„Es passt hinten und vorne“
„Es passt hinten und vorne“

Lotte - Die Sportfreunde Lotte sind derzeit das Nonplusultra in der Regionalliga West. Mit fünf Punkten Vorsprung führen sie die Tabelle an. Und sie haben mit Marcus Fischer einen Torjäger, der in der Form seines Lebens zu sein scheint. Am Freitag erzielte er in Wuppertal seine Treffer Nummer elf bis 13 und führt damit die Regionalliga-Torjägerliste an. Sport-Redakteur Alfred...

Donnerstag, 10.11.2011, 09:11 Uhr

Lotte - Die Sportfreunde Lotte sind derzeit das Nonplusultra in der Regionalliga West. Mit fünf Punkten Vorsprung führen sie die Tabelle an. Und sie haben mit Marcus Fischer einen Torjäger, der in der Form seines Lebens zu sein scheint. Am Freitag erzielte er in Wuppertal seine Treffer Nummer elf bis 13 und führt damit die Regionalliga-Torjägerliste an. Sport-Redakteur Alfred Stegemann hat sich mit dem 31-Jährigen unterhalten, der nicht nur Stellung zu seinem persönlichen Höhenflug bezog, sondern auch zu dem der Sportfreunde. Und er deutete an, dass er vielleicht am Ende der Saison seine Schuhe an den Nagel hängen wird.

Herr Fischer, bundesweit gibt es im bezahlten Fußball derzeit nur drei Mannschaften, die ungeschlagen sind. Das sind in der zweiten Bundesliga Fortuna Düsseldorf und Eintracht Frankfurt sowie in der Regionalliga West SF Lotte. Warum läuft es bei den Sportfreunden so gut?

Marcus Fischer: Wir haben eine starke und charakterlich gute Mannschaft. Jeder weiß, dass er sich auf den anderen verlassen kann. Der eine ackert für den anderen mit. Nach einem Ballverlust versuchen alle, den Ball schnell wieder zu bekommen. Und wir haben mittlerweile ein gesundes Selbstbewusstsein aufgebaut.

Dabei wurden in Lotte zu Saisonbeginn kleine Brötchen gebacken. War das Understatement oder Realismus?

Fischer: Wir alle wissen aus eigener Erfahrung, dass es enorm schwer ist, in dieser starken Liga Fuß zu fassen und immer eine Top-Leistung abzuliefern. Das ist aber wichtig, um Spiele zu gewinnen.

In der vergangenen Saison gingen die Sportfreunde nach Platz zwei im Vorjahr und ausgeprägter Einkaufstour als Topfavorit in die Runde. Auch der Club selbst sprach vom Aufstieg. Das Spieljahr brachte aber mehr Frust als Lust. Hat der Verein daraus gelernt und wollte sich deshalb nicht mehr so weit aus dem Fenster lehnen?

Fischer: Mit Sicherheit wollte er das nicht mehr machen. Ich habe letztes Jahr nicht hier gespielt und weiß nicht, warum es so war. Aber insgesamt macht es mehr Sinn, klein anzufangen und sich dann vorzuarbeiten.

Bisher läuft es ausgesprochen gut. Auf den Punkt gebracht, was ist das Geheimnis des Erfolges?

Fischer: Das ist schwer. Das Trainerteam hat großen Anteil und passt auf, dass wir nicht abheben. In der Mannschaft stimmt es einfach. Wir haben Spaß. Jeder freut sich auf die Spiele und auf das Training. Das macht uns stark. Es passt hinten und vorne. Dann stellt sich auch der Erfolg ein.

Überrascht Sie dieser Höhenflug?

Fischer: Jein. Ich hatte die Vermutung, dass wir oben mitspielen können. Gehofft habe ich es auf jeden Fall. Nun läuft es aber doch besser als erwartet.

Ihr eigener Anteil daran ist nicht gerade gering. In Wuppertal zuletzt erzielten Sie sogar einen Dreierpack.

Fischer: Ja, das ist wohl so. Ich habe eine gewisse Erfahrung und weiß, wo das Tor steht. Außerdem bin ich zuletzt von langfristigen Verletzungsausfällen, die mich früher immer wieder zurückgeworfen haben, verschont geblieben. In Lotte habe ich tolle Mitspieler. Die schlagen gut getimte Flanke in den Strafraum, so dass ich eigentlich nur noch meinen Schädel hinhalten muss . . .

