Fußball: Regionalliga
Sportfreunde Lotte: Fehlende Kommunikation und verspätete Gehaltszahlungen sorgen bei den Spielern für Frust

Lotte -

Bei dem Sportfreunden Lotte ist ganz offensichtlich Feuer unterm Dach. Obwohl die Regionalligatruppe um Trainer Ismail Atalan sportlich liefert, wie zuletzt beim 2:2 gegen den Wuppertaler SV oder beim 1:0-Sieg am vergangenen Samstag in Düsseldorf (23 Punkte aus 16 Spielen), knirscht es im Gebälk des Drittligaabsteigers gerade wieder gewaltig (aktualisiert).

Donnerstag, 28.11.2019, 18:46 Uhr aktualisiert: 28.11.2019, 20:30 Uhr
Trotz aller äußeren Umstände, die die Spieler der Sportfreunde Lotte aktuell belasten, bringen sie auf dem Platz ihre Leistung. So auch am vergangenen Samstag, als sie einen hoch verdienten 1:0-Sieg in Düsseldorf feierten.
Trotz aller äußeren Umstände, die die Spieler der Sportfreunde Lotte aktuell belasten, bringen sie auf dem Platz ihre Leistung. So auch am vergangenen Samstag, als sie einen hoch verdienten 1:0-Sieg in Düsseldorf feierten. Foto: Mrugalla

Das Fass zum Überlaufen haben wohl gerade wieder verspätete oder gekürzte Gehaltszahlungen gebracht, wie Gerüchte besagen. Daher sah sich die komplette Mannschaft offenbar zum Handeln gezwungen und hat eine Pressemitteilung verfasst.

Darin heißt es, dass nach dem Abstieg allen Spielern klar gewesen sei, dass die neue Saison in der Regionalliga West „ein unruhiges Abenteuer werden wird“. Trainer und Mannschaft hätten Ziele, die sie auch zusammen erreichen wollten und dafür auch alles geben würden. Die vor einiger Zeit aufkommenden Gerüchte über eine möglich Insolvenz hätten sowohl die Mannschaft als auch das Umfeld verunsichert. Die Rahmenbedingungen hätte sich mehr und mehr verschlechtert. Oft würde es an grundlegenden Dingen fehlen (Tape, Wasser, Obst, Medikamente ....).

Die in den vergangenen Monaten verspäteten und mitunter nicht vollständigen Gehaltszahlen „betrifft leider nicht nur uns als Mannschaft, sondern auch das Trainer und Funktionsteam sind betroffen“, heißt es in der Pressemitteilung des Regionalligateams. Und weiter: „Eine Kommunikation seitens der Vereinsführung ( Florian Heinrichs , Sven Westerhus und Manfred Wilke ) dazu gibt es nicht. Insbesondere von unseren Vorstand, Sven Westerhus und Florian Heinrichs haben wir uns ... mehr zwischenmenschliches Fingerspitzengefühl erwartet.“

Es seien Versprechungen seitens der Vereinsführung nicht eingehalten worden. „Das sehr gute Verhältnis zwischen Mannschaft und Trainerteam wird dadurch nicht gestört“, wird in der Mitteilung ausdrücklich betont..

„Als Spieler beziehungsweise Profi ist es unser dringendes Anliegen, für den sportlichen Erfolg unseres Vereins zu sorgen. Gleichzeitig haben wir aber auch unseren Familien und uns selbst gegenüber dafür Sorge zu tragen, dass unser Beruf auch unsere persönliche Existenz sichert. Durch die oben genannten Gründe, insbesondere der verspäteten und nur teilweise gezahlten Gehälter liegt hier eine einseitige Vertragsverletzung seitens des Vereins vor“, beklagen sich die Spieler. „Aus unserer Sicht besteht die Gefahr, dass ein ruhiges und konzentriertes Arbeiten unter diesen Bedingungen immer schwieriger wird.“

Die Kaderplanung sei absolut eng gewesen und auf Kante genäht, wie man aktuell an der derzeitigen Torwartsituation erkennen könne. Stammtorwart Alexander Eiban fällt mehrere Monate wegen einer langwierigen Darmerkrankung aus. Die ganze Last liegt aktuell auf den Schultern des erst 19-jährigen Jhonny Peitzmeier. Als Ersatzkeeper sprang in den letzten Spielen der Schlussmann der Kreisliga B-Mannschaft ein.

