SW Lienens Fußballerinnen blicken auf glanzvolle Zeiten in der Vereinshistorie
Frauen sorgen für Furore

Lienen -

SW Lienen feiert in diesem Jahr sein 90-jähriges Bestehen. Rückblickend gehörten die Fußballerinnen in den 1990er und 2000er Jahren zur Elite im Fußballkreis Tecklenburg. Dabei feierten die Juniorinnen in den 90er Jahren neun Titelgewinne innerhalb von fünf Spielzeiten.

Mittwoch, 03.02.2021, 17:48 Uhr aktualisiert: 03.02.2021, 17:53 Uhr
Die Frauen von SW Lienen feierten 2004 den ersten Aufstieg in die Landesliga (hinten v.l.): Katja Hullmann, Elke Kitroschat, Carinne Hölscher, Jessica Sundermann, Marion Vocke, Elena Königkrämer, Imke Holtmeyer, Birgit Stork, Chrisine Barkmann, Anne Holtmeyer, Sponsor Gerd Königkrämer, Betreuer  Thomas Dölling, Niklas Dölling; vorne v.l.: Trainer Uwe Kitroschat, Eva Becker, Frederike Schwer, Anja Schrecke, Kathrin Klopmeier, Sarah Wagener, Nina Bruns, Carolin Hoppe, Jenny Bruns, Christine Bosse und Kathrin Jürgens
Die Frauen von SW Lienen feierten 2004 den ersten Aufstieg in die Landesliga (hinten v.l.): Katja Hullmann, Elke Kitroschat, Carinne Hölscher, Jessica Sundermann, Marion Vocke, Elena Königkrämer, Imke Holtmeyer, Birgit Stork, Chrisine Barkmann, Anne Holtmeyer, Sponsor Gerd Königkrämer, Betreuer  Thomas Dölling, Niklas Dölling; vorne v.l.: Trainer Uwe Kitroschat, Eva Becker, Frederike Schwer, Anja Schrecke, Kathrin Klopmeier, Sarah Wagener, Nina Bruns, Carolin Hoppe, Jenny Bruns, Christine Bosse und Kathrin Jürgens Foto: SW Lienen

Den ersten Titel für SW Lienen lieferten die C-Mädchen 1993/94 mit der Hallenkreismeisterschaft. Die B-Mädchen holten im Spieljahr 1995/96 mit dem Kreispokalsieg und der Hallenkreismeisterschaft das Double. Ein Jahr später räumten sie mit dem Kreismeisterschafttitel, dem Kreispokalsieg und der Hallenkreismeisterschaft alle Titel ab. Nach dem Triple feierten die Lienenerinnen 1997/98 mit der Kreismeisterschaft und dem Kreispokalsieg das zweite Double. Dabei avancierte der 2006 viel zu früh verstorbene Manfred Brockmann mit fünf Titelgewinnen zum Meistertrainer. Brockmann trainierte auch die C-Mädchen-Kreisauswahl und wurde mit ihr 1997 Westfalenmeister.

Triple und Double

Die Lienener Erfolgsgeschichte begann 1994/95 mit der Indoor-Meisterschaft unter dem Hallendach der C-Mädchen. Der starke Jahrgang sorgte in den folgenden vier Jahren bei den B-Mädchen für Furore. Im Spieljahr 1995/96 tasteten sich die Lienenerinnen mit den Vizemeisterschaften in den Wettbewerben um die Hallenmeisterschaft und Kreismeisterschaft in der Freiluftsaison an die Elite im Tecklenburger Land heran. In den folgenden drei Spielzeiten feierten die B-Mädchen mit acht Titelgewinn in drei Wettbewerben die größten Erfolge und waren im Fußballkreis in aller Munde.

