Irina Arends lebt für ihren Sport
Sie bleibt auf der Matte

Ibbenbüren -

Bösen Jungs einen Denkzettel verpassen – das war einer der Gründe, warum Irina Arends vor mehr als 20 Jahren mit Judo angefangen hat. Mittlerweile ist der Sport ihr Leben. Privat und beruflich. Sprosse für Sprosse kletterte sie auf der Sportkarriere-Leiter weiter nach oben. Bis sie in der Bundesliga ankam. 

Sonntag, 03.03.2019, 15:02 Uhr aktualisiert: 03.03.2019, 15:19 Uhr
Aufgeben ist keine Option – auch am Boden nicht: Irina Arends (u.) ist dem Judo verfallen.
Aufgeben ist keine Option – auch am Boden nicht: Irina Arends (u.) ist dem Judo verfallen. Foto: Jan Kappelhoff

Als sie sechs Jahre alt war, schleppte ihre Mutter sie das erste Mal zum Judo-Training. „ Irina , du musst dich irgendwann selbst verteidigen können. Geh zum Judo, dann kannst du später den Jungs in den Allerwertesten treten.“ An die Worte ihrer Mutter erinnert sich Irina Arends, als wäre es gestern gewesen. Erst fand sie die Idee ihrer Mutter „ziemlich doof. Doch dann wollte ich da gar nicht wieder weg“, berichtet die Ibbenbürenerin mit einem Lachen auf den Lippen.

Gründung von Stella Bevergern 

Das Fieber hat sie gepackt. Seit 23 Jahren gibt es in ihrem Leben kaum noch etwas anderes als Judo. Und das betreibt die 29-Jährige ziemlich erfolgreich: Sie ist Westdeutsche Vizemeisterin (bis 52 Kilogramm), qualifizierte sich mehrfach für die Deutschen Meisterschaften und kämpfte jahrelang in der ersten Bundesliga (bis 57 Kilogramm).

„Ich hab das nie als Judo-Karriere wahrgenommen. Ich habe das immer nur aus Spaß gemacht. Nicht, weil ich unbedingt etwas erreichen wollte“, erklärt Arends ganz bodenständig. Sie „rutschte“ in den U-18-Landeskader. Startete mit 17 Jahren das erste Mal für Hattingen in der 2. Bundesliga.

Sportlich in Bevergern zu Hause

Sportlich zu Hause ist Arends aber schon immer in Bevergern. Der Wunsch wuchs, für ihren Heimatverein zu kämpfen. Also gründete sie 2009 gemeinsam mit anderen Judoka eine eigene Mannschaft. „Wir hatten so viele erfolgreiche Frauen und Mädchen im Verein, mit denen wir angreifen wollten“, so die 29-Jährige, die seither Mannschaftsführerin ist.

So mancher Gegner landete auf der Matte. Und innerhalb von fünf Jahren kämpfte sich die Mannschaft von Trainer Klaus Büchter (72) aus der Verbandsliga hoch in die 2. Bundesliga. „Ihm habe ich sehr viel zu verdanken. Ich habe selten einen Trainer erlebt, der es schafft, Jugendliche so für den Sport zu begeistern“, lobt Arends ihren langjährigen Trainer.

Das macht man nicht des Geldes wegen, sondern mit Herzblut.

Irina Arends

Das liegt auch ihr am Herzen: Kinder für den Leistungssport begeistern. „Beim Fußball ist das einfacher. Damit kann man irgendwann Geld verdienen.“ Mit Judo kann man sehr gut leben, vom Judo leider nicht. „Das macht man nicht des Geldes wegen, sondern mit Herzblut.“ So ist es auch bei ihr. Sie ist Bezirkstrainerin des Nordrhein-Westfälischen Judo-Verbands (NWJV). Sie tourt durch den Westen Deutschlands, steht neben der Matte und hält Ausschau nach Talenten. So wie es ein Talentscout eben macht.

