DFB-Pokalspiel zwischen VfL Osnabrück und RB Leipzig abgebrochen
„Und dann kommt so ein Vollidiot...“

Osnabrück -

„Solche Chaoten machen alles kaputt. Wir haben ein super Spiel gemacht und stehen jetzt mit leeren Händen da. Alle Spieler sind auf 180“, schimpft VfL-Mittelfeldspieler Nicolas Feldhahn. In der 71. Minute ist am Montagabend das DFB-Pokalspiel der ersten Runde zwischen dem VfL Osnabrück und RB Leipzig abgebrochen worden, nachdem Schiedsrichter Martin Petersen aus Stuttgart von einem Gegenstand am Kopf getroffen worden ist, geworfen aus der Ostkurve, der Heimat der VfL-Anhänger.

Dienstag, 11.08.2015, 00:08 Uhr

DFB-Pokalspiel zwischen VfL Osnabrück und RB Leipzig abgebrochen : „Und dann kommt so ein Vollidiot...“
Nachdem Schiedsrichter Martin Petersen (M) am Kopf getroffen worden ist, verlässt er mit seinem Assistenten das Feld. Das Spiel wurde abgebrochen. Foto: dpa

„Solche Chaoten machen alles kaputt. Wir haben ein super Spiel gemacht und stehen jetzt mit leeren Händen da. Alle Spieler sind auf 180“, schimpft Nicolas Feldhahn , der sich gar nicht beruhigen will. In der 71. Minute ist am Montagabend das DFB-Pokalspiel der ersten Runde zwischen dem VfL Osnabrück und RB Leipzig abgebrochen worden, nachdem Schiedsrichter Martin Petersen aus Stuttgart von einem Gegenstand am Kopf getroffen worden ist, geworfen aus der Ostkurve, der Heimat der VfL-Anhänger.

Wie es nun weitergeht, ist völlig offen. Eine Neuansetzung ist möglich. Auch können nur die letzten 20 Minuten wiederholt werden. Wahrscheinlich aber wird das Spiel am „grünen Tisch“ für Leipzig gewertet. In jedem Fall wird es richtig teuer für den VfL.

Spielabbruch nach Feuerzeug-Wurf: DFB-Pokalspiel VfL Osnabrück - RB Leipzig

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Es hätte so ein schöner Abend werden können mit einer lila-weißen Nacht, wie man sie lange nicht gesehen hat. Das DFB-Pokalspiel der ersten Runde zwischen dem VfL Osnabrück und RB Leipzig bietet alles, was das Fußballherz begehrt: Spannung, Hektik, Zweikämpfe und enorm viel Leidenschaft. Und zudem eine Osnabrücker Mannschaft, die richtig guten Fußball gezeigt hat. Durch einen Treffer von Halil Safran nach nur 23 Sekunden liegen die Lila-Weißen mit 1:0 vorne.

71 Minuten sind gespielt. Nach einer Eckballentscheidung für RB Leipzig fliegen mehrere Bierbecher und Feuerzeuge auf das Feld. Ein Gegenstand trifft Schiedsrichter Martin Petersen am Kopf. Der unterbricht sofort das Spiel und sucht mit seinen Assistenten die Kabine auf. Beide Mannschaften folgen. 21 zähe Minuten später steht fest: Das Spiel wird abgebrochen. Petersen sieht sich nicht in der Lage, weiterzumachen.

„Ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass wir gewonnen hätten. RB hat gar keine Mittel gegen uns gefunden. Jetzt wird wegen so einer Blödsinns-Nummer das Spiel am grünen Tisch entschieden werden. Es war wirklich dumm, denn da liefen ja auch unsere Auswechselspieler. Die hätten ja auch getroffen werden können“, äußerte Alexander Dercho wutschnaubend.

Spielabbruch des DFB-Pokalspiels VfL Osnabrück - RB Leipzig

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    Foto: Mareike Stratmann, Manfred Mrugalla
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Verständnislosigkeit macht sich breit, Sprachlosigkeit. Als Präsident Hermann Queckenstedt den Abbruch verkündet, herrscht, von leichtem Jubel der RB-Fans abgesehen, nahezu Totenstille. Kaum ein Pfeifen ist auszumachen. Alle im Stadion sind einfach nur geschockt.

Nachdem Schiedsrichter und Mannschaften das Feld verlassen hatten, haben die Zuschauer noch gehofft, dass es weitergeht. Dann betritt der Präsident mit seinem Vize Uwe Brunn, Sportdirektor Jürgen Wehlend und Pressesprecher Sebastian Rüther das Feld.

Mit schwerer Stimme verkündet Queckenstedt schließlich das, was die meisten längst vermutet haben, den Abbruch. „Das ist die bitterste Stunde meiner Amtszeit“, meint er. „Ich hoffe, dass die Zuschauer nun gewaltlos den Heimweg antreten. Wir alle können stolz auf das sein, was die Mannschaft geleistet hat.“

Bis dahin war die Stimmung an der Brücke prächtig. Pokalatmosphäre, Flutlicht und Gegner hatten ihre Wirkung nicht verfehlt. Mit über 12.000 Zuschauern war das Stadion gut gefüllt. Und die peitschten ihre Mannschaft von der ersten Minute an nach vorne, leider nur bis zur bitteren 71. Minute.

Spielführer Tobias Willers, der gegen seinen Ex-Club zuvor alles gegeben hatte, muss um Fassung ringen und tut sich schwer, ein Statement abzugeben: „Es ist absolut brutal, dass das Spiel so zu Ende geht. Es hätte heute nur einen Sieger gegeben, uns. Und dann kommt so ein Vollidiot...“

VfL Osnabrück: Schwäbe - Pisot, Willers, Grassi - Ornatelli, Feldhahn, Groß, Dercho - Menga, Kandziora - Savran.

RB Leipzig : Coltorti - Hierländer, Orban, Nukan (39. Klostermann), Jung - Brune, Kaiser, Ilsanker (46. Poulsen), Forsberg - Sabitzer, Selke.

Tore: 1:0 Savran (1.). - Schiedsrichter : Martin Petersen (Stuttgart). - Gelbe Karten : Willers, Feldhahn - Forsberg, Nukan. - Zuschauer : 10 000.

Stimmen zum Spielabbruch:

Hermann Queckenstedt,

Präsident des VfL Osnabrück, als er das Spielfeld betrat und die traurige Nachricht verkündete: „Das Spiel ist abgebrochen. Ich entschuldige mich im Namen des VfL Osnabrück bei Schiedsrichter Martin Petersen, der von einem roten Feuerzeug am Kopf getroffen wurde. Ich bitte euch jetzt, in Ruhe und ohne Gewalt das Stadion zu verlassen, den Abend Revue passieren zu lassen und morgen glücklich als VfL-Fan wieder aufzuwachen.“

Maik Walpurgis, Trainer des VfL Osnabrück: „Wir haben 70 Minuten extrem gut verschoben, haben kaum Chancen für RB zugelassen. Was in den letzten 20 Minuten passiert wäre, ist spekulativ, aber wir waren nahe dran am Sieg. Dass nun die letzten 20 Minuten zu Ende gespielt werden, wäre im Sinne des Fußballs. Das wäre die fairste Lösung. Keine der beiden Mannschaften kann etwas dafür, dass so etwas passiert ist. Derzeit überwiegen Frust, Trauer und Wut. So macht ein Chaot alles kaputt. Dass wir 70 Minuten richtig guten Fußball gespielt haben, zählt nun doch überhaupt nicht mehr.“

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