Fußball: Verunsicherung nach NRW-Beschluss
Verband bleibt standhaft: Saison soll abgebrochen werden

Kreis Tecklenburg/Kamen -

Die Bekanntgabe der Corona-Lockerungsmaßnahmen seitens der NRW-Regierung sorgte in mancherlei Hinsicht für Spekulationen - auch im Lager der Amateurfußballer. Doch aufkommenden Gerüchten, die Fußballsaison 2019/20 könne weitergeführt werden, nahm das Präsidium des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen jetzt den Wind aus den Segeln.

Freitag, 08.05.2020, 18:44 Uhr
FLVW-Präsident Gundolf Walaschewski warnt vor einer „voreiligen und hochriskanten“ Rückkehr auf die Fußballplätze.
FLVW-Präsident Gundolf Walaschewski warnt vor einer „voreiligen und hochriskanten“ Rückkehr auf die Fußballplätze. Foto: Marco Steinbrenner

Am Mittwoch hatte der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) empfohlen, die Meisterschaftssaison in den Amateurligen von der Ober- bis hinunter zu den D-Kreisligen abzubrechen. Nur einen Tag später überraschte die NRW-Landesregierung mit umfangreichen Corona-Lockerungsmaßnahmen, die vorsehen, ab dem 30. Mai die Ausübung von Sportarten auch mit unvermeidbarem Körperkontakt wieder zu gestatten. Das wirbelte unter den Amateurfußballern einigen Staub auf.

Wird die Saison 2019/20 doch noch fortgesetzt? Der FLVW sorgt für Klarheit, indem er seinen Standpunkt unmissverständlich darlegt. „Das Präsidium sieht auch nach der Öffnungsmitteilung der Landesregierung nicht den geringsten Anlass, von der Empfehlung zum Saisonabbruch abzurücken. Wir halten diesen für verantwortbarer als die Weiterführung der Saison“, teilte FLVW-Präsident Gundolf Walaschewski in einem Statement gestern mit.

Dr. Hanno Knippenberg ist als Spartenleiter Fußball beim TuS Graf Kobbo Tecklenburg gewöhnlich darüber informiert, was hinter den Kulissen passiert. Erst recht klingeln den Rechtsanwalt die Ohren, wenn es um (sport-)juristische Angelegenheiten geht. Doch er will sich angesichts der jüngsten Entwicklung nicht aus dem Fenster lehnen. Deshalb nimmt er Glückwünsche für den – wahrscheinlichen – Aufstieg der ersten und zweiten Mannschaft des TuS Graf Kobbo vorläufig nicht an. „Wie ist eigentlich der Stand der Dinge?“, fragte Knippenberg gestern. Selbst ihn, den promovierten Juristen, befallen offenbar leise Zweifel, ob da nicht doch noch etwas schiefgehen könnte in puncto Aufstieg.

Veröffentlichungen in Print- und digitalen Medien hatten am Donnerstagabend für Verunsicherung gesorgt. So überschrieben die „Ruhr Nachrichten“ einen Artikel mit dem Titel „FLVW bestätigt – Die Saisonfortsetzung im Fußball ist wieder möglich“. Das Online-Portal „Heimspiel“ bezog sich auf diesen Bericht, zitierte FLVW-Vizepräsident Manfred Schnieders („Ich kann nicht bestätigen, dass die Saison wie geplant abgebrochen wird. Es kann sein, dass weitergespielt wird.“) und titelte: „War der Aufwand für die Katz?“

Zwar relativierte der Autor diese rhetorische Frage, indem er am Ende des Berichts zu dem Schluss kam, dass „vorläufig wohl alles beim Alten“ bleibe. Gleichwohl suggerieren beide Überschriften, die vom FLVW beschlossene Empfehlung, die Fußballsaison abzubrechen, sei keineswegs in Stein gemeißelt – und erweckt damit den Anschein, eine Saisonfortsetzung sei durchaus denkbar.

Doch diese aufkommenden Zweifel sind wohl nicht mehr als ein Sturm im Wasserglas, denn der Fußballverband stellte gestern klar, dass die geplanten Lockerungs-Maßnahmen der NRW-Regierung nichts an der grundsätzlichen Ausrichtung des FLVW ändern werden. „Wenn wir jetzt unsere Empfehlung zum Abbruch der Saison infrage stellen und eine Weiterführung der Saison beschließen würden, würden wir die Mannschaften zwingen, wieder am Spielbetrieb teilzunehmen. Dürfen wir das als Verband überhaupt? Haben wir nicht vielmehr die Pflicht, aus Verantwortung für die Spieler, die Trainer und Betreuer, die Familien, die Zuschauer das Risiko gegen Null zu fahren? Ich meine, ja“, bekräftigt Walaschweski in der Mitteilung.

Somit wird es darauf hin­auslaufen, was nach mehrwöchigen Beratungen in den Gremien auf Kreis- und Verbandsebene vereinbart wurde: Am 11. Mai wird die Ständige Konferenz über die Beschlussempfehlung des FLVW-Präsidiums abstimmen, ehe auf einem außerordentlichen Verbandstag im Juni ein verbindlicher Beschluss gefasst wird.

Solange muss sich auch der TuS Graf Kobbo noch gedulden, um sich als Meister feiern lassen zu können. „Damit aber“, sagt Knippenberg, „können wir leben.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7401903?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F94%2F35349%2F
Nachrichten-Ticker