Fußball: 3. Liga
Interview mit SF Lottes Trainer-Duo Sven Hozjak und Nils Drube

Lotte -

Das Trainer-Duo der Sportfreunde Lote, Nils Drube und Sven Hozjak, ist vom Klassenerhalt in der 3. Liga überzeugt. Am Freitagabend geht es mit dem ersten Spiel des Jahres gegen 1860 München in die Vollen. In einem Interview nehmen die beiden Stellung zur aktuellen Situation der Sportfreunde.

Donnerstag, 24.01.2019, 00:00 Uhr aktualisiert: 24.01.2019, 17:32 Uhr
Die beiden Trainer der Sportfreunde, Sven Hozjak (links) und Nils Drube, sind vom Klassenerhalt ihrer Mannschaft überzeugt.
Die beiden Trainer der Sportfreunde, Sven Hozjak (links) und Nils Drube, sind vom Klassenerhalt ihrer Mannschaft überzeugt. Foto: Mrugalla

Am Freitag steigen die Sportfreunde Lotte mit dem Heimspiel gegen 1860 München wieder ins Meisterschaftsgeschehen ein.23 Punkte hat die Crew um das Trainergespann Nils Drube /Sven Hozjak bisher gesammelt. Als Ziel geben deshalb beide den Klassenerhalt an. Sportredakteur Alfred Stegemann hat sich mit dem gleichberechtigten Duo unterhalten und erfahren, wie die Vorbereitung gelaufen ist, welche Neuverpflichtungen getätigt worden sind und was die beiden von der Rückrunde erwarten.

Sie sind jetzt seit fünf Monaten als Trainerduo in Lotte tätig, haben die Mannschaft vom letzten Tabellenplatz ins untere Mittelfeld geführt. Sind Sie mit dem Erreichten zufrieden?

Nils Drube: Ja, auf jeden Fall. Es hat sich einiges getan. Das Trainingsniveau ist deutlich gestiegen, die Mannschaft hat große Schritte nach vorne gemacht im Spiel mit dem Ball und gegen den Ball, hat sich im Umschaltspiel verbessert. Auch glaube ich, dass sich die Mannschaft professioneller darstellt. Jeder ist im Training fokussiert, ist bestrebt, besser zu werden. Keiner gibt sich zufrieden mit dem Erreichten, sondern arbeitet auch individuell an sich. Auch um die Mannschaft herum haben wir einiges angestoßen. Vieles ist besser geworden. Wir sind auf dem richtigen Weg.

Sie arbeiten in Lotte als gleichberechtigtes Trainerduo und legen Wert darauf, dass das auch nach außen so kommuniziert wird. Aber nur Nils Drube hat die Fußballlehrer-Lizenz, steht deshalb deutlich mehr im Fokus. Stört sie das eigentlich, Herr Hozjak?

Sven Hozjak: Nein, überhaupt nicht. Viel wichtiger ist, wie es intern gelebt wird und das dies auch gegenüber den Spielern klar kommuniziert wird. Zudem bin ich mir sicher, dass diejenigen, die sich mit unserer Situation beschäftigen wissen, wie unser Trainerteam funktioniert. Aktuell ist es einfach so, dass wir uns optimal ergänzen. Wir beide sind starke Persönlichkeiten und leben dies uns müssen uns nicht verstellen. Solange wir als Team so gut funktionieren, können wir in unserer täglichen Arbeit und auch für die Mannschaft noch mehr Impulse setzen und unsere Ideen einbringen.

Wie würden Sie Ihre bisherige Arbeit in Lotte beschreiben?

Drube: Die Intensität, die wir vorleben und von der Mannschaft einfordern, ist unglaublich kräfteraubend. Da hat man gerade zum Ende der Hinrunde einen Kräfteverschleiß festgestellt. Deshalb haben wir uns in der Vorbereitung physisch in ein höheres Level katapultiert.

Wie stehen Sie generell zur derzeitigen Lösung mit vier Absteigern und entsprechend vier Aufsteigern aus der Regionalliga?

Hozjak: Das ist natürlich eine zusätzliche Herausforderung und macht es für uns noch härter. Für die Mannschaften, die in der 3. Liga zuhause sind, ist es sehr unglücklich. Wenn man aber eine Klasse tiefer in die Regionalliga schaut, muss man sagen, dass es angebracht ist. Es sollte einfach so sein, dass der Meister immer aufsteigt. Es ist nun so, wie es ist. Damit müssen wir klar kommen.

Was ist in der am Wochenende beginnenden Rückrunde möglich?

Hozjak: Wir haben 23 Punkte, brauchen mindestens noch mal die gleiche Zahl, um die Klasse zu halten. Wir dürfen nicht allzu viel konstruieren oder in die Glaskugel blicken. Sicherlich wollen wir auch mal nach oben schauen. Aber in unserer jetzigen Situation kann es nur um den Klassenerhalt gehen. Wenn wir das geschafft und Planungssicherheit haben, kann man sich vielleicht noch mal unterhalten. Aber der Kampf kann auch bis zum letzten Spieltag gehen.

