Sport-Psychologe Jürgen Walter referiert zur mentalen Stärke in Wettkampfsituationen
„Gedanken steuern unser Verhalten“

Lengerich -

Lengerich. Es war der Sportpsychologe Jürgen Walter, der die vermeintliche Antwort darauf hatte, weshalb der Fußballspieler Arjen Robben von Bayern München im Champions-League-Finale 2012 den Elfmeter im Spiel verschoss. „Im Training hätte der Spieler den Ball ganz locker ins Tor geschossen“, so Walter. In der besagten Situation habe er vermutlich zu viele andere Gedanken in seinem Kopf gehabt und sich von den äußeren Umständen und dem Druck, der auf ihm lag, verunsichern lassen.

Montag, 28.01.2013, 20:01 Uhr

Erläuterte anschaulich, wie Gedanken unser Verhalten verändern können: Jürgen Walter ist Sportpsychologe und hat unter anderem schon mit Borussia Dortmund zusammen gearbeitet.
Erläuterte anschaulich, wie Gedanken unser Verhalten verändern können: Jürgen Walter ist Sportpsychologe und hat unter anderem schon mit Borussia Dortmund zusammen gearbeitet. Foto: Jendrik Peters

Es war der Sportpsychologe Jürgen Walter , der die vermeintliche Antwort darauf hatte, weshalb der Fußballspieler Arjen Robben von Bayern München im Champions-League-Finale 2012 den Elfmeter im Spiel verschoss. „Im Training hätte der Spieler den Ball ganz locker ins Tor geschossen“, so Walter. In der besagten Situation habe er vermutlich zu viele andere Gedanken in seinem Kopf gehabt und sich von den äußeren Umständen und dem Druck, der auf ihm lag, verunsichern lassen.

Zur mentalen Stärke in Wettkampfsituationen referierte der erfahrene Psychologe am Donnerstag auf Einladung des Tischtennisvereins Lengerich. „Wir freuen uns sehr, dass wir Jürgen Walter für uns gewinnen konnten“, sagte Andreas Pätzholz, Mitglied im Vorstand des TTC. Viele begeisterte Sportler aus den unterschiedlichsten Sportarten sind dem Aufruf des Vereins gefolgt und nahmen im Veranstaltungsraum der Stadtsparkasse an einem interessanten, anschaulichen Vortrag teil. „Gedanken versetzen Berge und steuern unser Verhalten“, erläuterte Jürgen Walter.

Es seien nicht die Ereignisse, die zu einer Konsequenz führten, sondern die Gedanken, die sich aus dem Ereignis ergeben. Anhand eines Bio-Feedback-Gerätes bewies Walter anschaulich, wie sich nur mit Gedanken ein Golfball in das entsprechende Loch auf dem Spielfeld spielen ließ. Dazu setzte der Münsteraner einen kleinen Sensor an den Finger eines Freiwilligen, der die Hautwiderstände maß und die Werte in Bewegungen des Balles auf dem Bildschirm übertrug.

„Es sind nicht die Dinge, sondern die Meinungen darüber, die uns beunruhigen.“ Im entscheidenden Moment eines Sport-Matches würden viele darüber nachdenken, was passiert, wenn aus der nächsten Aktion kein Punkt resultiert. Als Beispiel nahm Walter das vergangene Handball-Viertelfinale Deutschland gegen Spanien zur Hand. „Die Deutschen haben in der Halbzeit wahrscheinlich zu viel darüber nachgedacht, dass sie Spanien schlagen können“, erläutert er die Gründe der Niederlage aus seiner Sicht. Aus diesem Grund sei auch Borussia Dortmund seit zwei Jahren auf einem hohen Niveau. „Die Mannschaft lässt sich nicht von äußeren Einflüssen aus der Ruhe bringen und macht einfach ihr Ding.“

Immer wieder erzählt Jürgen Walter an diesem Abend Anekdoten über Sportler, die ihn aufgesucht haben und seine Hilfe als Sportpsychologe brauchten. Anhand von anschaulichen Beispielen machte Walter klar, dass negative Gedanken mit einer Art „Gedankenstopp“ abgestellt werden müssten. Die Spieler müssten sich von Gedanken befreien, dass sie keine Fehler machen dürfen oder von jedem gemocht und angesehen werden.

In einer locker, lustigen Vortragsweise stelle Walter in diesem Zusammenhang auch erste Ergebnisse seines aktuellen Projektes vor. „Wir machen gerade einen Film über die Bedeutung von Sportpsychologie“, erzählt Walter. Dazu habe er erst vor kurzem mit dem Dortmunder Fußballer Mats Hummels zusammengearbeitet, der ebenfalls das mentale Golf ausprobiert hat.

„Ich bin sehr zufrieden mit dem Verlauf des Abends“, erzählt Andreas Pätzholz, der Walter bereits aus der Trainerausbildung kennt. Mit einer offenen Fragerunde und einer kleinen Entspannungsübung endete der Abend.

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