„Es gibt bei den Sportfreunden Lotte keinen, der derzeit mit uns ein offenes und verbindliches Gespräch führt oder verlässliche Aussagen trifft. Wir fühlen uns zur SFL-Familie gehörig, werden aber offensichtlich nicht ernst genommen. Wir als Mannschaft sind bereit zu liefern und erwarten vom Verein die vereinbarte Gegenleistung aus unserem Arbeitsvertrag“, heißt es weiter. „Wir sind hochmotiviert und werden für unsere SFL-Familie weiterhin alles geben, erwarten aber auch von den Verantwortlichen im Verein ein professionelles Umfeld. Nur so haben wir die Möglichkeit gute Leistungen zu erbringen.“

Die Mannschaft hofft, dass ihr Schreiben zur Klarstellung der teilweise ihrer Ansicht nach untragbaren Zustände in einer Profimannschaft diene.

„Wir sind Angestellte des Vereins, aber keine unmündigen Persönlichkeiten, die man rumschubsen kann. Solange die verantwortliche sportliche Leitung sich in Schweigen hüllt und Unwahrheiten über eine verbesserte Kommunikation in der Presse verbreiten lässt, wird sich in unserer Wahrnehmung nichts ändern können. Denn Worten müssen Taten folgen.“

Das Team wünscht sich einen verlässlichen, fairen Umgang miteinander und eine Kommunikation auf Augenhöhe. „Mit diesen Gedanken fahren wir am kommenden Samstag nach Aachen, werden alles geben und wären sehr stolz darauf, drei Punkte mit nach Lotte zu bringen.“

Manfred Wilke, sportlicher Leiter der Sportfreunde, wollte sich auf Nachfrage unserer Zeitung am Donnerstag zu den Vorwürfen in der Pressemitteilung nicht konkret äußern. „Diesen Brief hätte die Mannschaft vielleicht erst an den Verein schicken sollen, bevor er an die Presse geht“, so Wilkes kurzes Statement.

Kommentar: Mehr miteinander reden

In Lotte hängt der Himmel längst nicht mehr voller Geigen. Seit dem Abstieg aus der 3. Liga knirscht es beim ehemaligen Pokalschreck an vielen Stellen. Insolvenzgerüchte und angeblich immer wieder verspätete Gehaltszahlungen sorgen bei Fans und Mannschaft, die immerhin das Aushängeschild des Vereins ist und diesen in den vergangenen Jahren in ganz Deutschland bekannt gemacht, für große Unruhe. Die Mannschaft sah jetzt keinen anderen Weg mehr, als sich mit einer Presseerklärung an die Medien zu wenden, um auf die nach ihrer Meinung prekäre Situation aufmerksam zu machen. Die Chemie zwischen Mannschaft und Vereinsführung scheint arg gestört zu sein. Ja, der Club hat finanzielle Probleme seit dem Abstieg. Der sportliche Leiter Manfred Wilke, der sicher großen Anteil am Aufstieg des Clubs hat, war in Sachen Kommunikation nie stark. Man könnte auch sagen, das Feld der Diplomatie war noch nie seins. Daher rühren wohl auch mit die aktuelle Spannungen zwischen sportlicher Führung und der Mannschaft. Schweigen ist Gold, aber Reden ist Silber. Es ist an der Zeit, dass in Lotte wieder mehr miteinander in vernünftiger und möglichst entspannter Atmosphäre geredet wird. Noch ist der Mannschaft, die offensichtlich mit dem Trainergespann auf einer Linie liegt, auf dem grünen Rasen nichts anzumerken. Aber wie lange noch? Trainer Ismail Atalan soll mit kleinem Kader die Sportfreunde in der Regionalliga etablieren. Ein einstelliger Tabellenplatz wäre angesichts der Rahmenbedingungen ein großer Erfolg. Doch wie lange macht die Mannschaft das noch mit? Und welcher Spieler tut sich das unter diesen Bedingungen noch an, ans Lotter Kreuz zu wechseln?

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