Im Pokalfinale 1996 in Recke lösten die Lienenerinnen Rekordsieger Arminia Ibbenbüren nach sechs Titelgewinnen in Serie mit einem 2:0-Erfolg ab. Für das 1:0 sorgte Sarah Wagener schon in der 2. Minute, ehe Imke Holtmeyer mit einem Heber in der 55. Minute alles klar machte. Dabei brachte Lienens Torfrau Anne Lenz die spätere Weltmeisterin Kerstin Garefrekes mit spektakulären Paraden schier zur Verzweiflung. Der nächste Titel folgte unter dem Hallendach. Beim internationalen Tivoli-Cup in Dänemark gewann das SWL-Team die Silbermedaille.

Im Spieljahr 1996/97 triumphierten die Mädels vom Postdamm mit dem Triple. Den Kreispokal verteidigten sie am 3. Oktober 1996 auf dem Dickenberg mit einem 2:1-Erfolg im Finale durch einen Doppelpack von Anne Lenz gegen Arminia Ibbenbüren. Auch den Hallentitel konnten sie mit 24:6 Toren und einer blütenweißen Weste in Kattenvenne verteidigen. Der erste Kreismeistertitel 1997 war natürlich das i-Tüpfelchen in einer überragenden Saison.

Und auch im Westfalenpokal konnten sich die Schützlinge von Trainer Thomas Dölling mit den Siegen gegen FC Falkenhorst-Herne (2:1) und FC Ottenstein (2:1) zunächst erfolgreich in Szene setzen. Im Viertelfinale war dann nach einer unglücklichen 0:1-Niederlage gegen SG Lütgendortmund Endstation.

1997/98 feierten die Lienerinnen das Double auf dem grünen Rasen. Dabei sicherten sich die Schützlinge von Trainerin Elvira Brockmann mit einem 4:1-Sieg im Nachbarschaftsderby gegen Preußen Lengerich in Saerbeck zum dritten Mal in Folge den Kreispokal. Martina Driemeier glich die Lengericher Führung (18.) durch Eda Simsek in der 34. Minute aus. In einer starken Drangphase sorgten schließlich Jessica Sundermann (51.), Katja Altevogt (66.) und Anne Lenz (67.) für einen ungefährdeten Endspielsieg. Den zweiten Kreismeistertitel feierten die Lienenerinnen vorzeitig mit einem 4:2 gegen den BSV Brochterbeck. Bei der Hallenkreismeisterschaft mussten sie Stella Bevergern den Vortritt lassen und sich mit der Vizemeisterschaft zufrieden geben.

Topspiel gegen Heike Rheine

Eine faustdicke Überraschung brachte das Top-Spiel im Westfalenpokal am 17. Mai 1998 im Lienener Postdamm-Stadion gegen den Bundesliga-Nachwuchs FFC Heike Rheine. Dabei katapultierten sie den großen Favoriten aus der Emsstadt vor gut 150 Zuschauern mit einem 5:4-Sieg in der ersten Runde aus dem Wettbewerb. In dieser Galavorstellung hatten Anne-Kathrin Lenz (15./48.), Kathrin Altepost (27.), Martina Driemeier (40.) und Tanja Geseker (55.) die Gastgeberinnen mit 5:1 in Führung gebracht. Durch drei Gegentreffer mussten die Lienenerinnen in der Schlussphase noch um den Sieg zittern. In der zweiten Runde gegen SF Siegen hatten die sie dann kein Glück und unterlagen nach torlosem Match im Elfmeterschießen unglücklich mit 2:4.

In der erfolgreichen Ära in den Neunzigern gehörten mit Anna Schulte, Christel Haupt, Anna Schrecke, Anne Holtmeyer, Imke Holtmeyer, Nadin Brockmann, Sarah Wagener, Martina Driemeier, Anne-Kathrin Lenz, Kathrin Beckmann, Katja Altevogt, Kirsten Heindel, Anita Dornbusch und Carolin Hoppe 14 SWL-Spielerinnen zur Kreisauswahl des Fußballkreises Tecklenburg und waren maßgeblich an den vier Titelgewinnen im Wettbewerb um die Westfalenmeisterschaft beteiligt. Anne-Kathrin Lenz gehörte auch zum Kader der Westfalenauswahl und nahm an zahlreichen Lehrgängen in der Sportschule Kaiserau teil.

