Fußball: Sebastian Klaas hat den Durchbruch in der 2. Bundesliga geschafft
„Ich will noch einiges erreichen“

Osnabrück/Brochterbeck -

In Brochterbeck hat er das Kicken gelernt, inzwischen hat Sebastian Klaas erste Spiele in der 2. Bundesliga absolviert. Der 22-Jährige ist über die ISV zum VfL Osnabrück gekommen und hat sogar ein U19-Länderspiel absolviert.

Samstag, 04.07.2020, 05:58 Uhr
Ob im Trikot, wie hier im Zweitliga-Spiel gegen den Karlsruher SC, links) oder in Zivil, der Brochterbecker Sebastian Klaas gibt am Ball immer eine gute Figur ab.
Ob im Trikot, wie hier im Zweitliga-Spiel gegen den Karlsruher SC, links) oder in Zivil, der Brochterbecker Sebastian Klaas gibt am Ball immer eine gute Figur ab. Foto: Tobias Mönninghoff/Alfred Stegemann

22 Jahre jung ist er gerade erst, und doch hat er schon viele Höhen und Tiefen erlebt. Nun scheint Sebastian Klaas den Durchbruch geschafft zu haben. Endlich. Dabei gab es Phasen, da schien alles rund um den Profifußball für ihn den Bach herunterzugehen. Mehrfach bereits bremste ihn eine Verletzung aus – immer dann, wenn er gerade den Anschluss erreicht zu haben schien. Nun blickt der Junge aus Brochterbeck positiv in die Zukunft. „Ja, ich will noch eine ganze Menge erreichen“, strahlt er große Zuversicht aus.

Natürlich träumt er von der Bundesliga. Ein Träumer ist er aber nicht, weiß er die Situation realistisch einzuschätzen: „Bis dahin ist es ein weiter Weg, und es gehört auch Glück dazu. Aber es ist ein Ziel, für das ich alles geben werde.“ Den Mittelfeldspieler zeichnet seine Übersicht und Gedankenschnelligkeit aus. Gewiss nicht auf dem Niveau, aber zu vergleichen ist er mit Xavi oder Andres Iniesta. Wie die Weltmeister aus Spanien versteht es Sebastian Klaas, das Spielfeld zu scannen und die richtigen Laufwege zu wählen. „Sebastian bewegt sich sehr gut im Raum und erkennt die Räume, die man bespielen kann“, sagt sein Trainer Daniel Thioune .

Sein Weg schien vorgezeichnet. Aus der Jugend kommend absolvierte er in seinem ersten Senioren-Jahr 2017/18 starke 15 Drittliga-Einsätze und avancierte zum Stammspieler. Es lief fast wie im Märchen. Dann schien plötzlich alles vorbei zusein. Nach seinem Abitur am Wirtschaftsgymnasium Ibbenbüren zog er sich während der folgenden Abifahrt im Juli 2018 bei einem Badeunfall einen Bruch am Gelenkfortsatz des siebten Halswirbels zu. „Ich war stocknüchtern, habe während der gesamten Abifahrt keinen Alkohol getrunken, weil zwei Wochen später die Vorbereitung losgehen sollte“, versichert er. Und Klaas hatte Glück im Unglück. Er kam ohne Operation davon, wenn auch eine lange Reha folgte. Zwar feierte er im Oktober ein Kurz-Comeback in der 3. Liga, doch Nachfolge-Verletzungen ließen nur noch vier Kurzeinsätze zu. So war sein Anteil an der so erfolgreichen Aufstiegssaison 2018/19 bescheiden.

Klar, dass sich Sebastian Klaas, er hatte noch ein Jahr Vertrag, Gedanken um die Zukunft machte. Sollte er das Abenteuer 2. Bundesliga angehen oder sich ausleihen lassen, um Spielpraxis zu sammeln? „Es gab mehrere Gespräche“, verrät er. „Aber mich hat nichts überzeugt, so dass ich geblieben bin.“

Und er hat es geschafft, Sebastian Klaas ist in der 2. Bundesliga angekommen. Nach dem Corona-Re-Start im Mai gehörte der 22-Jährige regelmäßig zum Spieltagskader des VfL, kam auf Einsätze in entscheidenden Spielen und erhielt dabei gute Noten. „Sebastian ist ein guter Junge, hat sich gut und schnell entwickelt. Aber er weiß, dass er weiter an sich arbeiten muss“, sagt sein Trainer Daniel Thioune. Der hält große Stücke auf den Mittelfeld-Strategen, schließlich kennt er seinen Schützling bereits seit sechs Jahren, länger als die meisten anderen Profis beim VfL Osnabrück .

