Fußball: Interview mit dem Kreisvorsitzenden aus Münster
Norbert Krevert: „Vereine sind ruhig und geduldig“

Münster -

Seit einem Jahr ist Norbert Krevert Vorsitzender des Fußball-Kreises. Wie in anderen Kreisen des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen (FLVW) wird auch in Münster seit drei Wochen kein Fußball gespielt. Das Corona-Virus legt den Spielbetrieb komplett lahm. In der jüngsten Veröffentlichung des Verbandes heißt es nun „bis auf Weiteres.“ Unser Redaktionsmitglied Wilfried Sprenger sprach mit Norbert Krevert.

Dienstag, 31.03.2020, 15:44 Uhr aktualisiert: 01.04.2020, 11:24 Uhr
Die Corona-Krise im Fußball beschert unter anderem den Enten ganz neue Ruhezonen. Auch Fußballkreis-Vorsitzender Norbert Krevert kann sich in Ruhe Gedanken machen.
Die Corona-Krise im Fußball beschert unter anderem den Enten ganz neue Ruhezonen. Auch Fußballkreis-Vorsitzender Norbert Krevert kann sich in Ruhe Gedanken machen.

Seit einem Jahr ist Norbert Krevert Vorsitzender des Fußball-Kreises. Im März 2019 übernahm der 49-Jährige den Stab von Norbert Reisener. Zuvor engagierte er sich drei Jahre lang als dessen Stellvertreter. Wie in anderen Kreisen des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen (FLVW) wird auch in Münster seit drei Wochen kein Fußball gespielt. Das Corona-Virus legt den Spielbetrieb komplett lahm. Zunächst setzte der FLVW alle Partien im Verbandsgebiet bis zum 19. April aus. Aktuell gibt es gar kein Datum mehr, in der jüngsten Veröffentlichung des Verbandes heißt es nun „bis auf Weiteres.“ Unser Redaktionsmitglied Wilfried Sprenger sprach mit Norbert Krevert.

 

Kein Spiel, kein Training, stattdessen viele bohrende Fragen. Trotz des Stillstands auf den Plätzen haben Sie aktuell vermutlich viel zu tun ...

Krevert: Eigentlich gar nicht. Tatsächlich gibt es nur wenige neugierige Fragen. Die Vereine im Kreis sind ruhig und geduldig. Ich glaube, es hat jeder verstanden, dass Wettkampfsport gerade nicht das drängendste Problem ist.

Wiederaufnahme am 19. April sehr unwahrscheinlich

Wie lesen oder interpretieren Sie den Beschluss des FLVW, den Spielbetrieb bis auf Weiteres auszusetzen?

Krevert: Na ja, es wird wohl über den 19. April hinausgehen. Angesichts der großen Sorgen um Gesundheit und Existenzen ist dies eine sehr vernünftige Entscheidung. Zurzeit kann ja wirklich niemand sagen, wann sich die Situation entspannt. Wenn es so weit ist, gibt der FLVW ein Signal. Es ist verabredet, dass dies mindestens 14 Tage vor Wiederaufnahme des Spielbetriebs erfolgt.

Beispiellose Situation

Halten Sie einen Abbruch der Saison nicht für deutlich wahrscheinlicher?

Krevert: Wenn ich jetzt eine Beurteilung abgeben würde, wäre das reine Spekulation. Das möchte ich nicht. Fakt ist, dass der Fußball noch nie Antworten auf solch eine Situation finden und geben musste. Wir hatten schon sehr kalte Winter und ergiebigen Dauerregen. Aber das, was uns jetzt beschäftigt, gab es wirklich noch nie.

Das Regelwerk sieht einen Saisonabbruch nicht vor ...

Krevert: Das allein zeigt ja schon, wie außergewöhnlich die Lage ist. Vermutlich brauchen wir einen neuen Paragrafen.

Was passiert bei einem Saisonabbruch?

Krevert: Das kann ich nicht sagen, da macht sich wahrscheinlich jeder seine eigenen Gedanken.

Verraten Sie uns Ihre ...

Krevert: Nein, das mache ich nicht. Ich möchte niemandem vorgreifen. Entscheidungen trifft der Verband. Wichtig ist, dass es am Ende einheitliche Lösungen gibt.

Kommentar

Unterbrechung „bis auf Weiteres“ – dies impliziert nicht zwangsläufig, dass der FLVW noch an eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs glaubt. Es geht darum, Zeit zu gewinnen für gut vorbereitete und juristisch möglichst haltbare Beschlüsse. Wer in diesen Tagen, an denen niemand weiß, wann Unternehmer wieder Geld verdienen und Kinder wieder zur Schule gehen können, glaubt, dass ein Ende der Fußball-Pause absehbar sei, ist kein Optimist, sondern ein Fantast.Trotzdem müssen Entscheidungen her. In England ist dies bereits geschehen. Der Verband hat alle Spiele im Amateurbereich annulliert und die Spielzeit 2019/2020 zur Geistersaison erklärt. Gut? Nicht gut? Potenzielle Aufsteiger klagen schon. Jeder Ausweg ist höchst kompliziert.Und jeder Neubeginn auch. Die Erlaubnis, wieder spielen zu dürfen, reicht nicht, um zu alter Stärke zu wachsen. Mindestens besorgte Eltern werden ihre Kinder erst dann zurück auf die Plätze schicken, wenn vom Virus keine Gefahr mehr ausgeht.

...

Das heißt?

Krevert: Ganz klar: Es muss eine überkreisliche Akzeptanz geben. Es wäre sehr unklug, wenn jeder sein eigenes Süppchen kochen würde.

Kompromissloser Abbruch in England

Im englischen Amateurfußball ist die Saison beendet worden. Alle Ergebnisse wurden für null und nichtig erklärt. Es gibt weder Auf- noch Absteiger. Könnte das eine Blaupause für die Amateure in Deutschland sein?

Krevert: Das kann ich nicht sagen, auch da möchte ich keiner höheren Instanz vorgreifen. Wichtig ist, dass wir im Fall des Saisonabbruchs gute Lösungen finden, die auf möglichst breite Zustimmung trifft.

In England wollen Clubs klagen, weil ihnen der Aufstieg verwehrt wird ...

Krevert: Das kann hier auch passieren. Es gibt eben nicht die eine Lösung, die alle glücklich macht und zufrieden stellt. Ich setze da auch auf Solidarität.

Wie bereitet sich der Kreisvorstand auf die Wiederaufnahme des Spielbetriebs vor?

Krevert: Wir konferieren regelmäßig. Wenn das Signal kommt, werden wir alles tun, um schnellstmöglich wieder in den gewohnten Rhythmus zu kommen. Wir werden vorbereitet sein.

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