Heiner Bültmann. Gemeinsam beobachten sie den Kontrahenten. „Im Video wirkten die meisten Spieler noch größer, auf ihre bevorzugten Spielzüge sind wir gut eingestellt“, gehen die HSG-Trainer mit einem guten Gefühl ins Pokalmatch.

Die ersten Minuten geben ihnen recht. Die Gastgeber erwischen einen guten Auftakt. Nach nur 32 Sekunden führt die HSG durch Jens Wiese. Ralf Lucas springt auf, reißt beide Arme in die Höhe. Das wiederholt sich – bei den sieben Toren vor der Pause, bei den zahlreichen Paraden von Keeper Björn Buhrmester. „Ich bin schon sehr emotional“, bekennt Lucas, „reiße die Mannschaft und das Publikum mit.“ Die Fans in Nordhorn sind der achte Mann auf dem Feld.

Ralf Lucas

Ralf Lucas Foto: Stefan Hoof

Lucas muss sein Temperament jedoch zügeln, Bültmann sieht die Gelbe Karte. „Da gehe ich kein Risiko ein, dass wir auf der Bank noch eine Karte sehen, die mit einer Strafe für die Mannschaft geahndet wird.“

Etwa nach 20 Minuten stellt die HSG in diesem Achtelfinale plötzlich das Torewerfen ein. Lucas wirkt nachdenklich auf der Bank, lässt aber als Antreiber nicht nach, rudert vehement mit seinen Armen. Ein kurzer Meinungsaustausch mit Heiner Bültmann, ein erneuter Schluck Wasser aus der Flasche – nur zum Jubeln kommt Ralf Lucas bis zur Pause nicht mehr. Den Rückstand kann die HSG im weiteren Verlauf nicht entscheidend verkürzen.

Der Co-Trainer ahnt vermutlich früh, dass es eine Aufholjagd wie vor zehn Monaten gegen Empor Rostock nicht geben wird, als ein Sieben-Tore-Rückstand wett gemacht wurde und sich das Euregium in ein Tollhaus verwandelte.

Doch Ralf Lucas ballt seine Faust auch noch nach dem 19. und letzten Nordhorner Treffer an diesem Abend. In seinem Rücken applaudieren die Fans trotz der Niederlage. Und freuen sich auf die nächsten zwei Heimspiele am 15. und 22. November (17 Uhr) in der 2. Liga – zur Abwechselung in der Emsland-Arena in Lingen.

Jens Wiese niimt Maß.

Jens Wiese nimmt Maß. Foto: Stefan Hoof

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