Fußball-Interview: 3. Liga
Ismail Atalan: „Erst Klassenerhalt, dann einfach nur noch genießen“

Lotte -

Er gilt als Heilsbringer und soll die abstiegsbedrohte Mannschaft zum Klassenerhalt führen. Im Gespräch mit Sportredakteur Alfred Stegemann nimmt der alte neue Trainer der Sportfreunde Lotte, Ismail Atalan, Stellung zur allgemeinen Situation.

Mittwoch, 10.04.2019, 17:01 Uhr
Für Ismail Atalan ist es klar: Er will am Ende der Saison über dem Strich stehen. Dass das klappt, davon ist der neue Trainer der Sportfreunde Lotte überzeugt.
Für Ismail Atalan ist es klar: Er will am Ende der Saison über dem Strich stehen. Dass das klappt, davon ist der neue Trainer der Sportfreunde Lotte überzeugt. Foto: Mrugalla

Ismail Atalan ist wieder Trainer der Sportfreunde Lotte . Exakt 638 Tage nach seinem Abschied Richtung VfL Bochum heuerte er am Dienstag zum zweiten Mal beim heimischen Drittligisten an. Er gilt als Heilsbringer und soll die abstiegsbedrohte Mannschaft zum Klassenerhalt führen. Im Gespräch mit Sportredakteur Alfred Stegemann nimmt Atalan Stellung zur allgemeinen Situation. Er erinnert sich noch an seinen aller ersten Arbeitstag in Lotte im Januar 2015 und blickt trotz der aktuellen sportlichen Misere zuversichtlich nach vorne.

Hallo Herr Atalan, willkommen zurück. Wie waren die ersten beiden Arbeitstage?

Ismail Atalan: Ich kenne die Infrastruktur hier, kenne einige Spieler noch und auch das Umfeld. Gespürt habe ich sofort, dass alle willig sind, etwas zu erreichen. Dadurch war es ein relativ leichter Einstieg für mich.

Seit Ihrer Freistellung beim VfL Bochum im Oktober 2017 waren Sie vereinslos. Im Gespräch waren Sie immer wieder bei anderen Vereinen. Warum hat es eigentlich nicht mit einem neuen Engagement geklappt?

Atalan: Das stimmt, Gespräche mit anderen Vereinen hat es einige gegeben. Aber es muss eben zu 100 Prozent passen – von beiden Seiten. Es gab immer wieder Punkte, wo es eben nicht so ganz hinhaute.

Was haben Sie in dieser Zeit gemacht?

Atalan: Ich war sehr viel unterwegs. Die Trainingsmethodik ändert sich fortlaufend. Ich wollte immer auf dem aktuellen Stand sein, habe mich entsprechend fortgebildet. Ich habe mir sehr viele Spiele angesehen, habe im In- und Ausland bei verschiedenen Vereinen hospitiert wie bei Manchester City mit Pep Guardiola oder bei Bayern München mit Jupp Heynckes. Weitere Stationen waren RB Leipzig, der HSV und in den Niederlanden. Spiele der Sportfreunde habe ich mir auch reichlich angeschaut.

638 Tage nach Ihrem Abschied Richtung VfL Bochum im Juli 2017 sind Sie nun wieder für die Sportfreunde tätig. Hat sich in dieser Zeit aus Ihrer Sicht in Verein und Umfeld etwas verändert?

Atalan: Es gibt einige andere Mitarbeiter in der Geschäftsstelle. Natürlich gibt es auch neue Trainingsmethoden. Von der Infrastruktur hat sich nicht viel getan. Der größte Unterschied ist der, dass ich in viele neue Gesichter schaue, wenn ich die Kabine betrete.

Können Sie sich an Ihren ersten Arbeitstag in Lotte im Januar 2015 erinnern? Wo liegen die Unterschiede zwischen damals und heute?

Atalan: Ja, ich erinnere mich. Damals war für mich alles neu, hatte kaum Erfahrung. Ich kam aus einer unteren Liga, kannte niemanden, musste alles und jeden erst kennlernen. Das war ein echter Reifeprozess. Aber ich hatte Zeit, weil das erste Punktspiel erst einige Wochen später anstand. Da konnten wir einiges einstudieren und Konzepte erarbeiten. Jetzt haben wir keine Zeit, alles muss sofort passen. Es geht von jetzt auf gleich direkt in die Vollen.

Sie kennen den Club, sind nach wie vor beliebt bei den Fans. Benötigen Sie eine Eingewöhnungszeit oder können Sie gleich voll loslegen?

Atalan: Nein, Eingewöhnungszeit brauche ich nicht. Wir haben ja auch gar nicht die Zeit dafür. Außerdem geht es hier nicht um mich, ich bin nicht entscheidend. Wichtiger ist, dass die Spieler wissen, woran sie sind und so schnell wie möglich das umsetzen, was wir wollen.

Wie ist Ihr Eindruck von der Mannschaft?

Atalan: Die Spieler arbeiten sehr konzentriert, sind fokussiert auf das Wesentliche. Der Teamgeist ist da. Jeder ist willig zu lernen. Das habe ich sofort gemerkt, dass die Bereitschaft vorhanden ist, das Ziel Klassenerhalt zu realisieren.

Haben Sie eine Verunsicherung in der Mannschaft feststellen können?

Atalan: Nein, nicht unbedingt. Man merkt schon, dass sie sich mit der Situation befassen, dass sie sich Gedanken machen. Fünf Niederlagen in sechs Spielen gehen an keiner Mannschaft spurlos vorbei. Aber es ist doch gut, dass sie grübeln. Das zeigt, dass ihnen das Ganze nicht egal ist. Für uns als Trainer ist es wichtig, den Spielern die Selbstzweifel zu nehmen und ihnen ihre Stärken wieder einzubläuen.

Können sie schon sagen, wo der Hebel anzusetzen ist, um den Klassenerhalt zu schaffen?

Atalan: Wir müssen im körperlichen und mentalen Bereich an das Maximum gehen. Eine gute Basis ist vorhanden. Dennoch ist es wichtig, die Widerstandsfähigkeit zu erhöhen. Wir müssen die Spieler dahin bringen, dass sie sich auch von Rückschlägen nicht aus der Bahn werfen lassen, sondern immer weiter machen und dafür auch mal Wege für den Mitspieler mitgehen.

Gerade das Herausspielen von Torchancen war zuletzt das große Manko. Wie lässt sich das abstellen?

Atalan: Man kann im personellen Bereich etwas ändern, aber auch im Positionsspiel, oder einzelne auf anderen Positionen spielen lassen. Strukturell muss sich etwas ändern. Wir wollen Lösungen im offensiven Bereich suchen und nicht nur defensiv denken.

Die nächsten beiden Spiele gegen Schlusslicht VfR Aalen und gegen den Drittletzten Energie Cottbus sind richtungsweisend. Wie gehen Sie diese Spiele an?

Atalan: Jedes Spiel ist wichtig, wir gehen alle Spiele gleich an. Es ist nicht so, dass alles vorbei ist, wenn wir in Aalen verlieren. Es stehen noch sechs Spiele aus, 18 Punkte sind noch zu vergeben. Davon wollen wir so viele wie möglich holen.

Schaffen die Sportfreunde den Klassenerhalt?

Atalan: Ja. Deswegen bin ich hier. Würde ich nicht daran glauben, wäre ich nicht gekommen.

Was macht Ismail Atalan dann?

Atalan: Dann genießen wir es erst einmal. Alles andere wird sich zeigen.

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