Corona: Keine Einnahmen, laufende Kosten
Noch ist die Situation in Steinfurt nicht dramatisch

Steinfurt/Lengerich -

Laufende Kosten, aber kaum Einnahmen angesichts ausfallender Sportkurse in Zeiten von Corona – der TV Hohne schlägt Alarm angesichts der besorgniserregenden Entwicklung. Auch in Steinfurt haben die beiden Großvereine TB Burgsteinfurt und TV Borghorst ihre Probleme.

Mittwoch, 27.01.2021, 11:36 Uhr aktualisiert: 27.01.2021, 16:27 Uhr
Die Rollladen herabgelassen, sämtliche Fenster geschlossen – im Veranstaltungssaal des „Centralhofs“ bewegt sich nichts in Corona-Zeiten. Für den TV Hohne laufen die Kosten dennoch weiter.
Die Rollladen herabgelassen, sämtliche Fenster geschlossen – im Veranstaltungssaal des „Centralhofs“ bewegt sich nichts in Corona-Zeiten. Für den TV Hohne laufen die Kosten dennoch weiter. Foto: Heiner Gerull

Der zweite Lockdown mit der erneuten Schließung der Sportanlagen macht den Vereinen in Deutschland weitaus mehr zu schaffen als der erste im Frühjahr 2020. Das geht aus einer Studie hervor, die die Deutsche Sporthochschule in Köln nach Auswertung des Sportentwicklungsberichts für Deutschland jetzt veröffentlicht hat. Demnach haben 44 Prozent der Sportvereine Mitgliederrückgänge als Folge der Corona-Pandemie gemeldet. In der heimischen Region bestätigt sich dieser Trend nicht, wie eine Umfrage unter den Mehrspartenvereinen zeigt.

Dörte Michels, hauptamtliche Vorsitzende des TB Burgsteinfurt , und Carsten Blanke , ihr Pendant vom TV Borghorst, haben im Januar ihre Hausaufgaben gemacht und die Statistik mit Zu- und Abgängen vorlegen können. Demnach hat der Turnerbund 71 Mitglieder verloren, beim Turnverein sind es dagegen sogar zehn Prozent wie Blanke einräumt. „Wir hatten am 1. Januar 2020 1850 Mitglieder, jetzt sind es noch 1673. Aber nicht alle Abgänge sind an Corona festzumachen“, hebt der Vorsitzende hervor, dass es auch immer eine normale Fluktuation gebe. In den 25 Kursen, wo keine Mitgliedschaft erforderlich sei, laufe gar nichts mehr. Die anderen zehn Prozent „ziehen sich durch alle Abteilungen, vor allem aber im Kinder- und Jugendbereich“, sagt Blanke.

Dies kann auch Dörte Michels bestätigen: „Kindertanzen oder Fit and Fun – das findet ja alles nicht mehr statt“, sagt sie. Ansonsten hielten die Mitglieder dem TB größtenteils die Treue, beim Tischtennis hätte es sogar ein Plus von zehn Mitgliedern gegeben. Dafür sei die Badmintonabteilung kleiner geworden, da „hier viele Studenten spielen“ – und die nun mal finanziell nicht auf Rosen gebettet sind und auf ihr Geld schauen müssen.

Von den 27 Kursen inklusive Reha, die die Stemmerter im Programm haben und dafür extra das Jugendhaus neben dem Martin-Luther-Haus angemietet haben, findet derzeit coronabedingt keiner statt. Aber die Miete laufe natürlich weiter.

Ein Beispiel aus dem östlichen Münsterland zeigt, dass es bei einem Verein finanziell bereits eng wird. Den TV Hohne bringen Kosten für die Pacht des angemieteten Saals im „Centralhof“ mächtig in die Bredouille. Da der Verein derzeit keine Einnahmen generieren kann, weil sämtliche Kurse in dem Veranstaltungsgebäude abgesagt werden mussten, die Mietkosten aber weiterlaufen, sieht sich der TVH gar in seiner Existenz bedroht. „Wir haben zwar ein paar Rücklagen“, schlägt Ulrich Krumme Alarm, „aber lange können wir das nicht mehr durchhalten.“

„Es geht sozialer Kitt verloren, der gerade in einer individualisierten Zuwanderungsgesellschaft von Bedeutung ist. Damit treffen die Folgen nicht nur die Vereinsmitglieder, sondern die gesamte Gesellschaft“, wird Christoph Breuer, Leiter der Studie und Sportsoziologe an der Deutschen Sporthochschule in Köln, in einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zitiert. Was bleibt, ist die Hoffnung, dass dieser Verein, der seinen Mitgliedern seit nunmehr 110 Jahren eine sportliche Heimat bietet, die Krise übersteht.

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