Handball-Nationalspielerin Alicia Stolle aus Ahlen
Karriereverlauf ist Resultat harter Arbeit und konsequenter Entscheidungen

Ahlen/Blomberg -

Alicia Stolle hat die Leidenschaft für Handball quasi mit der Muttermilch aufgesogen. Die gebürtige Ahlenerin kam als Baby „in der Halbzeit zum Stillen bei ihrer Mutter an die Brust und danach wieder ab in den Kinderwagen“, wie Papa Jürgen bekennt. Mittlerweile ist die 20-Jährige sogar deutsche Nationalspielerin. Das aber ist ihr noch nicht genug – sie hat große Pläne.

Freitag, 11.11.2016, 08:11 Uhr

Alicia Stolle macht in jedem Trikot eine gute Figur. Das mit dem Adler steht ihr aber besonders gut.
Alicia Stolle macht in jedem Trikot eine gute Figur. Das mit dem Adler steht ihr aber besonders gut. Foto: Sascha Klahn/DHB

Dass sie mal wieder auf Besuch in der alten Heimat ist, wird bei Alicia Stolle durch eines offenkundig: Vor dem Haus ihrer Eltern parkt er, der rote VW Polo. In dicken Lettern steht der Name ihres Arbeitgebers darauf geschrieben – HSG Blomberg-Lippe . Zudem zieren auch Sponsoren den schicken Flitzer.

Es ist ein Privileg. Die wenigsten ihrer Kommilitonen dürften in den Genuss kommen, einen eigenen Dienstwagen zu chauffieren. Aber Alicia Stolle ist ja auch keine normale Studentin. Zwar baut die 20-Jährige gerade wie ihre Altersgenossen auch an der Uni Bielefeld an ihrem Bachelor im Fach Psychologie, aber sie ist eben auch bereits Profi-Handballerin. Und als solche erhält sie von ihrem Verein jenes rote Auto, mit dem sie natürlich auch privat umherkutschieren darf.

Dafür hat die gebürtige Ahlenerin allerdings auch eine Menge getan. Praktisch seit sie denken kann, hat sie einen Großteil ihrer Freizeit mit Handball verbracht. „Sie ist quasi in der Halle groß geworden. Sie hat nie etwas anderes zu sehen bekommen“, sagt Mutter Uschi. Sie und Vater Jürgen sind selbst begeisterte Handballer. Sie haben dafür gesorgt, dass das Interesse ihrer Tochter für den Sport schon früh geweckt wurde.

In der C-Jugend habe ich immer einfach geworfen, und der Ball war immer drin.

Alicia Stolle

Rückraumspielerin wurde Erwartungen gerecht

Danach hat sich alles wie von selbst entwickelt. Bis zur C-Jugend wurde sie in ihrem Stammverein Ahlener SG ausgebildet, mit dem sie zum Abschluss noch die Westdeutsche Meisterschaft gewann. Danach zog es sie in der B-Jugend zu Borussia Dortmund. Nach drei Jahren beim BVB war es Zeit für den nächsten Schritt.

Im April 2014 wechselte die damals 17-Jährige zum Bundesligisten HSG Blomberg-Lippe. „Sie ist unsere absolute Wunschspielerin“, bekannte dessen Trainer André Fuhr seinerzeit. „Alicia ist eines der größten deutschen Talente“, adelte der HSG-Coach die mit 1,83 Meter groß gewachsene Rückraumspielerin. Diesen Vorschusslorbeer zahlte Stolle schnell zurück. Sie wurde den hohen Erwartungen gerecht – auch wenn das etwas Zeit bedurfte und immer noch bedarf.

Wenn man weiterkommen will, muss man irgendwann wechseln.

