Fußball: Sternekoch Giulio Todaro ist Ernährungsberater beim VfL Ladbergen
Kulinarisch im siebten Himmel

LEngerich/Ladbergen -

Dass Giulio Todaro sich als Ernährungsberater beim VfL Ladbergen einbringt, hat damit zu tun, dass sein Sohn Gioele seit einigen Wochen beim A-Ligisten spielt. Für Todaro sen. ist es gewiss eine neue Erfahrung, denn zuvor war es seine Aufgabe, Weltstars wie Manuel Neuer, Andrea Pirlo, Arnold Schwarzenegger oder Bill Clinton kulinarisch zu verwöhnen.

Montag, 09.11.2020, 11:04 Uhr
Manuel Neuer, seinerzeit Torhüter beim FC Schalke 04, fühlte sich bei Starkoch Giulio Todaro (re.) im „Hotel Landhaus Milser“ fast wie zu Hause.
Manuel Neuer, seinerzeit Torhüter beim FC Schalke 04, fühlte sich bei Starkoch Giulio Todaro (re.) im „Hotel Landhaus Milser“ fast wie zu Hause.

Der VfL Ladbergen spielt zwar nur in der Kreisliga A, was im hierarchischen Liga-System des deutschen Fußballs der neunten Spielklasse entspricht. Gäbe es auch einen Wettbewerb, in dem es darum ginge, den besten Mannschaftskoch oder Ernährungsberater zu ermitteln, dann würde der VfL in einer ganz anderen Liga mitmischen – vermutlich in der Bundesliga oder gar in der Champions League. Denn dem VfL steht mit Giulio Todaro ein Sternekoch zur Seite, der die Ladberger Spieler mit Rat und Tat an eine gesundheitsbewusste und leistungsfördernde Ernährungsweise heranführen soll. Wie das funktioniert? Da fragt man am besten Manuel Neuer , Gianlugi „Gigi“ Buffon oder auch Franz Beckenbauer. Sie alle – und noch viele andere Größen des Sports und des internationalen Show-Geschäfts – hat der Lengericher kulinarisch schon in den siebten Himmel geführt.

„Giulio ist ein Teil unseres Projekts, das darauf ausgerichtet ist, unsere Spieler möglichst zielorientiert vorzubereiten“, sagt VfL-Trainer Stefan Kilfitt. „Er soll uns mit seiner Ernährungsexpertise helfen, die Mannschaft an Spieltagen optimal vorzubereiten.“ Todaro brauchte nicht lange zu überlegen, als er gefragt wurde, ob er in dieser Hinsicht behilflich sein könnte. „Ich habe sofort gesagt: Ich bin dabei“, verkündet der Starkoch. Das war vor zwei Monaten, als sein Sohn Gioele vom SC Preußen zum VfL wechselte. Fortan bringt sich auch Vater Giulio beim Ladberger A-Ligisten ein. „Das ist quasi ein Bonbon für die Mannschaft“, weiß Kilfitt die exklusiven Dienste zu schätzen.

Seine kulinarischen Künste verhalfen Fußballern schon zu ganz besonderen Großtaten. „Beim Sommermärchen 2006 in Deutschland“, erzählt Todaro, „wohnte die italienische Fußball-Nationalmannschaft für einen Monat bei uns im Haus.“ Er meint das „Hotel Landhaus Milser“ in Duisburg, dessen Namensgeber der ehemalige Weltrekordler im Gewichtheben, Rolf Milser, ist. „Ich kann mich fast noch an jeden einzelnen Spieler erinnern; ob es An­drea Pirlo, Gigi Buffon, Fabio Cannavaro oder Francesco Totti war – sie alle gingen während der Weltmeisterschaft in Deutschland bei uns ein und aus.“

Was dieser Wohlfühleffekt bewirkte, ist allgemein bekannt. Italien wurde Weltmeister, und Todaro wusste als damaliger Küchenleiter, dass er mit seinen Kochkünsten einen Teil dazu beigetragen hatte. „Zumal es auch auch sprachlich keine Barrieren gab“, fügt der inzwischen 58-Jährige hinzu.

Todaro stammt aus Sizilien, und er liebt die leichte, mediterrane Küche seiner Heimat. Die bringt er für ganz spezielle Gäste auf den Tisch. So war es auch 2006.

