Fußball-Bezirksliga: „Genau so geht Integration“
Preußen Lengerich: Flüchtlinge aus Syrien legen Schiedsrichter-Prüfung ab

Lengerich -

Sie sind die ersten und stolz darauf, es gepackt zu haben, obwohl ihr Deutsch noch nicht so gut ist. Zwei Flüchtlinge aus Syrien, die seit einiger Zeit beim SC Preußen Lengerich Fußball spielen, haben jetzt die Schiedsrichter-Prüfung abgelegt.

Donnerstag, 19.07.2018, 00:00 Uhr

Umrahmt vom Flüchtlingskoordinator der Stadt Lengerich, Dirk Vietmeier (links), und ihrem Betreuer beim SC Preußen, Erwin Knemöller (rechts), freuen sich Abdulkarim Taha Alkriz (2. von links) und Ahmed Al Mahmoud auf ihre neue Rolle als Fußball-Schiedsrichter.
Umrahmt vom Flüchtlingskoordinator der Stadt Lengerich, Dirk Vietmeier (links), und ihrem Betreuer beim SC Preußen, Erwin Knemöller (rechts), freuen sich Abdulkarim Taha Alkriz (2. von links) und Ahmed Al Mahmoud auf ihre neue Rolle als Fußball-Schiedsrichter. Foto: Alfred Stegemann

Ihr Deutsch ist gebrochen, aber man kann sich verständigen. Das ist auch vonnöten. Abdulkarim Taha Alkriz und Ahmed Al Mahmoud aus Lengerich haben sich etwas zur Aufgabe gemacht, bei der es Durchsetzungsvermögen bedarf. Die beiden Flüchtlinge aus Syrien kicken bereits seit geraumer Zeit beim SC Preußen und haben nun ihre Schiedsrichter-Prüfung abgelegt. Ab der kommenden Saison werden sie auf Kreisebene und in der Jugend Spiele leiten.

Das macht mir Spaß. Ich war auch schon in Syrien Schiedsrichter.

„Das macht mir Spaß. Ich war auch schon in Syrien Schiedsrichter“, versichert der 51-jährige Al Mahmoud. Sein 50-jähriger Freund Taha Alkriz, der in seiner Heimat als Pädagoge tätig war, stimmt ihm zu: „Ich habe schon immer mit jungen Menschen gearbeitet. Das möchte ich hier auch tun.“

„Flüchtlings-Integration“, es vergeht kein Tag, an dem es nicht in nahezu jeder Kommune Deutschlands und auch in vielen Kultur- oder Sportvereinen genau darum geht. Was ist das, wie geht das richtig? Da ist bei den meisten nicht selten reines Schulterzucken auszumachen. Der SC Preußen Lengerich ist in dem Punkt durchaus ein Vorbild, denn der Club von der Münsterstraße lebt die Flüchtlings-Integration förmlich.

Als die Sozialarbeiterin Bärbel Rehder seinerzeit in der Teestube „Weltweit“ an der Bahnhofstraße über die Stadt Lengerich einen Treffpunkt für Flüchtlinge ins Leben rief, konnte sie nicht abschätzen, wie sich der entwickeln würde. Mittlerweile ist die Teestube eine willkommene Anlaufstelle für Asylbewerber und Flüchtlinge.

Die beiden sind angenehme Zeitgenossen und sehr wissbegierig.

Erwin Knemöller

Bärbel Rehder wusste auch, dass Sport die beste Integration darstellt. In Absprache mit Pädagoge Christian Bräuer, damals auch Vorstandsmitglied beim SC Preußen, wurde das „Montags-Training“ speziell für Flüchtlinge aus der Taufe gehoben. Wöchentlich treffen sich seit gut eineinhalb Jahren um die 15 leidenschaftliche Kicker aus verschiedenen Nationen, um an der Münsterstraße gemeinsam Fußball zu spielen.

Von Anfang an dabei waren Abdulkarim Taha Alkriz aus Aleppo und Ahmed Al Mahmoud aus Daraa. Beide sind begeisterte Fußballer und hängen nach dem Kick mit den anderen Heimatvertriebenen meistens noch eine Stunde dran, um mit den „Grufties“ des SC Preußen weiterzuspielen. So ist auch eine Freundschaft zum SCP-Urgestein Erwin Knemöller entstanden. Er setzt sich mittlerweile als Betreuer für die beiden ein. Knemöller brachte die Syrer auch zur ersten Unterrichtsstunde des Schiedsrichter-Lehrgangs Anfang Juli ins Sportzentrum Ost der Ibbenbürener SV. „Die beiden sind sehr angenehme Zeitgenossen“, erklärt Knemöller, „und unglaublich wissbegierig.“

Zusammen mit einem 17-jährigen Syrer aus Hörstel, der den beiden Lengerichern als Dolmetscher unter die Arme griff, meisterten alle drei nach vier Lehrabenden a zweieinhalb Stunden die theoretischen und praktischen Prüfungen und dürfen sich ab sofort Schiedsrichter nennen. Ab der kommenden Saison werden sie zunächst in den unteren Ligen und in Jugendklassen an der Pfeife stehen.

Abdulkarim Taha Alkriz und Ahmed Al Mahmoud haben harte Zeiten hinter sich. Nun freuen sie sich auf ihre neue Aufgabe und sind stolz darauf, künftig als Schiedsrichter des SC Preußen tätig zu sein. Glücklich darüber ist auch der Flüchtlingskoordinator der Stadt Lengerich, Dirk Vietmeier. Der stellt fest: „Ganz genau so geht Integration.“

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