Fußball: Regionalliga West
Melanie Hubert: Doppeltes Glück vor dem Traualtar

Lotte -

Über acht Jahre stand Melanie Hubert als Physiotherapeutin in Diensten der Sportfreunde Lotte. Jetzt wechselt sie zum SV Meppen, wo sie in gleicher Funktion tätig sein wird. Für Hubert ist es ein Abschied mit höchst emotionalen Erinnerungen. Denn bei den Sportfreunden hat sie etwas erlebt, was wohl kaum ein anderer Mensch in dieser Form erfahren hat.

Freitag, 03.01.2020, 18:04 Uhr aktualisiert: 04.01.2020, 21:24 Uhr
Melanie Hubert betreut den am Boden liegenden Kevin Freiberger. Mehr als acht Jahre stand die Rheinenserin als Physiotherapeutin in Diensten der Sportfreunde Lotte. Jetzt wechselt sie in gleicher Funktion zum Drittligisten SV Meppen.
Melanie Hubert betreut den am Boden liegenden Kevin Freiberger. Mehr als acht Jahre stand die Rheinenserin als Physiotherapeutin in Diensten der Sportfreunde Lotte. Jetzt wechselt sie in gleicher Funktion zum Drittligisten SV Meppen. Foto: Manfred Mrugalla

Melanie Hubert war nicht nur Physiotherapeutin beim Fußball-Regionalligisten Sportfreunde Lotte , sie war auch so etwas wie die Seele der Mannschaft – in diese Rolle wächst man zwangsläufig hinein, wenn man mehr als acht Jahre an einem Ort in einer solch schnelllebigen Branche wie dem Fußball tätig ist. Nun ist Schluss bei den Sportfreunden. Am Montag beginnt für die 31-Jährige ein neuer Lebensabschnitt, denn die Rheinenserin wechselt zum Drittligisten SV Meppen , wo sie in gleicher Funktion wie in Lotte tätig sein wird. Es ist ein Abschied, der Emotionen weckt, denn die Entscheidung fiel ihr nicht leicht.

Es sind diese Geschichten, die tatsächlich nur der Fußball schreibt. Auf die Frage, welches denn das bewegendste Erlebnis in ihrer langjährigen Tätigkeit bei den Sportfreunden gewesen sei, überlegt sie nicht lange, um eine Antwort zu finden. „Das war am Tag meiner Hochzeit, am 30. April 2016. Mein Mann und ich haben uns extra diesen Wochentag ausgesucht, weil ich sichergehen wollte, dass dann kein Meisterschaftsspiel stattfindet“, sprudelt es aus ihr heraus.

Im Fußball werden Planungen dieser Art jedoch mitunter über den Haufen geworfen. Denn just an jenem 30. April mussten die Sportfreunde ihr Nachholspiel gegen Rot-Weiß Oberhausen austragen. „Wegen der Hochzeit konnte ich ja nicht dabei sein“, erinnert sie sich. „In den ganzen Jahren war es das einzige Spiel, bei dem ich fehlte.“

Und als ob der Tag nicht schon ausgereicht hätte, um aus diesem Paar gefühlt das glücklichste der Welt zu machen, kamen gleich beim Gang aus der Kirche in ihrer Heimatstadt Rheine Menschen auf die beiden zu, um zu gratulieren – nicht nur zur Hochzeit, sondern auch zur Meisterschaft. Doppeltes Glück, denn während Hubert und ihr Mann vor dem Altar getraut wurden, besiegten die Sportfreunde zeitgleich Rot-Weiß Oberhausen mit 1:0 und sicherten sich damit vorzeitig die Meisterschaft in der Regionalliga West (Linienrichter in diesem Spiel war übrigens Marcel Neuer, Bruder von Welttorhüter Manuel Neuer). „Es waren unfassbare Momente.“ Ihre Worte klingen so, als liefe ihr noch heute ein Schauer über den Rücken.

Ein perfekter Tag wurde es, als später die gesamte SF-Delegation in Rheine aufkreuzte und die Hochzeitsgesellschaft Brautpaar und Mannschaft gleichermaßen hochleben ließ.

Ihr zweites überwältigendes Erlebnis folgte kurze Zeit später, als die Sportfreunde nach dem 2:0-Sieg im zweiten Relegationsspiel beim SV Waldhof Mannheim den Aufstieg in die 3. Liga bejubelten. Klar, dass sich diese Erinnerungen tief in einem eingraben. Innerlich wächst da etwas zusammen. Das ist es, was die Trennung schwermacht, wenn dieser Zeitpunkt erst einmal gekommen ist.

„Ich bin den Sportfreunden dankbar, dass ich das miterleben durfte. Ohne sie wäre ich in meinem Beruf nicht das geworden, was ich heute bin“, sagt Hubert. Und welch überragenden Stellenwert sie in der Mannschaft hatte, formulierte SF-Abwehrspieler Tim Wendel schon vor einigen Jahren überaus bezeichnend: „Sie gehört definitiv zu den Top-3-Physiotherapeuten in meiner 20-jährigen Karriere.“

Angemessen verabschiedete sich die 31-Jährige am Freitag vom Verein. Ein gemeinsames Mittagessen mit einigen langjährigen Wegbegleitern, unter ihnen natürlich Trainer Ismail Atalan, besiegelten den Abschied. Sportfreunde Lotte – das war einmal. Melanie Hubert hat einen Schlussstrich unter dieses Kapitel gezogen.

In erster Linie waren es sportliche Gründe, die das Kadermitglied des ehemaligen Frauen-Bundesligisten FFC Heike Rheine dazu bewogen haben, den Verein zu wechseln. „Die Regionalliga soll nicht das Ende meiner physiotherapeutischen Tätigkeit gewesen sein“, sagt sie und fügt hinzu: „Es hat sich richtig gut angefühlt, was mir in Meppen angeboten wurde.“ Dort wird sie – wie in Lotte – hauptberuflich tätig sein für die Drittliga-Profis des SVM.

Doch die Erinnerungen an eine lange wunderbare Zeit in Lotte wird sie wohl ewig in sich tragen. Wie heißt es doch so schön: Niemals geht man so ganz.

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