VfL-Torschüzte Heyer: „Vielleicht war sogar noch mehr drin“
Sonderlob für Abwehrchef Sušac

Osnabrück -

War vielleicht mehr als nur ein Punkt für den Vfl Osnabrück beim Gastspiel in Hamburg drin? Nach der Partie halten einige Lila-Weiße das für möglich. Andererseits hätte der HSV kurz vor Schluss noch einen Elfmeter zugesprochen bekommen können.

Donnerstag, 18.06.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 19.06.2020, 18:54 Uhr
Hamburgs Bakery Jatta versucht sich gegen Osnabrücks Moritz Heyer (links) und Osnabrücks Niklas Schmidt durchzusetzen.
Hamburgs Bakery Jatta versucht sich gegen Osnabrücks Moritz Heyer (links) und Osnabrücks Niklas Schmidt durchzusetzen. Foto: Axel Heimken/dpa

1:1 beim Aufstiegskandidaten Hamburger SV, und das völlig verdient. Der ganz große Befreiungsschlag im Kampf um den Klassenerhalt war es für den VfL Osnabrück nicht, vor allem nicht nach den Ergebnissen der Konkurrenten, aber es war ein enorm wichtiger Punkt in der Tabelle und vor allem für die Moral. Ein direkter Abstieg als Letzter oder Vorletzter ist kaum noch möglich. Auch den drittletzten Platz kann der VfL aus eigener Kraft umgehen. Die Relegationsspiele gegen den Drittplatzierten der 3. Liga sind für den 4. und 11. Juli terminiert. Diesen Duellen möchten die Osnabrücker aber möglichst aus dem Weg gehen.

Auf sieben Positionen hatte Trainer Daniel Thioune seine Startelf in Hamburg nach der 0:2-Niederlage gegen Bochum verändert. Einer, der nicht dabei war, war Maurice Trapp. Der saß im Oberrang des Volksparkstadions – weit weg vom Spielfeld, und doch war der gelbgesperrte VfL-Innenverteidiger mittendrin im Geschehen. „Raus Felix , raus, raus!“ dirigierte er Felix Agu auf dem Rasen. „Komm, Schmiddi, komm“, feuerte er Niklas Schmidt an.

Auf dem Rasen übernahm einer die zentrale Defensivregie, der letztmals Ende September beim Heimsieg gegen den HSV in der Startelf und danach lange nicht mal mehr im Kader gestanden hatte – aber auf Adam Sušac war Verlass. „Er hat die Erwartungen mehr als erfüllt“, sagte Trainer Daniel Thioune über den 31-jährigen Kroaten, der bei seinem ersten Rückrundeneinsatz den treffsicheren Joel Pohjanpalo (zuvor sechs Tore in sechs Spielen) nicht zur Geltung kommen ließ.

Dass Abwehrspieler Moritz Heyer mit seinem fünften Saisontor mannschaftsintern zum „ärgsten Verfolger von Marcos Álvarez“ wurde, wie Thioune feststellte, rundete das gelungene Bild ab. Dabei war der Torschütze nur bedingt zufrieden. Weniger, weil er den Ball „nicht optimal“ getroffen hatte, sondern vielmehr auf die Gesamtausbeute bezogen: „Jeder Punkt ist wichtig, gerade nach einem Rückstand. Man kann mit einem Punkt in Hamburg ganz gut leben, aber vielleicht war sogar noch mehr drin.“

Die Einschätzung teilte auch Schlussmann Philipp Kühn: „Ich bin froh über den Punkt, aber Hamburg darf sich nicht beschweren, wenn wir hier einen Dreier mitnehmen. Dafür hätten wir unsere Angriffe am Ende etwas klarer spielen müssen.“

Auch so holte der VfL seinen neunten Punkt gegen einen der drei Topklubs der Liga, musste in sechs Spielen nur eine Niederlage (zuhause gegen Bielefeld) hinnehmen.

„Es hätte noch ein bisschen mehr sein können“, war auch Thioune mit der Chancenverwertung nicht ganz glücklich, stellte aber klar: „Der Ausgleich war nicht unverdient. Ich bin definitiv sehr zufrieden und sehr stolz auf die Leistung. Wir haben mit hohem Investment brutal verteidigt und nicht viel zugelassen. Heute haben wir ein anderes Gesicht als gegen Bochum gezeigt.“

Die Miene seines Gegenübers Dieter Hecking war deutlich unzufriedener. „Wir hätten den Sieg nicht verdient gehabt“, sagte der HSV-Coach, der Schwächen seines Teams einräumte, aber auch sauer auf den Schiedsrichter war, weil es in der Schlussminute keinen Elfmeter für sein Team gab: „Wenn ich die Videobilder bei Sky sehe, muss ich den Videoassistenten hart kritisieren. Es war ein ganz klarer Elfmeter. Das ist unentschuldbar. Wir hätten den Sieg aufgrund der Leistung nicht verdient gehabt, aber hätten noch gewinnen können.“

Thioune hielt sich aus der Debatte diplomatisch heraus und sagte nur: „Wenn es ein Elfmeter war, bin ich froh, dass er nicht gepfiffen worden ist.“ Er konzentrierte sich lieber auf die Bewertung seines Teams – und das hat im drittletzten Saisonspiel Mut gemacht für den Endspurt. „Es war wichtig, dass wir gezeigt haben, dass wir noch leben“, sagte Torwart Kühn: „Heute war es die richtige Reaktion auf das Spiel gegen Bochum und wir haben einen vorgelegt. Sonntag müssen wir ihn reinmachen.“ Dann könnte der Punkt beim HSV rückblickend der Aufschlag für den Matchball zum Klassenerhalt gewesen sein.

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