Als sich die Italiener am Ende des „Sommermärchens“ als Champions aus Deutschland verabschiedet hatten, blieben die Betten nicht lange leer. „Durchschnittlich zwei bis drei Tage pro Woche“, sagt Todaro, „hatten wir immer eine Profi-Mannschaft bei uns.“ Und als sollte es eines Beweises bedürfen, blättert Todaro in seinem Album und zeigt ein Foto, auf dem er mit einem gewissen Manuel Neuer abgelichtet ist. „Die Schalker waren bei uns wie zu Hause“, verkündet der Meisterkoch rückblickend. „Manuel Neuer war ein netter Mensch – bodenständig und bescheiden. Ich kann nur bestätigen, dass alles Gute, was über ihn gesagt wird, stimmt.“

Als positiver Typ mit klarer Ansprache ist Todaro Felix Magath in Erinnerung. Der war als Trainer des FC Schalke zwischen Juli 2009 und März 2011 ebenfalls Stammgast im „Hotel Landhaus Milser“. Magath pflegte den kurzen Draht zu Küchenchef Todaro. Das führte dazu, „dass Felix auch schon mal zu uns in die Küche kam und in die Töpfe guckte.“

Jefferson Farfán, ehemaliger peruanischer Nationalspieler in Diensten der Königsblauen, hatte ein spezielles Problem. „Farfán litt an einer Lactose-Intoleranz“, erläutert der zweifache Familienvater. „Wegen dieser Unverträglichkeit servierten wir ihm immer lactosefreie Produkte, weil er sich glutenfrei ernähren musste.“

Für Todaro und sein Team war das keine besondere Herausforderung. Denn ähnliche Sonderwünsche hatte er schon befriedigt, als er noch Küchenmeister im Luxushotel „Sheraton Mallorca Arabella“ und dem dazugehörenden Feinschmecker-Restaurant „Plat d‘Or“ war. Dort hatte er auch die deutsche Nationalmannschaft mit Jürgen Klinsmann und Joachim Löw beköstigt. Und weil sich in diesem mallorquinischen Residenzviertel die älteste Golfanlage Spaniens befindet, gab sich dort auch schon Franz Beckenbauer die Ehre. Die Küche war so exquisit, dass das Lokal mit einem Gourmet-Stern ausgezeichnet wurde. „Den wir in den folgenden Jahren zwei Mal verteidigt haben“, sagt Todaro nicht ohne Stolz.

Ausgebildet wurde er im Gourmet-Tempel von Heinz Winkler in Aschau im Chiemgau. Von Winklers Konzept der Cuisine Vitale, die „auf alten Rezepten und vielen frischen Kräutern“ basiere, hatte sich der „stolze Sizilianer“, wie er selbst von sich spricht, inspirieren lassen. Zur Geltung kamen diese lukullischen Fertigkeiten später in der Sterne-Küche des Restaurants „Erbprinz“ im baden-württembergischen Ettlingen.

„Damals“, sagt Todaro, „zog es mich aber zurück in die Heimat. Ich hatte Sehnsucht nach Italien und nach Rom.“ Dort zelebrierte er in der „Villa Medici“ unweit der Spanischen Treppe seine Spitzenküche. Seinerzeit hatten sich in der Nobelherberge auch schon mal Robert de Niro, Mick Jagger oder Bill Clinton niedergelassen. „Und der Arnold Schwarzenegger – der ist mein Freund“, verkündet Todaro.

Sein privates Glück fand der Sizilianer indes weder in Rom noch auf Mallorca – sondern auf der kanarischen Wanderinsel La Palma. Dorthin war seine heutige Ehefrau ausgewandert. Zufällig lernten sie sich in einem Restaurant kennen.

Die beiden gingen zurück nach Deutschland und zogen nach Lengerich. Dort wurden sie eine Familie mit einem Sohn und einer Tochter. Giulio Todaro pendelte über einen längeren Zeitraum zwischen Lengerich und Duisburg, um im „Landhaus Milser“ seinem Beruf nachzugehen. „Auf die Dauer ließen sich Fahrerei und Familie nicht mehr in Einklang bringen“, sagt der 58-Jährige. Deshalb suchte er sich eine neue Stelle in der näheren Umgebung von Lengerich. Inzwischen arbeitet er beim Sparkassenverband Westfalen-Lippe in Münster, wo er als Küchenchef die Betriebsgastronomie der Abteilung Finanzen, Gremien und Betrieb leitet.

Giulio Todaro hat sein Glück gefunden – in seinem Beruf, in seiner Familie. Und wenn er den Jungs des VfL seine Ernährungstipps vermittelt, dann sind plötzlich auch wieder diese Bilder im Kopf, wie er Manuel Neuer oder Felix Magath auf eine kulinarische Geschmacksreise geschickt hat. Es sind Erinnerungen, die ihm keiner mehr nehmen kann.

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