Fußball - 3. Liga: SF Lotte - Holstein Kiel 0:0
Matthias Rahn droht lange Sperre

Lotte -

Mit leidenschaftlichem Kampf haben die Sportfreunde Lotte am Dienstagabend beim 0:0 gegen Holstein Kiel einen Punkt gerettet. Und das mit zwei Spielern weniger nach den Platzverweisen für Tim Wendel und Matthias Rahn. Vor allem die Rote Karte gegen Rahn könnte böse Folgen haben.

Mittwoch, 29.03.2017, 00:03 Uhr

Fassungslos: Matthias Rahn (rechts) kann nicht begreifen, dass Schiedsrichter Lasse Koslowski (links) ihm die rote Karte zeigte. Auch Kevin Freiberger (Nr. 19, von links), Alexander Langlitz, Gerrit Nauber und Dennis Brock können den Referee nicht umstimmen.
Fassungslos: Matthias Rahn (rechts) kann nicht begreifen, dass Schiedsrichter Lasse Koslowski (links) ihm die rote Karte zeigte. Auch Kevin Freiberger (Nr. 19, von links), Alexander Langlitz, Gerrit Nauber und Dennis Brock können den Referee nicht umstimmen. Foto: Mrugalla

Hält man sich die negative Seite vor Augen, lässt sich feststellen, dass SF Lotte seit fünf Begegnungen sieglos ist (inklusive DFB-Pokal) und in dieser Zeit ohne eigenen Treffer geblieben ist. Insgesamt sind die Sportfreunde seit 485 Minuten torlos. Letztmalig lochte Kevin Freiberger beim 2:0-Triumph über Hansa Rostock nach einer knappen Stunde ein. Wer aber Zeuge des 0:0 am Dienstagabend gegen Holstein Kiel war, wird die Sportfreunde nicht abschreiben.

Sicher hatten die Gäste mehr vom Spiel und verzeichneten ein Plus an klaren Tormöglichkeiten. Ein Sieg für die Störche wäre verdient gewesen. Wie sich aber die Hausherren mit Mann und Maus gegen die drohende Niederlage wehrten, war beeindruckend. Schließlich war es das achte Spiel binnen 24 Tagen. Keine andere deutsche Mannschaft wurde in dieser Zeit so beansprucht wie die Sportfreunde. Verletzungen und Sperren dezimierten dabei den ohnehin kleinen Kader, so dass Trainer Ismail Atalan stets gezwungen war, zu improvisieren. Zuletzt stellte sich die Mannschaft wegen der vielen Ausfälle quasi selbst auf.

Dass der Aufsteiger dennoch zu einem solch leidenschaftlichen Kampf wie am Dienstag gegen Holstein Kiel in der Lage war, beeindruckt. Vor allem mit zwei Mann weniger nach den Hinausstellungen von Tim Wendel (Gelb-Rot, 72.) und Matthias Rahn (Rot, 79.), warf Lotte alles in die Waagschale, um den einen Punkt zu retten. Mit Erfolg.

Zufrieden war Ismail Atalan dennoch nicht. „Es ist immer schlecht, wenn am Ende der Schiedsrichter der Hauptdarsteller ist. Heute war es so“, stellte der Coach zurecht fest. „Irgendwann hat er Situationen gepfiffen, die keiner mehr verstanden hat. Es war am Ende kein Fußballspiel mehr. Mit dem Punkt bin ich natürlich zufrieden. Aber mit dem Spiel nicht. Mit solchen Entscheidungen leben zu müssen, macht keinen Spaß.“

In der Tat verlor Schiedsrichter Lasse Koslowski aus Berlin mit zunehmender Spieldauer den Überblick. Ließ er bei einer Würge-Attacke des über 30 Meter herbeigeeilten Mathias Fetsch gegen Tim Wendel vor den Augen des Assistenten Gnade vor Recht walten und ermahnte den Übeltäter noch nicht einmal, zückte er bei Tim Wendel nach 72 Minuten Gelb-Rot. War diese Entscheidung wegen wiederholten Foulspiels nachvollziehbar, reagierte Koslowski bei Matthias Rahn völlig überzogen. „Irgendwann kommt der Punkt, wo es um die Gesundheit der Spieler geht“, meinte zwar Kiels Trainer Markus Anfang. Doch der ehemalige Osnabrücker Dominic Peitz, der mehr durch Provokationen als durch Fußball auffiel, ging in den Zweikampf in der 79. Minute genauso entschlossen wie Rahn, der sogar noch deutlich den Ball spielte. „Ich dachte, es geht mit Freistoß für uns weiter“, erklärte Atalan. Stattdessen zeigte der Referee zur Überraschung aller gegen den Lotter Innenverteidiger Rot. Der konnte es nicht fassen, und warf sein Trikot zu Boden. „Ich treffe doch den Ball, aber Peitz kommt zu spät“, beschrieb Rahn die Szene. „Das war niemals Rot.“ Fortan war der Mann in Schwarz der Buhmann des Publikums. Jede Entscheidung wurde angezweifelt. Nicht jede war in der Folge falsch, einige aber in der Tat nicht nachvollziehbar.

Auch wenn die Sportfreunde Protest gegen die Hin­ausstellung von Matthias Rahn einlegen wollen, wird sich der Innenverteidiger auf eine längere Pause einstellen müssen. Schließlich gilt er als Wiederholungstäter. Schon im Hinspiel in Kiel war er nach einer Notbremse ausgerechnet gegen seinen heutigen Mitspieler Saliou Sané des Feldes verwiesen worden. Noch vor einer Woche hatte er beim 0:2 in Großaspach die Ampelkarte gesehen.

Ohnehin kochten während der 90 Minuten die Emotionen hoch. Mehrfach kam es zu Rudelbildungen, gab es auf und neben dem Rasen Wortgefechte und Klärungsbedarf. Davon ließen sich auch die Trainer und Auswechselspieler anstecken. Keine Frage, es war ein hitziges, mitunter nickeliges Spiel, zu dem beide beitrugen. Das sah auch Kevin Freiberger so: „Es war ein sehr intensives Spiel. Es ging hin und her mit einer starken Laufleistung auf beiden Seiten. Am Ende haben wir den Punkt erkämpft. Das war wichtig. Bei dem Schiedsrichter hatte man das Gefühl, dass er wollte, das Kiel gewinnt.“

In jedem Fall hat das Dienstag-Spiel Kraft gekostet. Wenn auch Moritz Heyer und Bernd Rosinger nach abgesessener Gelb-Sperre sowie Andre Dej (Faserriss) zurückkehren, muss Ismail Atalan am Samstag gegen VfR Aalen (14 Uhr Frimo-Stadion) erneut improvisieren. Neben Rahn und Wendel fallen Tim Gorschlüter (Hüftprobleme) und Kevin Pires-Rodrigues (Innenbandriss) aus.

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