Fußball: Lehrwarte erklären strittige Regelfrage
Der Handarbeit auf der Spur

Tecklenburger Land -

Handspiel beim Fußball – ein Thema, das auch Experten immer wieder kritisch hinterfragen. Was sollen da nur die Schiedsrichter machen, die gleichsam „sofort“ eine Situation entscheiden müssen?

Donnerstag, 19.11.2020, 17:55 Uhr
Gerard Piqué (2. v. r.) blockt den Kopfball von Russlands Artem Dzyuba im WM-Achtelfinale 2018. Zwar geschah die Abwehraktion des spanischen Innenverteidigers unabsichtlich, da Pique aber seinen Arm über Schulterhöhe hatte, gab es einen Elfmeter.
Gerard Piqué (2. v. r.) blockt den Kopfball von Russlands Artem Dzyuba im WM-Achtelfinale 2018. Zwar geschah die Abwehraktion des spanischen Innenverteidigers unabsichtlich, da Pique aber seinen Arm über Schulterhöhe hatte, gab es einen Elfmeter. Foto: Aaron Chown/dpa

Handspiel oder nicht? Das Thema taugt für stundenlange Stammtischdiskussionen und sorgt auch bei TV-Experten oft für konträre Meinungen.

Um noch einmal die Sinne zu schärfen, wann der Ball strafbar mit der Hand gespielt wurde, hatten die beiden Schiedsrichterlehrwarte Jan Lohmann und Max Mendrina die neuen Schiedsrichter im Fußballkreis Steinfurt zu einer Videoschulung eingeladen. Die Handspielregelung sei auch für viele der vermeintlichen Experten eine „Blackbox“ und total schwer zu verstehen, begann Lohmann seinen Vortrag.

„Ein Vergehen liegt immer vor, wenn ein Spieler direkt mit dem Arm oder der Hand ins Tor trifft“, kam Lohmann auf die erste faktische Entscheidung zu sprechen.

Nach dem Motto: Bilder sagen mehr als 1000 Worte belegten Mendrina und Lohmann das Gelernte mit einer Champions-League-Szene zwischen FC Barcelona gegen Juventus Turin, in der der damalige Barca-Profi Neymar sich den Ball selbst an den Arm köpfte und dann traf – „das Tor zählte natürlich nicht“, verdeutlichte Lohmann.

Einleuchtend, für die meist jungen Schiedsrichter, die zuhause via Laptop, Smartphone oder Tablet die Videoschulung verfolgten. Lohmann erklärte, dass ebenfalls ein Vergehen vorliege, wenn ein Spieler oder Mitspieler den Ball mit der Hand oder dem Arm berühre und unmittelbar danach ein Tor erzielt wird oder eine Torchance entsteht. Egal, ob das Handspiel absichtlich oder unabsichtlich geschehen ist.

Um den Schiedsrichtern mehr Sicherheit in ihren Entscheidungen zu geben, legte der DFB weitere Kriterien für die Unmittelbarkeit fest.

Geht ein Spieler zum Beispiel nach einem Handspiel noch in ein längeres Dribbling und schließt dann erst ab, liegt keine Unmittelbarkeit mehr vor – der Treffer könnte zählen, wenn keine anderen Tatbestände dagegen sprächen.

Auch müsse der Handkontakt im Strafraum oder in unmittelbarer Strafraumnähe geschehen. Drittens seien noch die Stationen zu beachten. Erzielt der Spieler, der das Handspiel begeht, selbst das Tor oder bedient noch einen weiteren Mitspieler, der dann trifft, liegt ein unmittelbarer Zusammenhang vor – der Treffer dürfte auf keinen Fall zählen.

Der Tatbestand der Unmittelbarkeit sei nur gegeben, wenn alle drei Kriterien (Zeitspanne, Distanz und Stationen) erfüllt seien, schärfte Lohmann den neuen Unparteiischen ein. Auch dieses Thema belegte der Lehrwart wieder mit zahlreichen DFB-Lehrvideos.

Zu guter Letzt sprachen Lohmann und Mendrina das Kriterium der Strafbarkeit an. Das erste Kriterium Absicht ist dabei relativ simpel. Doch ein strafbares Handspiel liegt auch vor, wenn ein Spieler den Ball mit der Hand oder dem Arm berührt und seinen Körper aufgrund der Hand- oder Armhaltung unnatürlich vergrößert oder sich seine Hand oder sein Arm über Schulterhöhe befindet.

Lohmann streamte aber auch Negativbeispiele, bei denen der Ball an die Hand oder den Arm sprang, in der Regel aber kein Vergehen vorlag. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn der Ball bewusst gespielt und direkt vom Kopf oder Körper (einschließlich des Fußes) des Spielers an dessen Arm oder Hand springt.

Ebenfalls liegt kein Vergehen bei der sogenannten „Stützhand“ vor: Also wenn ein Spieler per Grätsche einen Schuss oder eine Flanke blocken will, den Ball dann an die Hand oder den Arm, der sich zwischen Körper und Boden befinden muss und nicht seitlich oder senkrecht vom Körper weggestreckt ist, bekommt.

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