Handball: 3. Nord-West
Wenn der Systemwechsel System hat: Ahlener SG empfängt HC Rhein Vikings

Ahlen -

Wie bereitet man sich nur auf einen so unkonventionellen Gegner vor? Die Drittliga-Handballer der Ahlener SG werden am Samstag wohl auf eine harte Probe gestellt. Denn die HC Rhein Vikings halten sich einfach nicht an die Regel. Und das soll nicht bedeuten, dass sie besonders unfair spielen.

Donnerstag, 12.09.2019, 16:30 Uhr
Vor ordentliche Probleme werden Thies Hülsbusch (Mitte) und die Ahlener SG voraussichtlich gegen den HC Rhein Vikings gestellt. Der Zweitliga-Absteiger wechselt permanent sein Deckungssystem.
Vor ordentliche Probleme werden Thies Hülsbusch (Mitte) und die Ahlener SG voraussichtlich gegen den HC Rhein Vikings gestellt. Der Zweitliga-Absteiger wechselt permanent sein Deckungssystem. Foto: René Penno

Wild, stark, kriegerisch und ehrfurchtgebietend – das sind Attribute, die wir heute mit den Wikingern verbinden. Da manifestieren sich eben selbst bei uns Münsterländer Landratten noch die Schauergeschichten, die es von küstennah lebenden Vorfahren bis zu uns geschafft haben. Gefürchtet waren die räuberischen Seefahrer nicht nur deshalb, weil sie ganz plötzlich auftauchten. Sie hielten sich bei ihren Beutezügen auch nicht unbedingt an die Regeln. Kirchen und Klöster waren keineswegs Tabu.

Bei den HC Rhein Vikings wird es nicht allzu viel Wikingerblut geben. Eine interessante Parallele gibt es aber dennoch. Denn die Drittliga-Handballer halten sich ebenfalls nicht an jede Regel: Wo fast alle Teams ein oder zwei Standardformationen in der Abwehr haben und nur zu besonderen Anlässen davon abweichen, scheint der andauernde Systemwechsel bei den Neussern selbst System zu haben.

Rhein Vikings wechseln permanent die Deckungsformation

„Sie decken ziemlich unkonventionell“, hat ASG-Trainer Sascha Bertow festgestellt und meint damit den permanenten Wechsel von einer 3:3-Deckung, zu einem 3:2:1, 6:0 oder was der Taktikkasten sonst noch so hergibt. Die gegnerischen Angriffsreihen werden stets vor neue Aufgaben gestellt.

Ein taktisch so schwer auszurechnender Gegner wie der an diesem Samstag (15.30 Uhr), ist bisher selten oder noch nie in die Friedrich-Ebert-Halle gekommen, glaubt Bertow. „Das wird auf jeden Fall eine harte Probe für uns“, so Ahlens Coach.

Natürlich hat er unter der Woche versucht, seine Mannschaft so gut es eben geht auf das Unvorbereitete vorzubereiten. „Wir haben simuliert, unsere Angreifer permanent in verschiedene Situationen laufen zu lassen“, sagt er. „Das hat auch soweit gut geklappt. Aber in einem richtigen Spiel mit Zuschauern und allem ist es noch mal etwas anderes." Der Trainer ist selbst gespannt, wie gut die Gegenmaßnahmen greifen. Klar ist: „Wir brauchen ein gutes Rückzugsverhalten. Die stehen bei Ballgewinnen immer schon mit ein, zwei Leuten vorne parat.“

Viele ehemalige Leistungsträger sind weg

Wie stark die HC Rhein Vikings zurzeit wirklich sind, ist dagegen nicht ganz klar. Der Absteiger hat nur noch in Teilen etwas mit der Mannschaft zu tun, die in der vergangenen Saison in der 2. Bundesliga spielte. Schon im vergangenen Winter verließen viele bisherige Leistungsträger den Verein, der dann im April sogar Insolvenz anmeldete und als Tabellenletzter abschloss.

In der 3. Liga ist nun ein Neustart im Gange. „Natürlich sind da viele sehr gute Leute weggegangen. Die Mannschaft hat sich sehr verändert“, sagt Bertow. Ein Stamm von sieben, acht Leuten sei aber geblieben. „Und sie haben unter anderem aus Dormagen sehr gut ausgebildete, junge Spieler dazugewonnen. Ich halte sie für sehr konkurrenzfähig.“

ASG hofft auf den ersten Saisonsieg

Der bisher einzige Sieg der Vikings war der 31:30-Erfolg gegen den Leichlinger TV. Beim TuS Spenge (27:35) und gegen die Bergischen Panther (28:33) gab es deutliche Niederlagen. Trotzdem bleiben die Neusser ein Zweitliga-Absteiger. „Das ist nicht ganz ohne“, sagt Sascha Bertow. Der muss voraussichtlich seine eigene Deckung umstellen, sofern Felix Harbaum tatsächlich mit einer Bauchmuskelverletzung ausfallen sollte.

Ob es gegen die Nordmänner zum ersten Saisonsieg langt? Das wird der Samstag zeigen. Einen Vorteil haben die Ahlener immerhin gegenüber früheren Zeiten: Sie wissen ganz genau, wann die Wikinger vor der Tür stehen.  

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