Alicia Stolle

„In der C-Jugend habe ich immer einfach geworfen, und der Ball war immer drin. Jetzt stehen dir Kreisläuferinnen gegenüber, die sind mitunter zwei Meter groß“, sagt Stolle. Rasch lernte sie, mit den gravierenden Unterschieden umzugehen. Im Bundesliga-Alltag komme es auf Härte, Technik und Dynamik an. Um auf diesem Level nicht nur mitzuhalten, sondern auch Maßstäbe zu setzen, schuftet Stolle in bis zu neun Trainingseinheiten pro Woche. Zwei Mal separates Krafttraining noch gar nicht mitgezählt.

Linkshänderin für die Konkurrenz begehrenswert

Ihr Psychologie-Studium lässt sie trotz der hohen Belastung nicht schleifen, erwirbt auch hier wichtiges Basiswissen. Dabei lernt sie auch, „wieso man sich als Sportler eher über eine Bronze- als über eine Silbermedaille freut – so wie ich es selbst erlebt habe“. Denn im Final-Four um die Deutsche Meisterschaft verlor sie in der A-Jugend mit ihrer HSG erst nach Verlängerung und einem Siebenmeterwerfen gegen Bayer Leverkusen. „Da gab es mehr Tränen als Freude“, erinnert sich Stolle heute.

Handball: Alicia Stolle – Bilder ihrer Karriere

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  • Handball: Alicia Stolle – Bilder ihrer Karriere Foto: René Penno, dpa, Witters, Justin Bockey, DHB, sampics, Sven Drese/DHB, Stephane Pillaud/IHF, Dietmar Welle, Ralf Steinhorst
  • Handball: Alicia Stolle – Bilder ihrer Karriere Foto: ValeriaWitters
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  • Handball: Alicia Stolle – Bilder ihrer Karriere Foto: Justin Bockey
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  • Handball: Alicia Stolle – Bilder ihrer Karriere Foto: sampics/DHB
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  • Handball: Alicia Stolle – Bilder ihrer Karriere Foto: HSG Blomberg-Lippe
  • Handball: Alicia Stolle – Bilder ihrer Karriere Foto: HSG Blomberg-Lippe
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  • Handball: Alicia Stolle – Bilder ihrer Karriere Foto: Dietmar Welle
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  • Handball: Alicia Stolle – Bilder ihrer Karriere Foto: Ralf Steinhorst
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  • Handball: Alicia Stolle – Bilder ihrer Karriere Foto: Cedric Gebhardt
  • Handball: Alicia Stolle – Bilder ihrer Karriere Foto: Cedric Gebhardt
  • Handball: Alicia Stolle – Bilder ihrer Karriere Foto: Cedric Gebhardt

Das aber ist längst vergessen. Mittlerweile hat die Ahlenerin die nächste große Aufgabe vor Augen. Im Oktober debütierte sie gegen Spanien in der A-Nationalmannschaft – und kann sich nun berechtigte Hoffnungen auf eine Teilnahme an der Europameisterschaft im Dezember in Schweden machen. Von der Erfahrung ihrer wesentlich älteren Mannschaftskolleginnen beim DHB wie Anna Loerper oder Clara Woltering kann Stolle nur profitieren – selbst wenn es diesmal noch nicht für die EM-Nominierung reichen sollte.

Mehr über Alicia Stolle

„In der Nationalmannschaft herrscht noch einmal ein ganz anderes Trainingsniveau“, sagt Stolle. Das ist zweifelsohne förderlich für die Entwicklung. „Ich bin froh, dass ich in Blomberg die Chance habe, in der Bundesliga zu spielen. Aber wenn man weiterkommen will, muss man irgendwann wechseln. Künftig möchte ich auch gerne international spielen“, sagt Stolle, die als Linkshänderin für die Konkurrenz ganz besonders begehrenswert ist. Es wäre der nächste konsequente Schritt in ihrer Karriere.

Das hieße auch, perspektivisch die HSG Blomberg-Lippe zu verlassen. Ihren fahrbaren Untersatz wäre sie dann los. Alicia Stolle aber wird ganz sicher andere Mittel und Wege finden, an ihr Ziel zu kommen. Ganz so, wie sie es auch bisher immer getan hat.

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