Neuer Trainer fiebert nach der Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte dem Re-Start entgegen
Reiners will den TSV Ladbergen wachküssen

Ladbergen -

Beim TSV Ladbergen ist Micky Reiners kein Unbekannter – hier schaffte er nahtlos den Übergang vom Spielertrainer zum Trainer, womit er die Weichen für eine veritable Trainer-Laufbahn stellte. Jetzt kehrt der 49-Jährige nach Ladbergen zurück. Sobald wieder Handball gespielt werden darf, will er den TSV in die Erfolgsspur führen.

Dienstag, 08.12.2020, 17:24 Uhr aktualisiert: 10.12.2020, 18:14 Uhr
Trainer Micky Reiners sieht seinen Auftrag darin, beim TSV Ladbergen neue Leidenschaft zu entfachen, sobald es mit dem Handball irgendwann weitergeht.
Trainer Micky Reiners sieht seinen Auftrag darin, beim TSV Ladbergen neue Leidenschaft zu entfachen, sobald es mit dem Handball irgendwann weitergeht. Foto: Dietmar Reker

Keiner weiß, wann und wie es im Handball unterhalb des Profi-Sektors weitergeht. Auch beim TSV Ladbergen beginnt eine neue Zeitrechnung, wenn der Ende Oktober neu verpflichtete Trainer Micky Reiners seinen Job antritt. Klar ist aber schon jetzt, dass der der Coach nicht bei Null anfangen will, sobald die Bälle wieder durch die Halle fliegen. „Wir werden richtig Gas geben. Und die Jungs ziehen allesamt prächtig mit.“ Man spürt, dass das Feuer der Begeisterung nach wie vor in diesem – im positiven Sinn – handballverrückten Trainer lodert.

Eigentlich ist es erstaunlich, dass sich Reiners trotz der Corona-Pause solch ein dezidiertes Urteil über seine neue Mannschaft schon erlauben kann. Am 27. Oktober, das war ein Dienstag, hatte der TSV die Trennung vom bisherigen Coach Holger Kaiser bekanntgegeben. Nur zwei Tage später, am Donnerstag, leitete Reiners die erste Trainingseinheit seiner Mannschaft, und am Dienstag folgte die zweite – danach war erst einmal Schluss. Die zweite Corona-Welle hatte sämtliche Aktivitäten gestoppt.

Als Ladbergens Sportleiter Stefan Ferlemann den 49-Jährigen kontaktiert und gefragt hatte, ob sich Reiners eine Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte vorstellen könnte, brauchte dieser nicht lange zu überlegen. „Ich habe dem TSV viel zu verdanken; hier habe ich gespielt, hier war meine erste Trainerstation, und schließlich hat mir der TSV auch die Möglichkeit geboten, die Trainer-Lizenz zu erlangen. Jetzt kann ich dem Verein etwas zurückgeben“, sagt der Münsteraner zu den Gründen, weshalb er dem TSV seine Zusage gegeben hat.

Tatsächlich mag es dem 49-Jährigen so vorgekommen sein, als wäre er von einer Langzeitreise nach Hause gekommen. Reiners hatte seine Laufbahn beim Zweitligisten TV Emsdetten begonnen. Nach Stationen bei der Ibbenbürener SpVg. (Regionalliga), HSG Barnstorf-Diepholz (Regionalliga) und TuS Hiltrup wechselte er zu Beginn der 2000-er Jahre zum TSV. Hier vollzog er nahtlos den Übergang vom Spielertrainer zum Trainer.

Auf seinen weiteren Stationen führte er sowohl die HSE Hamm (vier Jahre) als auch die SG Menden Sauerland in die 3. Liga. Dazwischen trainierte Reiners auch ein Jahr die TSG Altenhagen-Heepen in Bielefeld. Sein letztes Engagement in Menden endete im Januar dieses Jahres abrupt und für ihn völlig überraschend. „Wir hatten uns in der Nacht zuvor noch über potenzielle Neuzugänge unterhalten“, sagt Reiners. „Am nächsten Tag wurde mir dann mitgeteilt, dass ich nicht mehr Trainer sei. Das war sicherlich die größte Enttäuschung, die ich in meiner Laufbahn erfahren habe.“ Die Verbitterung, die in seinen Worten mitschwingt, ist immer noch deutlich wahrzunehmen. Kein Zweifel – dieses unschöne Ende in Menden hat in ihm Spuren hinterlassen.

Bei der Befristung der Trainertätigkeit gab es kein Taktieren. Beide Seiten spielten mit offenen Karten. „Sollte der TSV in den Wochen bis zum Saisonende einen Trainer finden, der dem Verein eine langfristige Perspektive bietet, dann hätte ich kein Problem damit, auch schon vor dem Saisonende den Weg freizumachen“, sagt der zweifache Familienvater. Aufseiten des TSV weiß man jedoch, dass auch Reiners aussteigen könnte, sollte ihm im nächsten halben Jahr ein interessantes Angebot – etwa aus der 3. Liga – ins Haus flattern. Davon allerdings geht der 49-Jährige erst einmal nicht aus. „Ein Trainer kann in dieser Saison eigentlich nichts falsch gemacht haben.“ Logisch, denn aufgrund der coronabedingten Einschränkungen ist bislang ja auch nicht viel gelaufen in 2020/21. Deshalb sollten die Ladbergener zumindest bis zum Ende der Serie Planungssicherheit haben.

Reiners geht seinen Job beim TSV gewohnt akribisch an. Trotz Corona bleibt nichts dem Zufall überlassen. Sein Augenmerk richtet sich darauf – so erweckt es den Anschein –, den Club wachzuküssen. „Der TSV? Das ist eine gute Landesliga-Mannschaft“, bringt er seinen Eindruck auf den Punkt. „Es fehlen nur ein bisschen Struktur und vor allem Leidenschaft.“ Die will er wieder wecken. Sowohl bei der Mannschaft, aber auch bei den Zuschauern – wenn sie denn irgendwann wieder in die Halle kommen dürfen. „Du kannst dir in Ladbergen vieles erlauben“, sagt er. „Auf eines kommt es aber an: Die Ladbergener wollen eine Mannschaft sehen, die von der ersten bis zur letzten Minute kämpft und alles aus sich herausholt – dann verzeihen sie auch eine Niederlage.“

Doch wer den Trainer näher kennt, der weiß, dass er eines gar nicht mag: Niederlagen. „Deshalb“, versichert er, „werden wir alles daran setzen, dass auf der Anzeigetafel bei uns möglichst oft ein Tor mehr steht als beim Gegner.“ Keine Frage – Reiners dürfte der richtige Mann zu sein, um diesen Auftrag zu erfüllen.

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