Drube: Wir schauen wirklich nur von Spiel zu Spiel. Wir leben alle das Wir. Das müssen wir bewahren, müssen demütig bleiben, dürfen nicht abheben. Jeder bei uns weiß, was es bedeutet, in der 3. Liga zu spielen. Und jeder will alles dafür tun, dass es so bleibt. Es wird Rückschläge geben. Aber wir lassen uns nicht von unserem Weg abbringen. So werden wir auch am Ende über dem Strich stehen.

Worauf dürfen sich die Fans freuen?

Hozjak: Wir haben an verschiedenen Stellschrauben gedreht, vieles hat die Mannschaft auch schon umgesetzt. Die Jungs sind charakterlich einwandfrei, insgesamt ist die Mannschaft auf einem guten Weg. In der Hinrunde hat es oft im Abschluss gehapert. Wenn man drei Punkte einfahren will, muss man Tore schießen. Daran haben wir gearbeitet und auch die eine oder andere Verpflichtung getätigt.

Sie spielen auf Neuzugänge an. Sind denn alle Wünsche erfüllt worden, die Sie hatten?

Hozjak: Wir haben nach Spielern gesucht, die eine Geschichte haben oder die sich neu beweisen wollen. Justin Eilers zum Beispiel bringt so eine Geschichte mit. In Dresden war er überragend, hat dann in Bremen viel Pech mit Verletzungen gehabt. Zuletzt in Griechenland ist es höchst unglücklich für ihn gelaufen. Er ist noch nicht bei 100 Prozent. Wir geben ihm die Chance, richtig fit zu werden und sich wieder interessant zu machen. Sascha Härtel ist ein junger Spieler, der enorm viel Potenzial besitzt, das wir aus ihm herauskitzeln wollen. Toni Jovic ist in Deutschland ein eher unbekannter Spieler, aber er macht sich richtig gut. Er hat sich schnell integriert, und kann der Mannschaft den nötigen Impuls geben.

Sie haben sich bewusst gegen ein Trainingslager entschieden, um sich daheim vorzubereiten. Mit dem Wissen von heute, war das die richtige Entscheidung?

Drube: Ja, definitiv. Zu der Zeit, in der wir im Trainingslager gewesen wären, herrschten auch bei uns gute Bedingungen. Wir haben im athletischen Bereich sehr ordentlich gearbeitet. Auf der anderen Seite kann man in einem Trainingslager das Miteinandergefühl vielleicht stärken. Insgesamt muss man immer den Kosten-Nutzen-Faktor berücksichtigen.

Die Wintervorbereitung war insgesamt sehr kurz. Sind Sie dennoch zufrieden mit dem Ist-Zustand?

Drube: Als Trainer wünscht man sich natürlich immer das Optimum. Das ist oft nicht möglich. Bei Minusgraden gibt es immer Probleme. Wir mussten häufig von einem zum anderen Kunstrasenplatz in der Umgebung tingeln. Training auf Naturrasen war ja kaum möglich. Aber wir haben das Beste daraus gemacht.

Worauf haben Sie in der Vorbereitung Ihr Hauptaugenmerk gelegt?

Drube: Wir haben die Hinrunde analysiert. Wir hatten uns beim Einstieg klare Ziele gesetzt, die wir in der Vorbereitung erreichen wollten. Das haben wir umgesetzt. Neben der Verbesserung der Arbeit mit und gegen den Ball sowie des schnellen Umschaltspiels haben wir intensiv an der Physis gearbeitet. Ich hoffe, dass man das am Freitag schon feststellen kann.

Zum Jahresauftakt kommt es nun zum Duell gegen TSV 1860 München. Wie schätzen Sie die Löwen ein?

Hozjak: 1860 hat eine starke Truppe mit Qualitäten in allen Mannschaftsteilen. Sicherlich ist das 1:5 aus dem Hinspiel noch in den Köpfen. Das sollte aber keine Rolle mehr spielen. Es gab auch in dem Spiel Momente, die ganz gut waren. Da sollten wir uns eher an das 2:0 im DFB-Pokal vor zwei Jahren erinnern.

Welchen Stellenwert hat die Begegnung?

hozjak: Die Löwen hatten eine ähnlich kurze Pause wie wir. Auch sie wissen nicht genau wo sie stehen. Aber wir wollen uns nicht zu sehr mit dem Gegner beschäftigen, wollen mehr auf uns schauen und unser Spiel präsentieren. In der Hinrunde haben wir es ja gerade daheim oft ganz gut gemacht. Wenn wir die nötige Emotionalität und Mentalität an den Tag legen, ist alles möglich.

Sie beide haben schon mehrfach davon gesprochen, dass Lotte ein etwas anderer Verein ist. Wie meinen Sie das?

Hozjak: Das stimmt, ist aber überhaupt nicht negativ behaftet. Wir haben auch professionelle Strukturen. Die Betreuung um die Mannschaft herum hat eine hohe Qualität.

Drube: Wir können uns nicht mit Preußen Münster oder VfL Osnabrück vergleichen. Die leben von ihrer Geschichte. Dort gibt es ganz andere Möglichkeiten, die Zuschauerzahl ist höher, die Erwartungshaltung auch. Ich glaube schon, dass man bei uns ruhiger arbeiten kann, der Druck nicht ganz so groß ist, einfach alles familiärer abläuft. Die Spieler können sich deshalb bei uns vielleicht besser entwickeln.

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