Fußball: 2. Bundesliga
Der lange Weg zurück für Konstantin Engel beim VfL Osnabrück

Osnabrück -

Wenn er mal genug hat von den Kniebeugen mit 40 Kilo Hantelgewicht auf den Schultern, von den Koordinationsübungen auf einem Bein oder von den Läufen auf dem Band, dann greift Konstantin Engel zum Golfschläger.

Mittwoch, 02.10.2019, 19:33 Uhr aktualisiert: 02.10.2019, 19:40 Uhr
Konstantin Engel (rechts), hier in einem Spiel bei Preußen Münster, will bald wieder durchstarten.
Konstantin Engel (rechts), hier in einem Spiel bei Preußen Münster, will bald wieder durchstarten. Foto: Jürgen Peperhowe

Bei einem VfL-Termin im Dütetal hat er den Sport, dem viele Fußballer verfallen, kennengelernt. Jetzt will er die Platzreife schaffen. „Man kann gut abschalten dabei, der Kopf wird frei an der frischen Luft. Es tut mir gut“, sagt der Fußballprofi. Anderes täte ihm noch viel besser: Mit der Mannschaft trainieren, in der 2. Bundesliga spielen, den Profialltag zwischen Platz und Kabine wieder spüren. Wirklich mittendrin anstatt nur in Zivil dabei zu sein, wenn vor der Kurve gejubelt wird.

„Die Gemeinschaft mit den Jungs fehlt mir, das ist manchmal hart“, sagt Engel , „dann wünscht man sich, dass es schneller geht. Aber ich muss Geduld haben, denn mein Körper bestimmt das Tempo.“ Deshalb bekommt man von Engel auf viele Fragen gute Antworten, nur auf diese nicht: Wann kannst du wieder spielen?

Am 24. April 2019 hat er sich bei einem Zusammenprall mit Jannes Elfers im NFV-Pokalspiel in Drochtersen das rechte Schien- und Wadenbein gebrochen. Es war 19.33 Uhr, als Engel gegen das Standbein des Gegners krachte, und wer es nicht sah, konnte hören, was geschehen war. Drei Stunden später lag er im Elbe-Klinikum Stade auf dem Operationstisch.

„Irgendwann in der Nacht, morgens um vier, habe ich erst realisiert, dass das Bein kaputt ist“, erinnert er sich, „da wurde mir langsam klar: Jetzt bist du endlich wieder in der 2. Bundesliga und hast ordentlich mitgeholfen – und hast nichts davon. Kannst nicht in den Superstadien wie Stuttgart oder Hamburg spielen, bist nicht dabei, wenn es losgeht. Da habe ich auch mit den Tränen gekämpft.“

Das ist vorbei, jetzt kämpft der willensstarke „Koka“ um sein Comeback. Die Zeit mit Thrombosestrumpf und Gehhilfen endete im Mitte August, seitdem geht es voran. „Es ist ein langsamer Prozess, ein Weg mit Auf und Abs“, sagt Lukas Grimm. Der Athletiktrainer arbeitet zusammen mit dem Physiotherapeuten Denis Overlöper täglich mindestens drei Stunden im Trainings- und Rehazentrum centrumed mit Engel. Sie folgen einem kleinteiligen Plan, steigern die Trainingsreize, variieren die Übungen, beobachten und messen.

Konstantin Engel arbeitet diszipliniert und konzentriert mit. „Aber es gibt auch mal Tage, da ist man mal etwas weniger motiviert und hadert auch mal kurz“, gibt er zu, „aber das ist die Ausnahme. Jetzt, wo ich merke, wie es voran geht, bleibe ich gut in der Spur.“ Vier Wochen hat Engel den Schauplatz gewechselt, um in einer neuen Umgebung etwas Abwechslung zu bekommen. Das Training in der MediaPark Klinik von Dr. Peter Schäferhoff in Köln hat ihm gut getan, jetzt geht es im centrumed weiter, zusätzlich wird er betreut von Dr. Clemens Kruse und VfL-Physiotherapeut Günter Schröder.

Belastung und Intensität steigen, ohne dass es Komplikationen gibt. Die nächsten Meilensteine sind in Sicht: Die ersten Läufe unter Höchstbelastung, danach – endlich! – wieder Kontakt mit dem Ball. Und dann: Der dosierte Einstieg ins Mannschaftstraining. „Ich bin auf einem guten Weg, aber ich werde mir keinen unnötigen Druck machen“, sagt Engel.

Er wirkt ruhig, abgeklärt, zielgerichtet. Er sendet das Signal: Ich lasse mich nicht aufhalten. 31 Jahre ist er alt, 106 Spiele hat er in der 2. Bundesliga bestritten, das letzte am 24. Mai 2015. Der VfL braucht den Defensiv-Allrounder, und Engel braucht dringend diesen Vierklang, der jeden Fußballer antreibt: Spielen, kämpfen, siegen, jubeln. Dafür will er fit werden, dazu muss das Bein jeder Belastung standhalten – dann ist der Weg frei.

Das ist die einzige Platzreife, die für ihn wirklich zählt.

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