In den bezahlten Fußball wollte Sebastian Klaas schon immer. Das Talent wurde ihm quasi in die Wiege gelegt. Schließlich haben Papa Ralf und Patenonkel Reinhard Klaas einst ebenfalls für den VfL gekickt. Schon in der D-Jugend wechselte Klaas junior vom BSV Brochterbeck zur Ibbenbürener SV. Nach einem weiteren Jahr wagte er den Sprung zum VfL Osnabrück. „Der Schritt zum VfL war nicht zu früh“, blickt er zurück, „ich habe ihn nie bereut.“

Ein U19-Länderspiel

Sebastian Klaas wurde am 30. Juni 1998 in Ibbenbüren geboren. Beim BSV Brochterbeck erlernte er das Fußball-ABC, ehe er im zweiten D-Junioren-Jahr zur ISV wechselte. 2011 zog es ihn bereits weiter zum VfL Osnabrück. Der offensive Mittelfeldspieler setzte sich im Nachwuchsleistungszentrum durch, absolvierte ein U19-Länderspiel gegen Dänemark und debütierte als A-Jugendlicher am 13. Mai 2017 in der 3. Liga. Der 22-Jährige blickt auf 20 Einsätze in der 3. Liga (2 Tore) und acht Einsätze in der 2. Bundesliga zurück.

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Im Nachwuchsleistungszentrum der Lila-Weißen entwickelte sich der schmächtige Junge zu einem guten Fußballer, machte Bekanntschaft mit dem damaligen Leiter Joe Enochs und im zweiten B-Junioren-Jahr bereits mit Daniel Thioune, der sein Trainer wurde und das auch zwei Jahre bei den A-Junioren blieb. „Sein Talent war bereits früh erkennbar“, erinnert sich Thioune.

Mit Beginn des zweiten A-Junioren-Jahres bekam Sebastian Klaas einen Profivertrag. Er wurde Kapitän der U19 und debütierte unter Enochs, der mittlerweile Cheftrainer war, am 13. Mai 2017 in der 3. Liga. Beim Spiel in Zwickau wurde er in der 84. Minute für Anthony Syhre eingewechselt. „Daran kann ich mich genau erinnern“, strahlen seine Augen noch immer. „Das war ein unglaubliches Gefühl.“

Der Sprung vom Nachwuchs zu den Profis fiel ihm schwer. Er benötigte einige Zeit, sich an die robustere Gangart zu gewöhnen, absolvierte sein erstes Spiel erst am 13. Oktober gegen Magdeburg. „Auch das weiß ich noch genau“, sagt Klaas. „Es war Freitagabend und ein Heimspiel. Zudem stand ich in der Startformation. Das war fantastisch.“

Geradezu ins Schwärmen gerät der Brochterbecker, der noch bei seinen Eltern wohnt, wenn er an sein erstes Tor denkt. Das war beim 2:2 bei der U23 von Werder Bremen am 3. Dezember 2017. „Wir haben im Weser-Stadion gespielt. So toll dieses Gefühl war, so mies habe ich mich zuvor gefühlt, weil ich vor dem 0:1 den Ball verloren habe. Dann habe ich den Ausgleich geschossen. Das war sehr emotional, ein geiler Moment.“

Der weitere Saisonverlauf war für Sebastian Klaas fast sensationell. Er stieg zum Stammspieler auf, die Mannschaft erlebte aber einen Albtraum und schaffte nur denkbar knapp den Klassenerhalt. Dafür sollte es in der Folgesaison für den VfL besser laufen. Das aber wegen des Halswirbelbruchs zumeist ohne Sebastian Klaas.

Nach einem nahezu verlorenen Jahr wusste er sich nach Anlaufschwierigkeiten in der 2. Bundesliga zu behaupten. Sein Vertrag wurde bis 2022 verlängert. „Sebastian verfügt über ein hohes Maß an Leistungsbereitschaft und Talent, beides können wir mit der Verlängerung an uns binden“, begründete Sportdirektor Benjamin Schmedes diesen Schritt.

Trainer Daniel Thioune freut es, dass sein langjähriger Schüler bleibt und sagt: „Er hat besondere Qualitäten.“ Nun will Sebastian Klaas endlich voll durchstarten. Einen Wunsch hat er aber doch noch: „Ich hoffe, dass in der neuen Saison Zuschauer wieder ins Stadion dürfen. Vor den Fans zu spielen macht deutlich mehr Spaß.“

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