Vor zwei Jahren in Lotte erzielten Sie in 29 Spielen 10 Tore, letztes Jahr in Elversberg 11 Tore in 30 Spielen. Jetzt haben Sie nach 14 Spielen schon 13 Mal getroffen und führen die Torjägerliste der Regionalliga an. Dabei wurden sie je drei Mal ein- und ausgewechselt, haben also nur acht Spiele über 90 Minuten absolviert. Warum läuft es so gut bei Ihnen?

Fischer: Der Trainer weiß, wie Fußball funktioniert. Das bringt er auch hervorragend rüber. Wir haben eine intelligente Mannschaft, die diese Vorgaben umzusetzen weiß. Letzte Saison in Elversberg hat einiges gehakt. Hier in Lotte habe ich die Mitspieler, die mich richtig in Szene setzen, die ich auch brauche. Allein kann ich nichts ausrichten.

Mit Martin Hess und Simon Engelmann hat Trainer Maik Walpurgis weitere gute Stürmer in der Hinterhand, die auch jederzeit einspringen oder neben Ihnen spielen könnten. Fühlen Sie sich eigentlich im von Walpurgis bevorzugten 4:2:3:1-System als einzige Spitze wohler oder in einem System mit zwei Angreifern?

Fischer: Für die Mannschaft insgesamt ist es sicherlich besser, mit nur einer Spitze zu spielen, weil dann Mittelfeld und Abwehr kompakter stehen. Ich persönlich spiele lieber offensiver. Mit zwei Angreifern kann man mehr Druck auf die gegnerische Viererkette ausüben und man reibt sich eben nicht so als Einzelkämpfer auf. Dann aber fehlt einer im Mittelfeld. Das kann Löcher reißen und die Defensive belasten. Für uns insgesamt ist das Spiel mit einer Spitze deshalb sicherlich die bessere Variante.

Nach der Saison 2009/2010 haben Sie die Sportfreunde nicht gerade im Frieden Richtung Elversberg verlassen. Ein Jahr später waren Sie wieder da. Gemunkelt wurde darüber schon länger, dennoch kam der Wechsel für viele doch überraschend. Was hat Sie bewogen, nach Lotte zurückzukehren?

Fischer: Bei meinem Weggang damals ist sicherlich nicht alles so gut verlaufen, aber ich bin auch nicht im absoluten Streit gegangen. Kontakte bestanden immer. Elversberg war eine schöne Erfahrung für mich. Aber der Erfolg blieb dort aus. Deshalb habe ich gerne zugesagt, als die Anfrage kam.

Sie sind jetzt 31 Jahre alt. Werden Sie Ihre Karriere in Lotte beenden?

Fischer: Ich plane derzeit nicht langfristig. Mein Vertrag läuft bis Saisonende. Vielleicht ist dann auch ganz Schluss und ich hänge die Fußballschuhe an den Nagel. Ich hatte viele schlimme Verletzungen, wie Achillessehnen- und Kreuzbandriss. Hinzu kamen drei Operationen. Alles am linken Bein. Das merke ich ständig. Ich wache oftmals mit Schmerzen auf. Am Saisonende werde ich in meinen Körper horchen und dann entscheiden.

Vor zwei Jahren führten die Sportfreunde ebenfalls die Tabelle lange Zeit an, phasenweise mit vier Punkten Vorsprung, und gingen als Wintermeister ins neue Jahr. Dann lief es nicht mehr rund und Saarbrücken wurde Meister. Es tun sich zur aktuellen Saison also einige Parallelen auf. Ist zu befürchten, dass die Mannschaft nach der Winterpause wieder einbricht.

Fischer: Das hoffe ich absolut nicht. Ich glaube, dass alle aus den Fehlern gelernt haben, die damals gemacht worden sind. Wir wollten in der Rückrunde einfach zu viel, haben uns zu sehr unter Druck gesetzt. Zudem ist durch die im Winter verpflichteten Neuzugänge eine gewisse Unruhe aufgekommen. In der Rückrunde hat auch aus anderen Gründen vieles nicht mehr funktioniert. Wir wissen, dass wir es damals vergeigt haben und werden diesmal alles tun, um es besser zu machen.

Trauen Sie den Sportfreunden Lotte den Aufstieg in die 3. Liga zu?

Fischer: Grundsätzlich sehe ich uns vorne, möchte aber nicht vom Aufstieg sprechen. Denn wir wissen ja, was vor zwei Jahren passiert ist. Die Liga ist unglaublich stark und ausgeglichen. Die Saison ist noch sehr lang. Es ist zwar alles möglich, dennoch sollten wir erst kurz vor Saisonende darüber reden.

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