2. Liga: VfL Osnabrück nach der 0:5-Niederlage beim Hamburger SV vor den Wochen der Wahrheit
Auf dem Boden der Tatsachen

Hamburg -

Nach der bitteren 0:5-Niederlage beim Hamburger SV geht der VfL Osnabrück nicht einfach zur Tagesordnung über. Die Gründe für dieses Debakel müssen aufgearbeitet werden, zumal die nächsten Wochen wegweisend für den Osnabrücker Zweitligisten werden könnten.

Dienstag, 19.01.2021, 15:22 Uhr aktualisiert: 21.01.2021, 19:22 Uhr
Bilder, die Bände sprechen: Während die Hamburger einen weiteren Treffer bejubeln, schleicht VfL-Angreifer Luc Ihorst gesenkten Hauptes von dannen.
Bilder, die Bände sprechen: Während die Hamburger einen weiteren Treffer bejubeln, schleicht VfL-Angreifer Luc Ihorst gesenkten Hauptes von dannen. Foto: imago images

Der Begriff Enttäuschung ist in der Regel negativ besetzt – obwohl dieses Attribut eigentlich doch etwas Positives in sich trägt. Die Fans, die ihren VfL Osnabrück vor dem Spiel beim Hamburger SV auf Augenhöhe wähnten, dürften seit Montagabend kaum mehr dieser Wahrnehmungstäuschung unterliegen. Der VfL wurde mit einer schmerzhaften Bruchlandung auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, und am Ende der desillusionierenden 0:5 (0:2)-Niederlage blieb nur die Erkenntnis: Diese beiden Mannschaften trennten an jenem 16. Spieltag der 2. Liga Welten.

Das räumte auch Marco Grote ein, der eine VfL-Mannschaft sah, die von der ersten Minute an der Musik hinterherlief und zu keinem Zeitpunkt Zugriff auf das Spiel fand. „Das tut weh. Der HSV war besser, griffiger und wahnsinnig gierig und aggressiv. All das haben wir vermissen lassen. Wir waren ein bisschen wie das Kaninchen vor der Schlange. Alle Ansätze nach vorne sind verpufft. Es ist alles gegen uns gelaufen – mit dem dritten Gegentor nach der Halbzeit war es entschieden“, brachte der VfL-Trainer die 90 Minuten im Hamburger Volksparkstadion beim Bezahlsender „sky“ auf den Punkt.

Grote hatte Maurice Trapp wieder in die Startformation beordert. Mit Timo Beermann und Lukas Gugganig bildete der Osnabrücker Mannschaftskapitän die Dreier-Abwehrkette, die bei Ballbesitz der Hamburger durch Kevin Wolze und Konstantin Engel auf den Außenbahnen zu einer Fünferkette ergänzt wurde. Schnell wurde deutlich, dass dies kein probates Mittel war, um den Spielfluss der Hamburger zu unterbinden.

Allerdings lag es weniger an der taktischen Ausrichtung, sondern vielmehr an der mentalen Einstellung, dass der VfL an diesem Abend kein Rezept fand gegen griffige Hamburger. Der fahrige Auftritt war von zahlreichen Fehlpässen geprägt, die den Gegner immer wieder in Ballbesitz brachten. Die Folge waren die Hamburger Führungstreffer durch Sonny Kittel (16.) und Bakery Jatta (41.). Als Jatta drei Minuten nach der Pause das 3:0 nachlegte, war das Thema für den VfL durch, die Mannschaft mit ihrem Latein am Ende. „Ob es zu viel Respekt war, ich weiß es nicht. Das reicht jedenfalls nicht, um in Hamburg zu bestehen. Heute waren es viele Dinge, die nicht gepasst haben. Da werden wir in die Analyse gehen müssen“, sagte VfL-Sportdirektor Benjamin Schmedes auf „sky“.

Für Maurice Trapp war es ein kollektives Versagen: „Es hat alles gefehlt. Wir waren in allen Bereichen unterlegen. Ein sehr bitterer Abend heute. Ich glaube nicht, dass wir zu viel Respekt vor dem HSV hatten. Wir haben es den Hamburgern einfach viel zu leicht gemacht“, räumte der Mannschaftskapitän ein.

Versöhnlich war die Geste nach Spielschluss, als sich Grote und sein Vorgänger beim VfL, der heutige HSV-Trainer Daniel Thioune, freundschaftlich-kollegial abklatschten. Thioune lag es denn auch fern, seine Freude über den Triumph gegen seine alte Mannschaft öffentlich auszukosten. „Ein Abend mit gemischten Gefühlen. Das 0:5 ist für die Jungs aus Osnabrück natürlich ein Brett“, sagte der gebürtige Georgsmarienhütter, ehe er auf seine Mannschaft zu sprechen kam: „Die gewonnenen Zweikämpfe waren die Basis. Unsere Ballqualität war hoch. In den finalen Aktionen waren wir sehr gut. Die Balance hat gepasst. Bakery Jatta war heute mal der Simon Terodde.“

Die Frage, die sich aus Osnabrücker Sicht nun stellt, lautet: Wie stecken die Lila-Weißen diese Niederlage weg? Einen Spieltag vor dem Ende der Hinrunde hat der VfL als Tabellenelfter 22 Punkte auf dem Konto. Das ist immer noch okay. Allerdings könnten die nächsten Spiele wegweisend sein. Schon am Freitag empfängt der VfL zum Abschluss der Hinserie den FC Erzgebirge Aue – gegen den die Osnabrücker in der vergangenen Saison zwei Mal nicht gewinnen konnten. Mit dem Heimspiel gegen die SpVgg. Greuther Fürth geht es nahtlos in die Rückrunde über. Dann folgt das Auswärtsspiel bei Hannover 96. Der VfL steht vor den Wochen der Wahrheit.

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