Fußball: 3. Liga
VfL Osnabrück: Freispruch für Heider, Willers und Menga

Osnabrück -

Erleichterung bei Marc Heider, Tobias Willers und Addy-Waku Menga. Das Landgericht Osnabrück hat die drei vom Vorwurf der versuchten Erpressung beziehungsweise vom Vorwurf der Beihilfe zur versuchten Erpressung freigesprochen.

Mittwoch, 20.02.2019, 00:00 Uhr aktualisiert: 20.02.2019, 17:38 Uhr
Es ist endlich vorbei: Die ehemaligen Profis des VfL Osnabrück, Tobias Willers (Fotos) und Addy Waku Menga sowie der aktuelle VfL-Kapitän Marc Heider, die in der Saison 2016/17 gemeinsam das lila-weiße Trikot trugen, wurden vom Vorwurf der versuchten Erpressung freigesprochen.
Es ist endlich vorbei: Die ehemaligen Profis des VfL Osnabrück, Tobias Willers (Fotos) und Addy Waku Menga sowie der aktuelle VfL-Kapitän Marc Heider, die in der Saison 2016/17 gemeinsam das lila-weiße Trikot trugen, wurden vom Vorwurf der versuchten Erpressung freigesprochen. Foto: Alfred Stegemann

Jetzt können sich die Fußballprofis wieder voll auf ihren Job konzentrieren: Die siebte Kleine Strafkammer des Landgerichts Osnabrück hat Marc Heider , Tobias Willers und Addy-Waku Menga vom Vorwurf der versuchten Erpressung beziehungsweise vom Vorwurf der Beihilfe zur versuchten Erpressung freigesprochen. Entsprechend erleichtert verließen die drei Fußballer den Gerichtssaal. Ein Nachspiel in

Marc Heider

Marc Heider

diesem Verfahren kann es jetzt nur noch geben, wenn die Staatsanwaltschaft innerhalb einer Woche beim Oberlandesgericht Oldenburg Revision einlegt.

Im Mittelpunkt des Verfahrens standen einmal mehr die Geschehnisse in der 3. Liga vor dem letzten Spieltag der Saison 2016/17. Der VfL musste in der 3. Liga noch gegen den abstiegsbedrohten SC Paderborn antreten. Mit Willers als treibender Kraft sollte per

Addy Waku Menga

Addy Waku Menga

Whatsapp und Telefon bei bekannten Kollegen der ebenfalls gegen den Abstieg spielenden Teams aus Erfurt und Bremen (Werders U23) ein finanzieller Bonus eingeworben werden, damit sich der VfL im letzten Spiel gegen die Paderborner noch einmal richtig reinhängt. Darin sah die Staatsanwaltschaft den Versuch einer Erpressung und einer Spielmanipulation. Das bewertete das Amtsgericht in erster Instanz anders und sprach die Profis frei. Die Staatsanwaltschaft ging in Berufung, wobei der Vorwurf der Spielmanipulation fall gelassen wurde. Im Berufungsverfahren vor dem Landgericht ging es deshalb jetzt nur noch um den Vorwurf der versuchten Erpressung (Willers), beziehungsweise der Beihilfe (Heider, Menga).

Nachdem der frühere Erfurter Spieler Carsten Kammlott bereits in der vergangenen Woche als Zeuge ausgesagt hatte, wurden am Dienstag die Bremer Rafael Kazior, Tobias Duffner und Claas-Christopher Bente in den Zeugenstand gebeten. Kazior bestätigte, dass ihn Heider (mit dem er persönlich befreundet sei) kontaktiert – und von Anfang an deutlich gemacht habe, dass er auf Betreiben von Willers anfrage. Kazior: ,,So richtig ernst genommen habe ich das nicht.“ Heider habe kein Geld gefordert oder irgendwelchen Druck ausgeübt. Ähnlich schilderte Werder-Physiotherapeut Bente den Anruf von Menga, den er aus früheren Fußballzeiten kenne. Bente: ,,Ich hatte kein schlechtes Gefühl nach dem Anruf und war auch nicht aufgewühlt. Anschließend konnte ich auch gut schlafen.“ Bleibt noch Duffner, der keinen direkten Whats­App- oder Telefonkontakt mit Heider, Menga und Willers hatte, aber von den diversen Kontaktaufnahmen im Mannschaftskreis erfuhr. Er habe danach diese Informationen an den Ombudsmann des Deutschen Fußball-Bunds mit dem Ziel weitergegeben, das Spiel in Osnabrück unter Beobachtung stellen zu lassen. Seine erstinstanzliche Aussage vor dem Amtsgericht, wonach er es für möglich gehalten habe, dass Osnabrück mit Absicht gegen Paderborn verliere, wenn Bremen nichts zahle, wollte Duffner nun vor dem Landgericht nicht so drastisch ausdrücken. Er sei aber nach wie vor der Überzeugung, dass die Partie einen anderen Ausgang genommen hätte, ,,wenn wir nicht eingeschritten wären“.

Im Fall Willers sah die Staatsanwältin den Vorwurf der versuchten Erpressung sowie bei Heider und Menga den Tatbestand der Beihilfe zur versuchten Erpressung erfüllt. Ihr Antrag: Willers solle zu einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu je 150 Euro (also 10 500 Euro) verurteilt werden, Heider und Menga jeweils zu einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je 150 Euro (also 3000 Euro).

Dem Antrag der Staatsanwaltschaft folgte die 7. Kleine Strafkammer des Landgerichts nicht und sprach alle drei frei. Das Fußballer-Trio sei bereits durch die vom DFB-Sportgericht verhängten Spielsperren und Geldstrafen genug bestraft worden, führte der Vorsitzende Richter aus. Allerdings richtete der Vorsitzende Richter deutliche Worte an Willers: Dass er gut eine Woche lang an dieser Idee ,,gewirkt“ habe, ,,ist nicht in Ordnung“. Mehr noch: ,,Das war instinktlos, dreist und frech. Wenn ein solches Verhalten Schule macht, geht der Fußball kaputt.“

Er sei froh, dass das Verfahren nun endlich ein Ende nehme und die schlaflosen Nächte vorbei seien, sagte Heider. Willers zeigte Reue: „Ich werde so etwas nie wieder machen.“

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