Handball: Keeper Tim Schreen verabschiedet sich als Keeper der 1. Mannschaft
Aufstieg das Highlight zum Schluss

Gronau -

Dann aufhören, wenn es wirklich am Schönsten ist: Dieses Ziel setzen sich vermutlich alle Sportler. Doch nicht viele können behaupten, dass ihnen dies auch so gelingt. Es muss schon einiges zusammenkommen. So wie eben bei Tim Schreen.

Samstag, 30.06.2018, 03:00 Uhr

Handball-Keeper Tim Schreen macht wie angekündigt Schluss. Der Torwart, ein Energiebündel auch auf der Bank, nahm dann auch nicht mehr in dieser Woche am Trainingsauftakt des Landesliga-Neulings teil.
Handball-Keeper Tim Schreen macht wie angekündigt Schluss. Der Torwart, ein Energiebündel auch auf der Bank, nahm dann auch nicht mehr in dieser Woche am Trainingsauftakt des Landesliga-Neulings teil. Foto: Angelika Hoof

Der Handball-Torwart von Vorwärts Gronau ist der einzige im Kader, der beim Saisonauftakt des Landesliga-Aufsteigers diese Woche fehlte. Und so ganz geheuer ist ihm diese Sache dann doch nicht: „Ob das für mich der richtige Entschluss ist, werde ich im Laufe der Saison sehen“, meint der Keeper.

Der Plan sei allerdings schon am Ende der Saison 2016/17 gereift. „Seit einigen Jahren ärgert mich mein Knie. Auch an anderen Stellen ziept und zwickt es immer wieder. So wie das halt ist, wenn du 25 Jahre Handball gelebt hast.“

Vorerst überwiegen die Erinnerungen beim 35-jährigen Schnapper: „Dass es zum Abschluss der Saison nach exakter Vorhersage unseres Theorakels, Co-Trainer Theo Nagelmann, zu so einem Mega-Event kommt – besser kannst du keinen Krimi schreiben. Gegen den direkten Konkurrenten, das letzte Saisonspiel in eigener Halle, ein Hin und Her, unsere Aufholjagd und dann der Lattentreffer der Warendorfer.“

Schreen atmet einmal tief durch, als er sein letztes aktives Jahr Revue passieren lässt. „Die Rückschläge, die wir ganz sicher auch verkraften mussten, kamen immer zum richtigen Zeitpunkt. Natürlich war da auch das berühmte Quäntchen Glück mit im Spiel.

Letzt­endlich haben wir uns diesen Aufstieg dank Teamgeist und Zusammenhalt verdient. Trainer Adam Fischer hat viele talentierte Jungs optimal an die Senioren heran-, die etablierten Spieler haben sie auf dem Feld geführt.“

Die Vizemeisterschaft und der Aufstieg in die Landesliga – für Tim Schreen sollte es das größte sportliche Highlight seiner Karriere sein. Obwohl der gelernte Industriemechaniker schon so manchen Titel errungen hat. Etwa auch beim HSC Gronau, für den er von 2002 bis 2013 den Kasten hütete. Nach Gründung des mittlerweile aufgelösten Vereins schaffte er den Durchmarsch von der Kreisklasse bis in die Bezirksliga. Heute blickt der Torwart mit gemischten Gefühlen auf diese Jahre zurück: „Die Vereinsauflösung des HSC war für mich eine große Enttäuschung, weil alle dort sehr viel Energie reingesteckt hatten. Aber gleichzeitig war es die große Chance für den Gronauer Handball, wurde es zu einem positiven Schritt. Welche Ergebnisse daraus resultieren, haben wir in der jüngsten Vergangenheit im Senioren- wie auch im Jugendbereich gesehen.“

Apropos Jugend: Seit 1994 spielte Tim Schreen Handball. Zuvor gab es allerdings ein fünfjähriges Intermezzo bei Arminia Gronau. „Getrieben von meinem Vater, wie vermutlich fast jeder Junge, habe ich zunächst Fußball gespielt, aber doch den Absprung geschafft. Erst wollte ich es mit Kampfsport versuchen. Norbert Haarhuis hat mich dann gerade noch rechtzeitig auf den richtigen Pfad geführt“, erzählt Tim Schreen von den sportlichen Anfängen. „Beim Handball kannte ich schon einige Mitspieler. Andere haben mich anschließend lange Zeit während meiner Handballkarriere begleitet. Carsten Reß, Nils Theissen oder Benjamin Haarhuis, mit denen ich viele Jahre gespielt habe. Oder auch meine ersten Trainer, Sven Kiefer und Martin Kabasi, die später zu Mitspielern wurden.“

Und nicht zuletzt sind daraus viele feste Freundschaften inklusive eigenem Kegelclub entstanden. Bei Thomas Maanel und Stefan Hegenberg war Tim Schreen sogar jeweils Trauzeuge auf deren Hochzeiten. Seine Freundin Theresa lernte er vor zehn Jahren ebenfalls beim Handball kennen.

1999 zählte der Handball-Keeper auch zum Vorwärts-Kader, der es bis in die Jugend-Oberliga schaffte und anschließend zur Gronauer Mannschaft des Jahres gekürt wurde. Schreen erinnert sich: „Das war schon eine geile Zeit, wenn du dich als 14-Jähriger mit Mannschaften wie GWD Minden, HSG Nordhorn oder auch dem TBV Lemgo messen darfst. Wir sind zwar manches Mal böse verhauen worden“, lacht Schreen. „Aber diese Erfahrung bleibt ebenso einzigartig wie der damalige Saisonabschluss, den wir mit Coach Josef Fortkamp mit einem Mett­igel in der Kabine gefeiert haben.“

Auf solch kulinarische Köstlichkeiten muss der 35-jährige Vorwärtsler zwar nicht zwingend verzichten, aufs Handballspielen künftig schon. Zumindest der Verein darf sich freuen, als D-Juniorinnen-Trainer bleibt Tim Schreen den Blau-Weißen erhalten: „Diesen Jahrgang von 2006 möchte ich zusammen mit Lena Hellmeister gerne bis zur B-Jugend fördern und den Spielerinnen vor allem eines mit auf dem Weg geben: den Sinn des Mannschaftssports.“ Eben so, wie ihn Schreen 25 Jahre er- und gelebt hat.

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