Fußball: 2. Bundesliga
Osnabrücks Moritz Heyer: „Spaß haben und Gas geben“

Osnabrück -

Für ihn ist es die Rückkehr zu den Wurzeln – aber dass sich ein Kreis abschließt, kann man nicht sagen bei Moritz Heyer, dazu hat er noch zu viel vor sich.

Freitag, 18.10.2019, 18:32 Uhr aktualisiert: 18.10.2019, 18:40 Uhr
Der Ex-Lotteraner Moritz Heyer (links) hat beim VfL Osnabrück schnell Fuß gefasst und hat bisher alle Spiele mitgemacht. Auch in Hannover dürfte er in der Startelf stehen.
Der Ex-Lotteraner Moritz Heyer (links) hat beim VfL Osnabrück schnell Fuß gefasst und hat bisher alle Spiele mitgemacht. Auch in Hannover dürfte er in der Startelf stehen. Foto: Tobias Mönninghoff

Der Abwehrspieler hat sich beim VfL Osnabrück auch in der 2. Bundesliga etabliert, wie bei allen Stationen zuvor: Ohne verbales Getöse, aber mit viel Engagement und vielfach überzeugender Leistung auf dem Platz, die er für sich sprechen lässt.

„Ich bin hier geboren, meine Eltern und meine Schwester leben hier, deshalb ist das schon Heimat. Genau wie Bramsche, wo ich mit meinen Freunden aufgewachsen bin, und wie Osnabrück, wo ich jetzt lebe“, sagt Heyer, als er auf dem Kirchplatz in Ostercappeln steht – zwei kräftige Befreiungsschläge entfernt vom Krankenhaus, in dem er vor etwas mehr als 24 Jahren das Licht der Welt erblickt hat. Als Sohn des Fußballers, Spielertrainers und Trainers Christian Heyer (BSV Rehden, TV Bohmte, FC Kalkriese, TuS Engter), der ihn früh für das Spiel begeisterte. „Ich wollte immer mit ihm zum Fußballplatz, als ich klein war. Meine Mutter musste mich oft hinterherfahren, wenn ich nicht direkt dabei war“, erinnert sich Heyer.

So begann der kleine „Mo“ in der Jugend des FCR Bramsche selbst mit dem Kicken – bevor er als C-Jugendlicher erstmals beim VfL landete, coachte ihn sein Vater bei der JSG Wallenhorst/Lechtingen. Gibt er ihm, dem Zweitliga-Profi, heute noch Tipps? „Wenn ich weniger gut gespielt habe, kommentiert er meine Leistung schon. Wenn er nichts sagt, habe ich wahrscheinlich ganz passabel gespielt“, lacht Heyer, der sich dann immer freut, wenn seine Mutter ihren Mann ob seiner Schweigsamkeit zur Leistung des Sohnes aufzieht.

„Mitgegeben hat er mir, dass ich auf dem Platz nie zurückhaltend sein, sondern mir was zutrauen soll“, sagt Heyer über Vater Christian. Dessen Rat hat er danach stets gesucht zum Thema Vereinswechsel – teuer war der nicht, dafür aber immer gut: Heyer schaffte es stets, sich auf höherem Leistungslevel zu etablieren: Zuerst bei den Sportfreunden Lotte, wo er sich vom Youngster zur tragenden Säule im defensiven Mittelfeld einer Elf entwickelte, die den Aufstieg in die 3. Liga sowie die sensationellen Erfolge gegen Werder Bremen und Bayer Leverkusen im DFB-Pokal feierte.

Und das, obwohl er im ersten Herrenjahr auch verletzungsbedingt zunächst kaum zum Zuge kam – und mit dem Fachabitur an der Abendschule sogar vorsorglich an einer Exit-Option aus dem Profifußball arbeitete. „Ich habe Ismail Atalan und Joe Laumann viel zu verdanken, weil sie als Trainer auf mich gebaut haben“, sagt Heyer, der nun eher zum Ausgleich Sportbusiness-Management an einer Fernuni studiert – und ergänzt: „Ich hatte damals die Wahl: Den Kopf in den Sand stecken – oder Spaß haben und Gas geben.“

Ich habe Ismail Atalan und Joe Laumann viel zu verdanken, weil sie als Trainer auf mich gebaut haben

Moritz Heyer

Letzteres geht durch als Motto zu Heyers sportlicher wie persönlicher Entwicklung: Die Konsequenz und Ausdauer, mit der der 24-Jährige auf dem Feld Ball und Gegner jagt, könnte man als Verbissenheit bezeichnen. Heyer dreht seine Zweikampfstärke lieber ins Positive: „Ich zeige gern: An mir kommst du nicht vorbei. Es macht mir Spaß, die Bälle zu erobern, das Beste aus mir rauszuholen, die potenzielle Erschöpfung auszublenden. Ich vertraue darauf, dass der Körper mir schon sagen wird, wenn mal gar nichts mehr gehen sollte“, sagt der Mann, der bisher als einziger VfL-Profi alle 900 Pflichtspiel-Minuten der Saison komplett gespielt hat.

Auch das war nicht absehbar im Sommer, als Heyer ohne eine Minute Zweitligaerfahrung vom Halleschen FC nach Osnabrück zurückkam. „Das Jahr dort hatte mich extrem weitergebracht – fußballerisch wie menschlich“, sagt der Defensivmann über seine erste Station fernab von zu Hause, wo er lernen musste, sein Leben zu organisieren und mit der direkten Ansprache der Sachsen-Anhaltiner klarzukommen – gerade, wenn diese Kritik äußerten.

Dazu kommt die fußballerische Weiterentwicklung Heyers, der in Halle als zentraler Mann einer Dreier-Abwehrkette eine ganz starke Saison beim Tabellenvierten spielte. „Seitdem fühle ich mich hinten fast wohler als im Mittelfeld“, sagt er über die aus einer Notlösung gewachsene Erweiterung seines Einsatz-Portfolios. Die kommt ihm beim VfL zugute, wo er oft die Rolle als flexibler, energetischer Jäger zwischen letzter und vorletzter Verteidigungslinie ausübt.

So verwundert es kaum, dass Heyer die Akribie hervorhebt, die er abseits seines aktuellen Trainerteams um Daniel Thioune noch nie erlebt habe: „Individuelle Einheiten zum Kopfball und Passspiel, individuelle Videoanalysen zur Verbesserung des Zweikampfverhaltens“ nennt der 24-Jährige als Beispiele. Kleine Bausteine, die helfen sollen, die kleine Ergebniskrise nach vier Spielen ohne Sieg zu überwinden. „Wichtig ist, dass wir nicht zweifeln an unseren Stärken. Bringen wir die auf den Platz, wird es für jeden Gegner eklig“, sagt Heyer. Das Leuchten in seinen Augen signalisiert dabei, dass er Lust darauf hat, diese Gegner herauszufordern, egal, wie sie heißen. „Im Spiel mache ich mir nie Gedanken, gegen wen es geht. Erst danach denkt man sich mal, wie nach dem DFB-Pokalspiel: Das war ja Timo Werner – cool.“

Es sind Worte der Bescheidenheit, die Heyer in Ostercappeln spricht und mit einer gewissen Bodenständigkeit harmonieren, die er ausstrahlt. Etwa, wenn er über Playstation-Abende mit den alten Schulfreunden berichtet oder über seine aus Soltau stammende Freundin, die er vor einigen Jahren während einer Mannschaftsfahrt im Bierkönig auf Mallorca kennengelernt hat. Wild entschlossen wird Heyer offenbar vor allem dann, wenn er im Wettstreit steht – auf den Feldern dieser Welt.

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