In den darauffolgenden Jahren profitierten die Lienener Frauen von der guten Nachwuchsarbeit und feierten den Bezirksliga- und Landesliga-Aufstieg. In der Saison 2000/01 sicherten sich die Lienenerinnen mit deutlichem Vorsprung in der Kreisliga A souverän den Bezirksliga-Aufstieg. Die erste Bezirksliga-Saison schlossen sie auf Platz acht ab. Mitte der Saison hatte Hans-Werner Suhre das Traineramt von Rolf Dölling übernommen. In der zweiten Bezirksliga-Saison (2002/03) fogte Uwe Kitroschat auf Hans-Werner Suhre und schaffte am Ende mit einem 5:0 gegen SuS Neuenkirchen vorzeitig den Klassenerhalt. Ein Jahr später feierte SW Lienen mit einem 5:0-Sieg bei SW Esch vorzeitig die Meisterschaft in der Bezirksliga und den damit verbundenen Landesliga-Aufstieg.

Trainer nach Gütersloh

Nach Saisonende gab Trainer Uwe Kitroschat seinen Wechsel zum Zweitligaaufsteiger FC Gütersloh 2000 bekannt. „Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen. Das Umfeld in Lienen hat gepasst. Die Mannschaft ist top. Wir haben hervorragend zusammengearbeitet. Besser kann es fast nicht sein. Ich wäre gerne in Lienen geblieben, musste aber diese Chance nutzen“, gab Kitroschat damals nach seinem Abschied zu Protokoll. Sein Nachfolger wurde Benjamin Hettwer, der auch schon in jungen Jahren die B-Lizenz erworben hatte.

Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen. Das Umfeld in Lienen hat gepasst.

Uwe Kitroschat

Nach Abschluss der Hinrunde belegten die Lienenerinnen mit 13 Punkten Rang zehn im 14er Feld. Wegen seiner Examensarbeit gab Hettwer seine Trainertätigkeit in der Winterpause auf. Die Lienener verpflichteten den gebürtigen Bremer Ingo Eckert. Am Ende reichten 24 Zähler nicht zum Klassenerhalt. Nach der einjährigen Landesliga-Zugehörigkeit löste der SWL-Vorsitzende Helmut Hettwer Ingo Eckert auf der Trainerposition ab und führte sein Team mit der Vizemeisterschaft in die Spitze der Bezirksliga zurück. Im Spieljahr 2006/07 schaffte sein Team den Wiederaufstieg in die Landesliga und sicherte sich auch den Klassenerhalt.

Die Arbeit mit den Fußballerinnen war für mich eine besonders schöne Zeit.

Helmut Hettwer

Nach dem Abstieg in der Saison 2008/2009 wurden die Lienenerinnen in der Folgezeit nach einem gewaltigen Aderlass bis in die Kreisliga durchgereicht. Zwischenzeitlich wechselten sechs Spielerinnen zum Regionalligisten TSG Burg Gretesch und hinterließen eine große Lücke. Damit endete die Lienener Erfolgsgeschichte im Frauenfußball nach zehn Jahren auf überkreislicher Ebene.

Helmut Hettwer hat in seiner 25-jährigen Amtszeit als Vorsitzender von SW Lienen alle Höhen und Tiefen erlebt. „Die Arbeit mit den Fußballerinnen war für mich eine besonders schöne Zeit“, sagt er im Rückblick. Insbesondere hat sich auch Karin Hettwer als Koordinatorin und Betreuerin um den Frauen- und Mädchenfußball in Lienen verdient gemacht. Aktuell kann SW Lienen keine Frauen- und Mädchenteams stellen.

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