Manuel Riemann: Einst beim VfL Osnabrück, nun am Tor zur Bundesliga
Torhüter vor Rückkehr an die Bremer Brücke

Osnabrück -

Das erste Bild im Kopf, wenn er an die Zeit beim VfL Osnabrück denkt? „Leider ein bitteres – wie wir im Sommer 2013 enttäuscht in der Kabine in Dresden saßen nach dem verpassten Zweitliga-Aufstieg in der Relegation. Mit dieser tollen Mannschaft.

Freitag, 05.02.2021, 11:28 Uhr aktualisiert: 05.02.2021, 11:30 Uhr
Manuel Riemann (links), klärt hier noch im VfL-Trikot gegen Preußen Münsters Güvenisik mit dem Kopf. Am Samstag kehrt Riemann mit dem VfL Bochum zurück an die Bremer Brücke.
Manuel Riemann (links), klärt hier noch im VfL-Trikot gegen Preußen Münsters Güvenisik mit dem Kopf. Am Samstag kehrt Riemann mit dem VfL Bochum zurück an die Bremer Brücke. Foto: Jürgen Peperhowe

Selbst heute tut das noch weh“, sagt Manuel Riemann. Am Samstag kehrt er als Torwart des VfL Bochum zurück an die Bremer Brücke und freut sich auf alte Weggefährten wie Rolf Meyer , Timo Beermann und Mario Richter – sowie darüber, dass sein Ex-Klub auch 2. Bundesliga spielt.

„Sie sind unangenehm, verteidigen kompakt, leben von der mannschaftlichen Geschlossenheit und haben offensiv ein, zwei Ausnahmekicker, die ein Spiel allein entscheiden können“, sagt der gebürtige Oberbayer über den aktuellen niedersächsischen VfL. Als Keeper des Tabellenzweiten ergänzt der 32-Jährige vor dem Spiel beim 13. selbstbewusst: „Bringen beide Teams ihr Optimum auf das Feld, haben wir mehr Qualität und daher gute Chancen, zu gewinnen.“

Nun könnte man auf den Reflex verfallen, Fußball-Analysen eines Torwarts mit Blick auf seine Spezialaufgabe auf dem Feld kaum Bedeutung beizumessen. Bei Riemann darf man diesen Fehler nicht machen: Klar ist er stark darin, sich in die Schüsse des Gegners zu werfen – aber vor allem ist er erster Feldspieler seines Teams. Als zentrale Figur im Spielaufbau mit schnellen Spieleröffnungen, präzisen langen Bällen aus der Hand und aus dem Fuß, sowie im Stile eines Manuel Neuer als weit im Feld agierender Libero-Abfangjäger hinter einer hoch stehenden Abwehr.

So spielte er schon, als er als 21-Jähriger aus Burghausen zum VfL kam, um 2010 den Kampf mit Tino Berbig aufzunehmen: Ein Keeper der alten Schule, etabliert in der Aufstiegself. Gegen den FC Getafe im Test wollte Riemann sein modernes Torwartspiel zeigen, ging etwas zu viel ins Risiko – und verschuldete zwei Gegentore. „Junge Menschen machen Fehler. Mit ein paar Dummheiten habe ich es mir beim VfL zu Beginn kaputt gemacht, zu spielen“, weiß Riemann auch mit Blick auf Ausflüge in die Stadt vor Spielen. Aber er sagt auch: „Ich durfte keine Minute auf dem Feld helfen, den Abstieg zu verhindern, wobei es Gelegenheiten gegeben hätte, mal den Torwart zu wechseln. Aber diese Erfahrung war total wertvoll für meine Entwicklung. Ich bin Torwarttrainer Rollo Meyer dankbar: Er hat stets an mich geglaubt und nach dem Abstieg 2011 gesagt: Stellt den jetzt rein, ich krieg den hin.“

Und wie: Riemann wurde zum überragenden Rückhalt in der 3. Liga, wuchs schneller als der VfL, wagte 2013 mit dem Wechsel zum SV Sandhausen den Sprung in die 2. Bundesliga. Seit 2015 spielt er in Bochum. Bei beiden Stationen startete er auch als Nummer zwei und verdrängte den Konkurrenten, jeweils sogar schneller als in Osnabrück. Nun ist er im besten Torwartalter – und seinem Traum von der Bundesliga vielleicht so nah wie nie.

„Ich bin recht ungeduldig. Aber auch überzeugt davon, dass Erfolg nur durch Reiberei entstehen kann“, sagt Riemann. Eine treffende Selbstbeschreibung für einen gradlinigen Torwart und Menschen, der keinem Konflikt aus dem Weg geht. Aber auch anerkennt, dass sich die Strategie der langen Leine von Kumpeltyp-Trainer Thomas Reis nun offenbar auszahlt – nach einer doch heftigeren Durststrecke der durchaus hoch gehandelten Elf in der ersten Hälfte der letzten Saison. „Wir haben uns als Team jetztgefunden. Nun müssen wir gierig bleiben wie zuletzt – dann sind wir bis zum Ende oben dabei“, sagt Riemann.

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