Mit ihrem Bezirkskader, der aus Mädchen unter 15 Jahren besteht, trainiert sie einmal wöchentlich. Ihr Ziel: Die Mädels fit machen für den Landes- oder Bundeskader. Auch in Selbstverteidigung und Selbstbehauptung macht sie junge Mädchen und Frauen stark. Regelmäßig gibt sie bei Stella Selbstverteidigungskurse.

Der Höhenflug ist nun vorbei 

Nach drei Jahren in der 2. Bundesliga gelang den Stella-Damen 2015 der Aufstieg in die erste Bundesliga. Doch damit ist jetzt Schluss. In der kommenden Saison wird ohne Stella Bevergern in der Liga gekämpft. „Es war eine schwere Entscheidung, die Mannschaft zurückzuziehen“, gibt Arends zu. Doch ohne Kämpferinnen kein Kampf. „Die Prioritäten einiger Judokas haben sich geändert. Eine ist Mutter geworden, andere sind zum Studieren weggezogen“, erklärt die Mannschaftsführerin.

Aber die Stella-Damen greifen wieder an! Ab Ende Mai mischen sie die Verbandsliga auf. „Es macht Sinn, wieder mit vielen jungen Athletinnen von unten zu starten“, meint Arends. Ein Kinderspiel wird das nicht. Auf der Matte wird sie Bundesliga-Konkurrentinnen wieder treffen. Ein Bottroper Judoclub hat seine Damenmannschaft ebenfalls zurückgezogen und wagt einen Neustart in der Verbandsliga. „Der Druck ist hoch“, schätzt Arends die Lage ein. Für sie war es zu keinem Zeitpunkt eine Option, die Mannschaft zu wechseln, um höher zu kämpfen. „Mein Herzblut hängt an Stella Bevergern. Das ist meine Mannschaft.“

Die Wertschätzung fehlt 

Nahezu täglich steht sie auf der Matte und trainiert. Mehr Anerkennung aus der Gesellschaft würde sie sich wünschen. Nur die Wenigsten können eine oder einen erfolgreichen Judoka aus dem Stegreif beim Namen nennen. Wenn die Olympischen Spiele sind, dann vielleicht. „Ich finde es traurig, dass die Wertschätzung fehlt. Aber nicht nur für unsere Sportart, sondern auch für andere. Viele stellen Fußball so hoch und sehen gar nicht, was andere Athleten leisten. Leichtathleten und Turner zum Beispiel rackern sich zum Teil sechs Stunden täglich in der Halle ab und haben nicht so den kommerziellen Erfolg wie Fußballer.“ Aber Judo ist und bleibt in Deutschland nun mal eine Randsportart.

Trotzdem könnte sich Irina Arends keinen besseren Sport vorstellen. Damit aufhören? Für sie undenkbar. Nicht einmal für den Job hätte sie ihr Hobby an den Nagel gehängt. „Ich habe immer gesagt, dass ich nie einen Beruf wählen würde mit Schichtdienst. Wenn ich aufgrund der Arbeit Judo nicht mehr ausüben könnte, wäre das nicht der richtige Job für mich.“

Freizeit ist Mangelware

Sie ist Deutsch- und Sportlehrerin. „Schule und Judo fließen so ineinander über.“ Mit interessierten Schülern trainiert sie wöchentlich schon morgens vor der Schule eine Stunde. Für die Kollegen organisiert sie als NWJV-Schulsportbeauftragte für den Bezirk Münster Fortbildungen im Bereich Ringen und Raufen.

Freizeit ist Mangelware. „Ich habe es ehrlich gesagt noch nie gewagt, die Stunden zusammenzurechnen, die ich in der Woche mit dem Sport zu tun habe.“ Sogar ihren Mann Marc lernte sie beim gemeinsamen Hobby kennen. „Zum Glück macht er auch Judo. Er versteht mich und unterstützt mich in allem.“ Die beiden sind auf und neben der Matte ein eingespieltes Team.

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